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Der Ruppendorfer Problemhof

Klingenberg kauft den Zentralhof. Er ist ein Schandfleck in der Ortsmitte. Was wird nun daraus?

Von Franz Herz

Auf dem riesigen Dach des Zentralhofs in Ruppendorf glänzen die Solarmodule. Aber sie sind das Einzige an dem Hof, was noch etwas hermacht. Das verfallende Anwesen ärgert die Ruppendorfer schon lange. Nun kauft die Gemeinde den Hof. Dabei bleiben aber viele Fragen offen.

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Warum kauft die Gemeinde den Hof, den sonst niemand haben will?

Der Zentralhof liegt mitten im Ort neben dem Wahrzeichen von Ruppendorf, der Ruine der Wasserburg. Wegen dieser zentralen Lage stört der Verfall dieses Gebäudes die Öffentlichkeit mehr als bei anderen Ruinen. Es besteht auch die Gefahr, dass herabfallende Dachziegel oder andere Teile des Gebäudes auf die öffentliche Straße fallen. Daher muss sich die Gemeinde sowieso um das Gebäude kümmern. Außerdem gehört eine Fläche von rund 5 000 Quadratmetern dazu. „Das bietet für Ruppendorf Entwicklungsmöglichkeiten“, sieht Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg) durchaus auch eine Chance in dem Kauf. Die Gemeinde soll die Immobilie für 3 000 Euro bekommen.

Was hat die Gemeinde mit der riesigen Ruine vor?

Doch bei dieser Summe wird es nicht bleiben. Denn mit dem verfallenden Hof kann auch die Gemeinde nichts anfangen. Deswegen will sie sich um Fördergelder kümmern, um damit den Abriss des Anwesens zu finanzieren. Die Gemeindeverwaltung schätzt die Kosten auf bis zu 400 000 Euro.

Was nach einem Abriss auf dem Grundstück möglich ist, hängt von den Bedingungen ab, die für die Fördergelder gelten. Manche Programme verlangen, dass dann zehn Jahre auf dem Grundstück nicht mehr gebaut wird. Andere lassen keine gleichartige Bebauung danach zu. Aber das wäre kein Problem. Zehn Jahre sind schnell vorbei im Vergleich zu den zwei Jahrzehnten, die der Hof inzwischen im Verfall begriffen ist. Eine Nutzungsänderung liegt auch nahe. Mitten im Ort wieder einen landwirtschaftlichen Betrieb zu bauen, wäre nicht sinnvoll. Es kann jetzt aber mehrere Jahre dauern, ehe die Gemeinde die Förderung für den Abriss erhält.

Warum kauft die Gemeinde diese Ruine und andere nicht?

Der Zentralhof gehört derzeit in die Insolvenzmasse des letzten Eigentümers, der gestorben ist. Der Verwalter ist bereit zu verkaufen. Andernfalls würde er den Hof auf eine Versteigerung geben, berichtete Schreckenbach. Das wäre für die Gemeinde riskanter. Denn es gibt viele Beispiele, wo ein Gebäude zwar versteigert wurde, aber die neuen Eigentümer sich dennoch nicht gekümmert haben geschweige denn investiert. Wenn Klingenberg jetzt kauft, hat es die Gemeinde in der Hand, was aus dem Zentralhof wird.

Was wird aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach?

Diese Frage hat Schreckenbach mit dem Eigentümer der Anlage besprochen. „Der war erschrocken, als er den Zustand des Gebäudes gesehen hat“, berichtet er von dem Termin. Dem Anlagenbetreiber ist klar, dass die Photovoltaik ohnehin gefährdet ist. Daher ist eine Einigung absehbar.

Was war eigentlich früher im Zentralhof?

Ursprünglich war es ein Vorwerk, das zum Rittergut Reichstädt gehörte, berichtet Ortschronist Gerold Müller. Später gehörte der Hof einer Bauernfamilie namens Wolf. Die hat es 1953 aufgegeben, weil sie Lieferverpflichtungen nicht mehr erfüllen konnte. Dann wurde der Hof zur LPG eingegliedert, die dort einen Stall betrieb, ihre Verwaltung einrichtete und Wohnungen vermietete. Als sie in ihre neuen Gebäude umzog, blieb der Hof leer stehen, bis ihn 2006 ein Freitaler kaufte. Der betrieb dort einige Jahre eine kleine Landwirtschaft, ist jedoch 2010 gestorben. Danach ging sein Vermögen in die Insolvenz. Deswegen hat jetzt der Verwalter das Sagen.