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Der Rückbau von Mühlrose hat begonnen

Die Leag entkernt die ersten beiden Häuser. Gegner sehen keine Rechtsgrundlage dafür, anders das Energieunternehmen.

Dieses Haus in Mühlrose gehört zu den ersten, die als Folge der Umsiedlungsvereinbarung mit der Leag aus dem Jahr 2019 abgerissen werden.
Dieses Haus in Mühlrose gehört zu den ersten, die als Folge der Umsiedlungsvereinbarung mit der Leag aus dem Jahr 2019 abgerissen werden. © Joachim Rehle

Die ersten schweren Baumaschinen stehen hinter den beiden Mühlroser Häusern, mit denen die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) den Rückbau der Ortschaft Mühlrose am Montag begonnen hat. Die beiden Häuser, die sich inzwischen im Eigentum der Leag befinden, werden zunächst entkernt, dann komplett abgerissen. Ziel des Unternehmens ist es, die Kohle aus dem unter dem Ort befindlichen „Teilfeld Mühlrose“ zu verstromen.

Gegner der weiteren Braunkohleverstromung sind fassungslos, dass die Leag so schnell Tatsachen schafft. Antonia Mertsching, Landtagsabgeordnete der Linken, und die Umweltaktivisten von „Alle Dörfer bleiben“ monieren, dass es – so behaupten sie es – noch keine bergrechtliche Genehmigung zur Abbaggerung von Mühlrose gibt. Außerdem hätte eine kürzlich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Studie von Ernest & Young bestätigt, dass die im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes vereinbarten Kohlemengen den Abbau der unter Mühlrose lagernden Braunkohle nicht erfordert. Mertsching fordert die Leag in einem offenen Brief auf, „von der Strategie der verbrannten Erde abzulassen und die geplante Zerstörung des von Ihnen (der Leag) erworbenen Eigentums auszusetzen, bis über die Zukunft von Mühlrose entschieden ist.“

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Kohlegegner für kleineren Tagebau

Ramona Höhn vom Bündnis „Alle Dörfer bleiben!“ baut trotz der Umsiedlungsvereinbarung gerade den Hof ihrer Schwiegereltern in Mühlrose für ihre Familie um und erklärt: „Während mittlerweile sogar Gutachten im Auftrag der Bundesregierung bestätigen, dass die Kohle unter Mühlrose nicht benötigt wird, will die Leag mit dem Abriss der Häuser Fakten schaffen. Obwohl es keine Rechtsgrundlage für die Abbaggerung des Dorfes gibt, soll die jahrhundertealte Siedlungsstruktur zerstört werden. Es ist völlig unklar, wozu der Abriss der Häuser dienen soll, denn Mühlrose wird nicht abgebaggert werden. Das ist ein himmelschreiender Skandal.“ Sie und ihrer Mitstreiter von „Alle Dörfer bleiben“ fordern die Leag auf, die Häuser zu erhalten und den Tagebau Nochten so zu verkleinern, dass die Mühlroser Straße erhalten bleibt. Die Mühlroser Straße liegt im Vorfeld des Tagebaus Nochten und stellt aus Sicht der Braunkohlegegner eine wichtige Grenzlinie für den Erhalt von Mühlrose dar.

Innen wird erst einmal entkernt, aber hinter dem Haus warten bereits die großen Baumaschinen.
Innen wird erst einmal entkernt, aber hinter dem Haus warten bereits die großen Baumaschinen. © Joachim Rehle

Leag pocht auf Vertrag

Die Leag sieht die Situation völlig anders. Für die Unternehmensplanung des Energieunternehmens hat die Inanspruchnahme des Teilfeldes Mühlrose weiterhin Bestand. Man werde die im Umsiedlungsvertrag vereinbarten Maßnahmen uneingeschränkt und zügig umsetzen, sagt Leag-Pressesprecherin Kathi Gerstner. „Für die Umsiedlung von Mühlrose liegt seit März 2019 ein unterschriebener und damit rechtskräftiger Umsiedlungsvertrag vor. Die Umsiedlung von Mühlrose ist Bestandteil des im Jahr 2014 genehmigten Braunkohleplans für den Tagebau Nochten.“ 

Behauptungen, Mühlrose dürfe nicht umgesiedelt werden, weist der für die Umsiedlung verantwortliche Leiter für Planung und Asset Management, Thomas Penk, entschieden zurück. „Mit diesen Aussagen wird der Umsiedlungsvertrag politisch infrage gestellt und damit die Zukunft der Mühlroser Einwohner. Dies führt zu einer unverantwortlichen Verunsicherung für die Menschen in Mühlrose.“

Auch die Behauptung, dass die Kohle des Teilfeldes Mühlrose wegen des niedrigen Bedarfs durch das Kohleausstiegsgesetz nicht mehr gebraucht würde und deshalb die Abbaggerungspläne nicht umgesetzt werden dürfen, weist die Leag zurück. Das, worauf sich jetzt die Kohlegegner beziehen, seien reine Mengenangaben von ursprünglich geplanter und jetzt voraussichtlich benötigter Kohle.

„Das Gutachten trifft keinerlei Aussagen über die erforderlichen Anpassungen der Tagebauplanung. Hierfür spielen vielfältige Faktoren wie Versorgungswege, Förderbedingungen und Kohlequalitäten eine Rolle, die über eine rein mengenmäßige Betrachtung weit hinausgehen,“ so Thomas Penk weiter. Hierzu werde die Leag ein neues Revierkonzept vorlegen. „Die Kohle aus dem Teilfeld Mühlrose ist und bleibt für die Versorgung der Kraftwerke unverzichtbar“, bestätigt Thomas Penk. Dazu hätte sich die Leag bereits im Januar 2020 nach der Bund-Länder-Einigung zum Kohleausstieg bekannt.

Regina und Heinz Lohr aus Mühlrose gehören zu den ersten Umsiedlern. Sie haben in der vergangenen Woche ihr neues Domizil in Trebendorf bezogen.
Regina und Heinz Lohr aus Mühlrose gehören zu den ersten Umsiedlern. Sie haben in der vergangenen Woche ihr neues Domizil in Trebendorf bezogen. © Joachim Rehle

Bürgermeister bleibt neutral

Bei all dem Streit kommen die betroffenen Bürger aus Mühlrose eher am Rand vor. Trebendorfs Bürgermeister Waldemar Locke, der damit für den Ortsteil Mühlrose mit zuständig ist, selbst Mühlroser ist und den Umsiedlungsvertrag mit der Leag im März 2019 selbst unterzeichnet hat, hält sich bedeckt: „Ich bin Bürgermeister für alle Mühlroser und möchte nicht weiteres Öl ins Feuer gießen.“ Fakt sei, dass nach der Unterzeichnung die Leag versucht habe, mit den Mühlroser Grundstückseigentümern zu Vereinbarungen über ihre jeweilige Umsiedlung zu kommen. Die Mehrzahl der Mühlroser habe die Angebote angenommen, aber einige eben nicht oder noch nicht.

Laut Bürgermeister Waldemar Locke werden bis Oktober andererseits die ersten fünf Familien als Folge des Umsiedlungsvertrages aus Mühlrose weggezogen sein. Dazu gehören auch Regina und Heinz Lohr, die in der vergangenen Woche ihr neues Domizil in Trebendorf bezogen haben und nach eigenen Worten „überglücklich damit“ sind, obwohl das Außengelände um ihr neues Eigenheim noch viel von einer Baustelle hat.

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Mühlrose ist das letzte Lausitzer Dorf, das der Braunkohle weicht. Ein Ort voll von Wehmut, Wut und Widerstand. Die meisten werden jetzt gehen – aber nicht alle.

Die Kohlegegner von „Alle Dörfer bleiben“, die auch die Argumentation der Leag als rechtlich falsch zurückweisen, ficht das nicht an. Sie kündigen eine Protestaktion an: Für den Stopp des Tagebaus Nochten vor der Mühlroser Straße wird am 20. September im Rahmen eines Waldspaziergangs demonstriert, bei dem Naturführer Michael Zobel sprechen wird. Aufgerufen haben die Umweltgruppe Cottbus und das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“.

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