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Der schwere Weg zurück ins Team

Was macht eigentlich … Dynamos Verteidiger Adnan Mravac nach seiner Kopfverletzung?

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Entwarnung bei Romain Bregerie. Der Kapitän des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden war bei einem Übungsspiel umgeknickt, kann aber seit Freitag wieder beschwerdefrei trainieren. Der Abwehrchef wird also gegen 1860 München am Montag spielen können, was eine gute Nachricht ist. Weniger für Adnan Mravac, denn dessen Einsatzchancen sind dadurch gleich null. Natürlich würde er seinem Mitspieler keine Verletzung wünschen, ein solcher Gedanke verbietet sich. Erst recht für ihn, der gerade eine Leidenszeit erlebt.

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Der Unfall passierte im Hinspiel gegen Erzgebirge Aue am 10. November 2013. Benjamin Kirsten räumt bei einer Faustabwehr den eigenen Mann ab, ein normaler Vorgang. Im Strafraum wird von einem Torwart voller Körpereinsatz verlangt, und der duldet keine Rücksichtnahme. Mravac wird behandelt, macht weiter, muss aber immer wieder zur Seitenlinie, weil er stark aus der Nase blutet. Er fühlt, dass sie gebrochen ist. „Darüber musste ich nicht erst mit dem Doktor reden“, gesteht der Verteidiger später. Trotzdem will er nicht aufgeben, sich durchbeißen, Nehmerqualitäten zeigen, wie man im Boxen sagen würden.

Doch Mravac taumelt, ihm passieren unerklärliche Fehlpässe. „Nach dem Crash dachte ich, weiterspielen zu können, spürte jedoch, dass etwas nicht stimmte. Ich konnte kaum geradeaus laufen, war nicht bei mir.“ Diese Einsicht kommt zu spät, denn in der Nachspielzeit lässt er den Ball von seinem Oberschenkel springen, statt ihn auf die Tribüne zu bolzen. René Klingbeil staubt zum 1:1 ab. Mravac’ Fehler kostet Dynamo zwei sicher geglaubte Punkte.

Die erste Diagnose: Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung. Aber Mravac geht es schlecht, ihm ist schwindlig. Trotzdem zögert er eine genaue Untersuchung hinaus, weicht den Ärzten aus. „Das war eine Dummheit von mir“, gesteht er rückblickend. Schließlich kann ihn Dynamos Mannschaftsarzt Tino Lorenz überzeugen, für zwei Tage im Krankenhaus zu bleiben, um sich gründlich durchchecken zu lassen, gerade noch rechtzeitig. Bei Mravac wird ein Gefäßeinriss im Kopf festgestellt, eine lebensbedrohliche Situation. Er muss auch jetzt noch täglich eine Tablette als Blutverdünner nehmen.

Ihm drohte sogar das Karriereende, aber nach einer Kontrolluntersuchung Anfang Januar bekam der Bosnier, der am Donnerstag 32 geworden ist, grünes Licht fürs Aufbautraining mit Reha-Coach Christian Canestrini. Mravac war klar, dass er „die nötige Geduld mitbringen“ muss, körperlich in Bestform zu kommen. Jetzt sagt er: „Ich bin topfit, alles ist in Ordnung.“

Damit liegt er also im Plan, denn Olaf Janßen hatte mit dem Comeback des Verteidigers vorsichtig für Ende März geplant. Bisher greift der Cheftrainer jedoch nicht auf Mravac zurück. „Er ist von seinen körperlichen Möglichkeiten noch ein Stück weit weg von den Konkurrenten auf seiner Position“, begründet Janßen. „Er stellt im Moment von seinen Leistungen im Training noch keine Alternative dar.“ Weil Bregerie gesetzt ist, Toni Leistner sich mit starken Leistungen festgespielt hat und mit Adam Susac ein weiterer Kandidat fürs Abwehrzentrum bereitsteht, wird Mravac voraussichtlich auch nächste Woche in dem 18-Mann-Aufgebot fehlen – für die Partien am Montag gegen 1860 München und am Gründonnerstag in Aue.

Ob er vor dem Rückspiel im Erzgebirge öfter an den Zusammenprall denkt? Mravac schüttelt energisch den Kopf. „Ich denke nicht mehr daran, das ist abgehakt. Wenn ich deshalb Angst hätte, könnte ich aufhören mit dem Fußball, aber ich habe vor nichts Angst. So etwas kann passieren, egal ob gegen Aue oder im Training.“ Über seine Situation möchte er dagegen nicht reden. „Was soll ich sagen?“, fragt Mravac. „Ich bin ein Teamplayer. Die Jungs hinten drin machen das zurzeit gut, also gibt es für den Trainer wenig Grund, etwas zu verändern. Das muss ich akzeptieren.“

Zweimal in Folge hat Dynamo zu null gespielt, in den 13 sieglosen Spielen nur 15 Gegentreffer kassiert. Die Chancen für Mravac, nach seinem langen Kampf in die Mannschaft zu rutschen, stehen also schlecht. Er war vor der Saison vom SV Mattersburg, für den er 242 Mal in der österreichischen Bundesliga gespielt hatte, zu Dynamo gewechselt. „Adnan ist ein zweikampfstarker, robuster Defensivspieler“, hatte der damalige Sportchef Steffen Menze den 1,91-Meter-Recken charakterisiert. Einmal aber wurde er ausgeknockt.

Der Vertrag des bosnischen Nationalspielers, der 13-mal für sein Heimatland auflief, gilt bis Juni 2015 – allerdings nur für die zweite Liga. Ob er die Chance für einen neuen Anlauf in Dresden bekommt, hängt also maßgeblich von seinen Kollegen ab, die er momentan nicht verdrängen kann, wenn sie fit sind.