merken
PLUS

Der Salat-Papst

Bernd Wundrak verkauft seit 1999 Gemüse, Obst und scharfe Gurken in der Markthalle. Warum die Kunden ihn lieben.

Von Nicole Czerwinka

Die Eintrittsgurke ist sein Markenzeichen. Denn wenn Bernd Wundrak den Besuchern des Stauchaer Marktes am Eingang eine seiner würzigen Senfgurken in den Mund schiebt, kommt selbst der größte Einkaufsmuffel schnell in Marktstimmung. Der rührige Gemüsehändler aus Ostrau ist seit 1999 mit seinem Stand in der Markthalle vertreten und von seinen Mitstreitern, Kunden und der Gemeinde schon als gute Seele der Stauchaer Markthalle bekannt. „Als ich damals von der Idee hörte und gefragt wurde, ob ich mitmachen wolle, dachte ich im ersten Moment, die sind verrückt“, erzählt der sympathische Händler mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich war der Andrang beim ersten Markttag 99 noch eher verhalten. Inzwischen jedoch kommen die Kunden gern wieder. Sogar aus Grimma, Leipzig oder Siebenlehn reisen sie an den Markttagen an, wenn Wundrak in der Stauchaer Markthalle je nach Saison frisch geernteten Kohl, Bundmöhren, Tomaten, Gurken, Schwarzen Rettich, Porree und Sellerie oder seine scharfen Gurken auspackt.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Durch Zufall zum Job gekommen

„Die Ware kommt bei uns direkt vom Feld und aus den Gewächshäusern in der Lommatzscher Pflege, das wissen die Kunden zu schätzen“, sagt Wundrak. Lauthals preist er sein Obst und Gemüse auf dem Markt an, kennt viele seiner Kunden schon mit Namen. Dabei ist der rührige Händler nach der Wende eher durch Zufall zum Gemüseverkäufer geworden. Eigentlich hat er Schlosser gelernt, war zu DDR-Zeiten als solcher in einer Gewächshausanlage beschäftigt. Als deren Abnehmer plötzlich ihre Waren aus Frankreich ankauften, nahm er kurzerhand die Vermarktung von Obst und Gemüse aus der Region selbst in die Hand. Kurz nach der Wende hat er dann sein eigenes Gewerbe als Obst- und Gemüsehändler angemeldet. Ohne einen einzigen Kredit ist sein Betrieb seither gewachsen. Heute beschäftigt Wundrak sieben Mitarbeiter. Seit 15 Jahren verkauft er sein Obst und Gemüse täglich in einer Großmarkthalle bei Leipzig.

Der Stauchaer Markt läuft einmal im Monat noch parallel mit – aus Freude an der Sache und aus Liebe zur Heimat. Schließlich sei der Job kein Zuckerschlecken. Jede Nacht um 22 Uhr fahren Wundraks Lkws voll beladen mit frisch geschnittenem Obst vom Firmensitz in Stauchitz gen Leipzig. Er selbst steht dort, spätestens, wenn der Großmarkt morgens um eins die Tore öffnet, an seinem Stand. Zum Markttag in Staucha sieht das nicht viel anders aus. Wundraks Wecker klingelt an diesen Samstagen um 4 Uhr, damit der Stand bis zur Markteröffnung um 9 Uhr auch aufgebaut ist. Der Feierabend rückt mit den Aufräumarbeiten locker in die späten Nachmittagsstunden. Bei all dem Stress gehen dem Händler die Ideen zur Vermarktung seiner frischen Waren jedoch nie aus. Er ist Verkäufer aus Leidenschaft, nimmt auch schon mal für andere das Zepter in die Hand. So hat er auch zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen für den Stauchaer Markt mit ins Leben gerufen. Vom Gurkenschälwettbewerb bis zum Sauerkrauthobeln reicht das Repertoire der beliebten Traditionen an seinem Marktstand.

Seine Produkte, die alle direkt vom Bauern kommen, stehen dabei stets im Vordergrund. „Man muss hinter dem Produkt stehen, das man verkauft, man muss besser sein als der Supermarkt. Der Kunde will angesprochen werden“, ist Wundraks Credo. Beim nächsten Stauchaer Markttag am 2. November von 9 bis 14 Uhr steht jedoch als Attraktion das Schlachtfest der Fleischerei Münch im Fokus. Auch sie ist von Beginn an beim Stauchaer Markt mit dabei. Wundrak und Münch sind gute Kollegen. Und was macht der Gemüsehändler, wenn der Fleischer mit frisch Geschlachtetem und kostenloser Wurstbrühe zum Mitnehmen lockt? Er erklärt seinen Kunden, wie man das passende Sauerkraut zum jeweiligen Fleisch zubereitet. Denn auch gute Rezepte gehören zu Wundraks Verkaufskonzept. „Klar, das wissen die Leute, dass wir dann eben passend dazu über Sauerkraut reden“, sagt er.

Und die Gurken? Auch die dürfen bei keinem Markttag fehlen. Schließlich ist Wundrak der Herr der würzigen Senfgurken. Die schärfsten Gurken im Sachsenland sollen es sein, und sie stammen aus Wundraks eigener Produktion. Lange hat es gebraucht, bis das Rezept dafür ausgeklügelt war, sodass es für den rührigen Gemüsehändler stimmte. Sogar eine Gurkentankstelle hat er einmal eröffnet. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …

Der nächste Markt mit Schlachtfest findet in der Markthalle Staucha am 2. November ab 9 Uhr statt.