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Der Schlossherr als Tüftler

Hermann Fuchs hat neben dem Milkeler Schloss auch einen großen Park zu bewirtschaften. Das Unkraut beseitigt er ohne Chemie – und bietet die Erfindung anderen an.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Milkel. Insgesamt sind es 3,5 Kilometer Wege, für die Hermann Fuchs rings um das Schloss, im Park und hin zur Grabstätte derer von Einsiedel und von Holnstein zuständig ist. 3,5 Kilometer, die gepflegt sein wollen, denn auch, wenn die größte Strecke mit Kies bedeckt ist, kommt das Unkraut immer wieder durch. Das ärgerte Hermann Fuchs, und er überlegte, was er tun kann, ohne das heute so in Verruf gekommene Glyphosat einzusetzen.

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Kartoffelkäfer werden einfach weggeblasen

Bei sich zu Hause in Franken – auch nach 20 Jahren in Milkel nennt er es so – hat er früher auf dem Bauernhof eine kleine Landwirtschaft gehabt. Schließlich ist er gelernter Gärtner. Unter anderem hat er Kartoffeln angebaut. „Ich wollte immer, dass meine Kinder sehen, dass solch eine Kartoffel auch viel Arbeit bedeutet“, sagt der 69-Jährige. Noch heute baut er dort auf einer kleinen Fläche die nahrhaften Erdäpfel an und weiß um den Kampf gegen die Kartoffelkäfer. Hier hat er das erste Mal etwas erfunden, um diese Plage loszuwerden. Mit dem „Käfer-Fuchs“ hat er den Schädlingen den Kampf angesagt. Das war 1992, als er eine Vorrichtung mit Gebläse baute, die durch die Kartoffelreihen fuhr und die Käfer abgeblasen hat. Aufgefangen wurden Käfer und Larven in einer Art Wanne, aus der sie dank Unterdrucks nicht mehr rauskamen. „Es war eine Freude, wenn ich hinterher diese Wanne, die wie eine Schiffsschaukel aussieht, rausgenommen habe“, sagt er. Denn die Marienkäfer schwärmten sofort aus, die mit hineingeratenen Spinnen krabbelten auf das Feld zurück. Und auch zur Vernichtung der Kartoffelkäfer fand er eine Lösung: Kochendes Wasser in den Eimer schütten, in dem die Käfer saßen.

Das Prinzip Pflug entfernt das Unkraut

Nun also keine Käfer, sondern Unkraut. „Ich habe mich im Schloss Rammenau umgesehen und war auch in Gaußig im Schlosspark. Aber so richtig hat man dort auch keine Lösung“, sagt Hermann Fuchs. Im staatlich betriebenen Rammenauer Ensemble arbeiten drei Gärtner, die aller zehn Tage das nachwachsende Gras oder Unkraut mit Gas von den Wegen wegbrennen. „Was das kostet“, ist Fuchs entsetzt. Und in Gaußig ist der Park sehr ursprünglich, fand er. Also konnte er keine Erfahrung anderer nutzen, sondern tüftelte selbst. So, wie er es immer tut, wenn ein Problem zu lösen ist. Und er hat sich einige Dinge von der Landtechnik der 50er Jahre abgeschaut. „Ich bin ja noch mit meinem Vater hinter dem Pflug hergelaufen, das Prinzip ist nun ähnlich“, sagt Fuchs. Die Schare werden auf den Weg aufgesetzt und graben sich leicht in den Kies ein. Damit das Unkraut aber nicht nur aufgelockert, sondern rausgezogen wird, hat er eine weitere Querstange angebracht, an der Federn über Kreuz angebracht sind, die das Unkraut faktisch rausholen. Hinterher sieht der Weg aus wie frisch geharkt. Das haben schon einige Besucher vermutet, dass der Schlossherr die Wege per Hand in Ordnung bringt. Der Hauptweg im Park ist 2,50 Meter breit, den befährt er dann einmal von oben und einmal von unten. „Die anderen Wege sind um die 1,80 Meter, da bleibt am Rand eben der eine oder andere Grashalm stehen“, sagt Hermann Fuchs. Das verarbeitete Material hat er fast alles vom Schrott: die Federn von einem Hänger, die Schiene von einem Gewächshaus, das zusammengebrochen war. Ersatzteile und Werkzeug hat der Schlossherr für fast alle Arbeiten. Und er hat nichts dagegen, dass man sich das Gerät bei ihm anschaut und gern auch nachbaut. „Es gibt ja viele große Gärten in Sachsen“, sagt er.