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Der Schmied der Elsterheide

Der Bergener Dietmar Koark hat in dieser Woche ein besonderes Jubiläum – er ist seit 30 Jahren Bürgermeister.

Viele die Dietmar Koark einen Teil des Weges begleitet haben, sind längst im Ruhestand oder weilen nicht mehr unter uns.
Viele die Dietmar Koark einen Teil des Weges begleitet haben, sind längst im Ruhestand oder weilen nicht mehr unter uns. © Archivbild: Gernot Menzel

Elsterheide. Überpünktlich, weil zwei Stunden zu zeitig, hatte sich am Freitag das 15-köpfige Team der Elsterheider Gemeindeverwaltung mit Kremser und Kutsche auf dem Bergener Dorfanger vor dem Gehöft von Bürgermeister Dietmar Koark eingefunden. Der war ziemlich überrascht, hatte er doch erst um 17 Uhr mit seinen Gästen gerechnet, um gemeinsam ein besonderes Jubiläum zu feiern. Am 11. Juni 1990 war er als damals 27-Jähriger neuer Bürgermeister der Gemeinde Neuwiese/Bergen geworden. Drei Jahrzehnte später ist er immer noch Bürgermeister, Neuwiese und Bergen sind allerdings nunmehr nur noch zwei von insgesamt neun Orten in der Gemeinde Elsterheide. Und die hat ihre Existenz maßgeblich Dietmar Koark zu verdanken.

„Den Anspruch, etwas zu bewegen, hat er schon immer gehabt“, sagt man über den Ehemann und Familienvater zweier Söhne. Wohl deshalb wurde aus dem Leiter Materialwirtschaft bei der PGH „Energie“ in Lauta nach der Wende der Bürgermeister seines Heimatortes. Bei der letzten Kommunalwahl der DDR am 6. Mai 1990 wählten die Bürger ihn zum neuen Chef der Gemeindeverwaltung. Die hatte ihren Sitz in einem Vierseithof am Bergener Dorfanger, an dessen Stelle zehn Jahre später das heutige moderne Gebäude der Gemeindeverwaltung eingeweiht wurde.

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Geduld und Überzeugungskraft

Da gab es die aus den Dörfern Bergen, Bluno, Geierswalde, Nardt, Neuwiese, Klein Partwitz, Sabrodt, Seidewinkel und Tätzschwitz bestehende Gemeinde Elsterheide bereits seit fünf Jahren. Dietmar Koark hatte die Zeichen der Zeit richtig erkannt und ein Bündnis geschmiedet, das die Gemeindegebietsreform als Einheit im Schatten der Stadt Hoyerswerda überstehen konnte. „Zu Beginn der Gespräche über die Bildung einer neuen Gemeinde war sogar Schwarzkollm beteiligt“, erinnert sich Siegbert Bogott, der Ex-Bürgermeister und heutige Ortsvorsteher von Sabrodt, der zudem Chef des Elsterheider Bauhofes ist. Er erinnert sich auch, dass Dietmar Koark geduldig Überzeugungsarbeit bei den Menschen und natürlich den Bürgermeistern in den bis dahin selbstständigen Dörfern geleistet hat. „Jeder hat sich nun mal Sorgen um seine Eigenständigkeit gemacht.“

Zusammenhalt in der Gemeinde

Am 1. Juli 2020 jährt sich die Gründung der Gemeinde Elsterheide zum 25. Mal. In all der Zeit war Dietmar Koark bemüht, den Zusammenhalt unter den Ortsteilen zu stärken. „Er versucht, jedes Dorf möglichst gleich zu behandeln“, finden seine Mitarbeiter. Platt formuliert: Alle sollen etwas vom Kuchen abbekommen. Auch wenn dieser nicht gerade groß ist. „Neun Dörfer mit ihren neun Meinungen über all die Jahre zusammenzuhalten, das ist nicht einfach“, weiß Siegbert Bogott. Und Matthias Müller, seit 2008 Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, ergänzt: „Er ist immer bemüht, engen Kontakt zu den Dörfern, Feuerwehren, Vereinen und Bürgern zu halten.“ So lege er Wert darauf, zu Geburtstagen und Ehe-Jubiläen persönlich zu gratulieren, anstatt diese Aufgabe zu delegieren. Nachdem das zuletzt wegen Corona nicht möglich war, soll es bald wieder losgehen, weiß Hauptamtsleiterin Franziska Richter. „Auch die Elsterheide-Feste sind eine Idee von ihm, um den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde zu festigen und zu stärken“, erinnert Siegbert Bogott. Dass all diese Bemühungen Anerkennung finden, zeigt nicht zuletzt, dass Dietmar Koark seit 1990 – mal abgesehen von drei Monaten nach Gründung der Gemeinde Elsterheide, in denen er als Amtsverweser fungierte – ununterbrochen Bürgermeister ist, aktuell in der vierten Wahlperiode.

Diese Zeit ist von vielen Höhepunkten bei der Entwicklung der Elsterheide geprägt. Dazu gehören unter anderem die Neubauten von Bürgerhäusern, von Feuerwehrgerätehäusern und der Kindertagesstätte in Bergen, ebenso wie die Erweiterung des Gewerbegebietes Neuwiese/Bergen und die Errichtung des Industriegebietes Bluno-Sabrodt. Der Traum vom Karl-May-Land ist zwar geplatzt, dafür geht es mit dem Lausitzer Seenland als Tourismus-Magnet voran, wenn auch nicht immer schnell genug für Dietmar Koark. Gern benutzt er das Sprichwort „Steter Tropfen höhlt den Stein“, wissen seine Mitarbeiter. „Er lässt bei Problemen nicht locker.“

Mitarbeiter schätzen ihren Chef

Wichtig ist dem Bürgermeister aber auch eine angenehme Atmosphäre in der Gemeindeverwaltung. „Die Morgenrunde ist Standard, wenn er im Hause ist. Da fragt er nicht nur dienstliche Dinge ab, sondern hat auch für Privates immer ein offenes Ohr“, gewähren seine Mitarbeiter einen Blick hinter die Bürotüren. Dietmar Koark habe ein Gedächtnis „wie ein Elefant“ und mache sich zuweilen einen Spaß daraus, sich in Wortgefechte zu begeben. „Trotz seiner langen Amtszeit hat er stets ein Gehör für neue Ideen und Vorschläge, was die Zusammenarbeit für uns sehr angenehm macht“, findet die jüngere Generation.

Das eine oder andere aus seinem langjährigen Wirken kam am Freitag auch noch einmal zur Sprache, ehe die Kutschfahrt übers Land nach rund zwei Stunden am Hof von Dietmar Koark endete – pünktlich zum Beginn der Feier seines 30-jährigen Bürgermeister-Jubiläums!

Mit einer Kutschfahrt wurde der Elsterheider Bürgermeister Dietmar Koark am Freitag Nachmittag von seinen Mitarbeitern überrascht. In dieser Woche hatte der 57-Jährige sein 30-jähriges Dienst-Jubiläum als Bürgermeister.
Mit einer Kutschfahrt wurde der Elsterheider Bürgermeister Dietmar Koark am Freitag Nachmittag von seinen Mitarbeitern überrascht. In dieser Woche hatte der 57-Jährige sein 30-jähriges Dienst-Jubiläum als Bürgermeister. © Foto: privat
Dieses Bild entstand 1995 nach der Gründung der Gemeinde Elsterheide, aber vor dem Neubau der Gemeindeverwaltung in Bergen.
Dieses Bild entstand 1995 nach der Gründung der Gemeinde Elsterheide, aber vor dem Neubau der Gemeindeverwaltung in Bergen. © Archivfoto: Uwe Jordan

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