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Der Schuldenbaron

Der Meißner hat nie gelernt, mit Geld umzugehen. Nun sitzt er mal wieder vor Gericht. Ein Umstand rettet ihm den Hals.

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Von Jürgen Müller

Wie viele Schulden er denn habe, will der Richter von dem Angeklagten wissen. Der kann das nur grob schätzen. „Wenn es 100 000 Euro sind, ist es wenig“, sagt der Meißner. In 15 Jahren hat sich einiges angehäuft. Er zählt auf: Handyverträge, Miete, Drogen. Lange hat er erst Haschisch, später Crystal genommen. So was geht natürlich ins Geld, vor allem, wenn man keines hat. „Ich konnte noch nie mit Geld umgehen. Schon zu Hause durfte niemand irgendwo Geld liegenlassen, dann war es weg“, räumt er selbstkritisch ein. Nachdem er mal drei Wochen in Haft gesessen hatte, weil er eine Geldstrafe nicht zahlen konnte, habe er „den Schalter umgelegt“.

Kein Geld für die Solarmodule

Die Taten, die ihm jetzt zur Last gelegt werden, waren vor der Haft. Der Mann hat munter in verschiedenen Online-Shops bestellt, Solarmodule für über 1 200 Euro zum Beispiel. Oder Software für 165 Euro. Jedenfalls wählt er im Online-Shop bei der Bezahlung das Lastschrift-Verfahren. Doch das Konto, das er angibt, ist längst gelöscht. Der Angeklagte will das nicht gewusst haben. „Ich habe erst nach der Haft die Post von der Bank geöffnet“, sagt er. Aber dass kein Geld drauf war, das wusste er sehr wohl. Die Module habe er mit dem Verkaufserlös eines Autos bezahlen wollen, sagt der Mann. Das hat wohl irgendwie nicht geklappt. Zur Vernehmung bei der Polizei erscheint er zunächst nicht. Ein paar Tage später kreuzt er dann doch auf, legt einen Kaufvertrag für das Auto vor. Ob der fingiert ist, will der Richter lieber nicht wissen, bevor noch weitere Straftaten ans Tageslicht kommen. Geld hat der Mann jedenfalls keines, die Module sind bis heute nicht bezahlt. Er habe sie für seine Gartenlaube gebraucht, weil er Strom sparen wollte, sagt der Mann.

Richter hofft auf Umdenken

Mehrfach hatte der Angeklagte mit dem Gericht zu tun, bekam auch schon mal wegen gemeinschaftlichen Betrugs ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung. Das freilich ist schon über zehn Jahre her. Weil er ohne Fahrerlaubnis fuhr, musste er auch mal drei Monate absitzen.

Nicht böser Wille habe im Vordergrund gestanden, sein Mandant habe lediglich seine Vermögensverhältnisse falsch eingeschätzt, so sein Verteidiger. Während der Taten stand der Angeklagte nicht unter Bewährung. Das rettet ihm diesmal den Hals. Er wird wegen Betrugs in drei Fällen zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. „Ich freue mich, dass ich heute von Ihnen mal ein Geständnis gehört habe“, sagt der Richter. Zwischenzeitlich habe er den Glauben an ihn verloren.