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Der Rücktritt nach der Ehrung

Seit 2008 hat Magitta Goetsch das Tierheim aus der Krise geführt. Jetzt zieht sie sich enttäuscht zurück. Der Stadtchef ist bestürzt.

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Von Lars Kühl

Eine Woche vorher wurde sie noch für ihr großes ehrenamtliches Engagement von Freitals OB Klaus Mättig (CDU) gewürdigt, jetzt ist Magitta Goetsch als Vorsitzende des Tierschutzvereines Freital und Umgebung zurückgetreten.

Für viele ist das völlig überraschend. Schließlich ist ihr Name seit ihrem Einstieg im Verein, der das Tierheim auf dem Windberg betreibt, eng mit dem eingeschlagenen Konsolidierungskurs und den Verbesserungen der Bedingungenen vor Ort sowohl für die Tiere als auch für die Mitarbeiter verbunden. Magitta Goetsch gelang es, in den vier Jahren zahlreiche Spender zu gewinnen, neue Geldquellen etwa durch Hundetrainingsstunden für Private zu finden oder dem einst maroden Haus eine notwendige Überholung zu verpassen.

Erst zum Tierheimfest im August konnte sie das neue Dach für den Katzenauslauf, zwei großzügige Ausläufe für die Hunde mit neuen Hütten und die neuen Dächer in den Sommerzwingern präsentieren. Das Freitaler Tierheim hatte sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf weit über seine Ortsgrenzen hinaus erarbeitet.

Nun also das abrupte Ende der Ära Goetsch. „Ich habe den Rücktritt mit Bestürzung zur Kenntnis genommen“, sagt Mättig. „Aber die Stadt Freital steht weiter zu ihrem Tierheim und wird mit der neuen Besatzung zusammenarbeiten.“ Zukünftig will er aber in solche Prozesse mit einbezogen werden.

Auch der verbliebene Vorstand reagierte zum Teil geschockt. „Es war für uns wie ein Schlag. Was Magitta für den Verein getan hat, kann keiner abschätzen“, erklärt Schatzmeisterin Andrea Walter. Yvonne Heine ergänzt: „Ich hätte nicht gedacht, dass das, was an Problemen und Konfliktpotenzial da ist, reicht, um zurückzutreten.“ Die Arbeit des Tierschutzvereines sei aber auch in Zukunft nicht in Gefahr. „Selbstverständlich habe ich nicht sofort alles hingeschmissen, es gab eine ordentliche Übergabe, gespickt mit vielen Ratschlägen von mir“, berichtet Magitta Goetsch, die sich auch vom Vorstand nicht mehr umstimmen ließ, als der den Rücktritt nicht annehmen wollte.

Vorsitz wird neu besetzt

Ihre Stellvertreterin Verona Salomo, die Tierheimleiterin, sowie Andrea Walter sind weiter vertretungsberechtigt und werden von den anderen Vorstandsmitgliedern Corinna Koch, Yvonne Heine und Petra Frank unterstützt. Die Aufgaben von Magitta Goetsch werden auf alle Schultern verteilt. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen Freital, Tharandt, Wilsdruff, Glashütte, Rabenau, Kreischa und Höckendorf – ebenfalls ein Verdienst der Zurückgetretenen – wird fortgesetzt.

Doch was bewegt so eine überzeugte Tierschützerin wie Magitta Goetsch – die sich seit 2004 bei allen Wetterlagen zu den Öffnungszeiten zum Windberg aufgemacht hat, und 2008 aktiv in die Vereinsarbeit einstieg – aufzugeben?

Es gab unterschiedliche Auffassungen, wie man das gemeinsame Ziel erreichen kann, möglichst viele Tiere zu retten. Es kam zu Reibereien innerhalb des neuen Vorstandes, nicht erst seit ein paar Wochen. Eine gemeinsame Lösung wurde nicht gefunden. Goetschs Vorschlag, gänzlich im Tierheim einzusteigen und neben dem Vorsitz im Verein in einer Doppelfunktion auch die Tierheimleitung zu übernehmen, war für die anderen Gremiumsmitglieder keine Option.

Reibungspunkte im Tierschutz

Magitta Goetsch entschied sich schließlich zum Rückzug mit allen Konsequenzen. „Es sind alles gute Tierschützer im neuen Vorstand, das möchte ich ausdrücklich betonen“, erklärt sie. „Ich habe aber nicht mehr genug Kraft, darum zu kämpfen, dass die von mir entwickelte und erfolgreiche konzeptionelle Arbeit so fortgeführt wird.“

Gerade in der Tierschutzarbeit gebe es aber Reibungspunkte, Missverständnisse und unterschiedlichen Sichtweisen, die sehr oft zu Konfliktsituationen geführt hätten.„Deshalb war mein Führungsstil auch eher autoritär, mit hohen Anforderungen an alle Mitarbeiter“, sagt Magitta Goetsch. Ihre klaren Ansagen kamen allerdings nicht bei jedem gut an. Trotzdem meint sie: „Einer muss den Gesamtüberblick behalten, auch sagen, wo es lang geht und nicht nur vor dem Eisberg warnen, sondern diesen auch umschiffen können.“

Für die Zukunft sieht die Freitalerin den Tierschutzverein dennoch gut aufgestellt. Die neue Crew könne sich nun verstärkt auf die regionale Tierschutzarbeit konzentrieren. Das Freitaler Tierheim bietet zurzeit Platz für ungefähr 40 Hunde. Durch vermehrte Aufnahmen aus dem Ausland war man zuletzt immer voll, in diesem Sommer sogar über die Überlastungsgrenze hinaus, wie Yvonne Heine einschätzt: „Das soll es zukünftig nicht mehr geben.“ Man müsse immer genügend Plätze für die kommunalen Aufträge, Pensionshunde oder die, die vom Probewohnen zurückkommen, bereit halten. Auch beim ständig vollen Katzenhaus müsse sich die Situation wieder entspannen.

Von den Regulierungen wird sich Magitta Goetsch nicht überzeugen können. Sie geht ohne Option auf Neustart, selbst zum Gassigehen will sie nicht mehr auf den Windberg kommen. Etwas möchten ihre Vorstandkolleginnen aber noch los werden. „Magitta gebührt ein riesiges Dankeschön, dass das Tierheim so gut dasteht“, sagt Andrea Walter.