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Der schüchterne Bösewicht

Seit sieben Jahren steht der Zwei-Meter-Mann André Voigt auf der Naturbühne. Was ihn herführte, glaubt man kaum.

© Daniel Förster

Von Heike Sabel

Als Kind sagte seine Mutter zu ihm oft, „Du Schussel“. Das hat sie inzwischen abgelegt. Schließlich ist er seit sieben Jahren „in Behandlung“. Eingestiegen bei den Laienschauspielern der Maxener Naturbühne ist André Voigt durch Zufall und auf dem Umweg über die Gitarre.

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Er hatte Musikunterricht genommen, als eine zweite Besetzung für den Little John in Robin Hood gesucht wurde. „Okay, ich gucke mir das mal an“, sagte André Voigt. Und war erst einmal überrascht. Das sind Laien? Die spielten so genial, dass er kaum glaubte, mithalten zu können. Zudem war er schüchtern, sagt er selbst. Heute glaubt man das dem 2,01 Meter großen Hünen kaum. Manchmal kokettiert der Handwerker ein bisschen mit seiner Schüchternheit.

Vielleicht ist sie der Grund für seine Vorliebe für die Schussligen und Bösen. Dieses Jahr spielt er im Kinderstück den bösen Hexenmeister Gargamel, der es den Schlümpfen schwermacht. Wenn die Kinder richtig Angst vor ihm haben, freut er sich. Dann hat er die Rolle richtig gespielt. Verteilt werden die Rollen bei den Maxenern demokratisch. Jeder sucht sich zwei Favoriten aus. Inzwischen ist das Team so ein eingespielt, dass es keine Kämpfe gibt. Spätestens bei den Leseproben merkt jeder, welche Rolle zu ihm passt.

Traumrollen hat André Voigt keine, er ist offen für alles. Gern darf es ein bisschen böse sein. Zum Beispiel seine Rolle des Mörders in „Zum Henker mit den Henks“. Da sterben acht von zehn Personen. Nicht dass er Spaß am Sterben oder Morden hat, aber beim Darstellen kann er zeigen, was in ihm steckt. Das überrascht ihn manchmal selbst. Beim Improvisieren läuft der 42-jährige Graupaer zur Höchstform auf.

Einmal hatte er seinen Einsatz verpasst. Beim zweiten Anlauf sagte er dann: „Jetzt kommt mein Einsatz.“ Das Publikum hatte seinen Spaß, André Voigt hatte seinen Spaß, alle hatten ihren Spaß. Aber er sieht sich auch kritisch. Jährlich wird eine Aufführung gefilmt, die Videos sind dann Geschenke. Wenn André Voigt die Aufnahmen sieht, denkt er manchmal, „oh, das war aber nicht so optimal“. Aber der Zuschauer merkt es kaum, und „im Großen und Ganzen sieht es ganz gut aus“.

Weil die Maxener zwar wie Profis spielen, aber Laien sind, machen hier alle alles. André Voigt hat dieses Jahr die Probenorganisation übernommen und packt auch bei allem mit an. So wie die anderen. Die Aufregung hinter der Bühne ist oft genau so groß wie auf der Bühne. Aber dahinter ist es schon wesentlich entspannter, sagt André Voigt. Trotzdem mag er das Spielen auf der Bühne nicht missen. Die Spannung gehört dazu sowie die kleinen Patzer, der Beifall, der besorgte Blick an den Himmel, das Kümmern um die prominenten Gäste.

Die Schussligen liebt André Voigt immer noch. Die sind richtig cool, sagt er. Seine nächste Wunschrolle ist die von Obelix bei Asterix und Obelix. Da lässt sich doch sicher was machen …

Die nächsten Vorstellungen: Liebe ist, … ach was!?: 14. Juni, 13. September, je 20 Uhr, 7. September, 17 Uhr; Zaubertrank und Zauberpulver: 15. Juni, 13. Juli, 14. September, jeweils 15.30 Uhr

www.naturbühne-maxen.de