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Der schöne Schein

Schloss Gersdorf verfällt im Inneren. Mit anderen historischen Gebäuden der Gemeinde sieht es nicht besser aus.

Von Anja Hecking

Imposant und schön sieht das Gersdorfer Schloss allemal aus. Allerdings nur von außen. Wer hinter den sanierten Mauern tolle Räume erwartet – , zum Feiern, für ein Museum oder etwa Wohnungen, so wie es einmal geplant war – der irrt. Auch Ortsvorsteher Dieter Deutschmann ist der tolle Anblick schon vergällt. Weil es drinnen im Schloss kalt und klamm ist, leert er regelmäßig den vollen Wasserbehälter eines Luftentfeuchters aus.

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Pfaffendorf: Das sanierungsbedürftige Schloss wird von Jugend, Senioren, Sportgruppe, Ortschaftsrat und für Feiern genutzt. Weitere Nutzungsideen fehlen.
Pfaffendorf: Das sanierungsbedürftige Schloss wird von Jugend, Senioren, Sportgruppe, Ortschaftsrat und für Feiern genutzt. Weitere Nutzungsideen fehlen.
Friedersdorf:  Das war bis 2007 die Grundschule der Gemeinde, danach kurze Zeit Waldschule im Freizeitbereich. Zum Verkauf des Gebäudes ist es bisher nicht gekommen.
Friedersdorf: Das war bis 2007 die Grundschule der Gemeinde, danach kurze Zeit Waldschule im Freizeitbereich. Zum Verkauf des Gebäudes ist es bisher nicht gekommen.
Jauernick-Buschbach:  Seit der Kindergarten Ende 2010 raus ist, steht das Gutshaus leer. Die Stiftung Schlesische Heimatstuben will es nutzen. Eine Förderung ist beantragt.
Jauernick-Buschbach: Seit der Kindergarten Ende 2010 raus ist, steht das Gutshaus leer. Die Stiftung Schlesische Heimatstuben will es nutzen. Eine Förderung ist beantragt.
Das ist schade für das Gersdorfer Schloss: Hinter der tollen Fassade breitet sich seit sechs Jahren eine gähnende Leere aus.Fotos: SZ-Archiv/ Gerhard (1), Hecking (4)t
Das ist schade für das Gersdorfer Schloss: Hinter der tollen Fassade breitet sich seit sechs Jahren eine gähnende Leere aus.Fotos: SZ-Archiv/ Gerhard (1), Hecking (4)t

Hinter der schicken Fassade gähnt schon lange Leere. Vor sechseinhalb Jahren musste der Kindergarten raus. Das alte Gemäuer bekam danach zwar eine neue Hülle, aber seitdem ist nichts weiter passiert. Es fehlt ein Zugpferd. Vereine aus dem Ort haben sich Räume zurechtgemacht. Dass die Gemeinde bereits viel Geld für die Sanierung ausgegeben hat und der Verfall nun von innen voranschreitet, ärgert den Gersdorfer Ortsvorsteher sehr. Dabei ist das Schloss nicht die einzige kommunale Immobilie, die im Rathaus und im Gemeinderat von Markersdorf Kopfzerbrechen bereitet. Dieter Deutschmann sitzt selbst im Gemeinderat und weiß, wie sehr sich die Probleme ähneln. Die Zeit, als in den alten Gutshäusern und Schlössern Wohnungen vermietet wurden, Kindergärten und Arztpraxen untergebracht waren, scheint vorbei zu sein. Für den Erhalt der Gebäude wurde in den vergangenen Jahren wenig getan. Die Zeit ist stehengeglieben. Strom- und Heizkosten steigen. Allein kann das die Gemeinde nicht mehr bezahlen.

Aber auch die Vereine und Mieter schimpfen. Denn niemand will das Geld zum Fenster raus verheizen. Genau so geht es aber dem Jugendklub in Pfaffendorf, der schon lange auf neue Fenster im Schloss wartet. Die jungen Leute hätten die Fenster im Klub gern auch selbst eingebaut, erzählt Ortsvorsteherin Carola Menzel. Aber daraus ist bisher nichts geworden, weil die Gemeinde gar keine Fenster bereitgestellt hat. Auch aus dem Deutsch Paulsdorfer Schloss sind inzwischen fast alle Mieter ausgezogen. Das macht die Sache nicht leichter. Denn so kann die Kommune nicht mal mehr mit Mieteinnahmen rechnen. Am Ende dreht sich alles im Kreis. Selbst die leeren Gebäude kosten Geld. Im Moment ermittelt die Verwaltung mit Fachleuten, wie hoch die Kosten in den historischen Gebäuden sind.

Das Thema ist aber nicht nur im Rathaus präsent. Auch der Gemeinderat muss sich entscheiden, wie er künftig mit den Immobilien verfahren will. Denn die Etatgespräche für nächstes Jahr stehen an. Dabei ist so gut wie klar, dass Markersdorf seine sanierungsbedürftigen Objekte verkaufen will. Interessenten würden anklopfen, sagt Bürgermeister Thomas Knack. Aber noch sei der Klärungsbedarf im Gemeinderat groß. Der betrifft vor allem den Spielraum der Gemeinde beim Kaufpreis, eine nachhaltige, sinnvolle und aufs Land passende Nutzung der Gebäude, Regelungen für die bisherigen Mieter und die Zugänglichkeit der dazu gehörenden Parkanlagen.

Dass da auch Reibungspunkte vorprogrammiert sind, ist dem Gemeinderat klar. Nicht wenige Dorfbewohner fühlen sich mit ihren Schlössern und Gutshäusern samt Parks verbunden. Aber das reicht auf Dauer nicht aus. Allein durch private Feiern und die Vereine lassen sich die Kosten nicht mehr bestreiten. Ausweichquartiere für die bisherigen Nutzer würden sich hingegen in jedem Ort finden lassen.

Offen ist aber nach wie vor, ob es für die historischen Gebäude überhaupt glaubhafte Interessenten gibt. Bisher haben die meisten von ihnen im Rathaus nur die hohle Hand aufgehalten. Aber dazu will der Bürgermeister im Moment nichts sagen. Auch für die Gersdorfer und ihr Schloss heißt es deshalb, weiterhin abzuwarten.