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Der schwimmende Musikklub

Ein umgebauter Elbfrachter bringt in Zukunft tschechische und deutsche Kultur zusammen.

Von Steffen Neumann

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Ein Frachtschiff, das auf der Elbe zwischen Tschechien und Sachsen Kultur transportiert. Authentischer lässt sich der Begriff Kulturtransfer nicht in die Realität umsetzen. „Wir kommen für drei Tage nach Decin, es gibt ein Konzert, eine Ausstellungseröffnung oder auch ein Theaterstück. Dann legen wir wieder ab und gehen für drei Tage in Pirna vor Anker und es gibt wieder Kultur“, skizziert Dan Adam die künftige Route des deutsch-tschechischen Kulturschiffs zwischen Litomerice (Leitmeritz) und Dresden.

Noch liegt das Schiff Niké in einer Deciner Werft auf dem Trockenen. Ab Mai soll es zwischen Litomerice und Dresden pendeln.
Der Reeder Jaroslav Soukup hat das Schiff den Künstlern verkauft und steht ihnen nun mit seinem Fachwissen zur Seite.

Am Anfang war der Traum der Fotografen Milos Burkhardt, Dan Adam, Kvetoslav Vrsovsky und des Münchners Kurt Winkels, in Prag eine eigene Galerie zu eröffnen. „Doch schnell merkten wir, dass es dort schon viele Galerien gab. Dann hatten wir die Idee mit dem Schiff“, erinnert sich Kvetoslav Vrsovsky. Als sie dann ein Schiff fanden, das einen Motor und eine Lizenz hatte, lag nichts näher, als daraus eine schwimmende Galerie zu machen.

Inzwischen wird der Traum langsam wahr. Wer im Internet auf die Webseite Cargogallery.eu klickt, sucht zwar noch vergeblich nach Programm-Einträgen. Aber es gibt eine Karte, auf der angezeigt wird, wo das Schiff gerade ankert: derzeit im Stadtteil Decin-Kresice (Tetschen-Krischwitz). Dort befindet sich eine traditionsreiche Werft der böhmischen Elbe-Schifffahrt. Noch wird das Kulturschiff, das seine Erfinder Cargo Gallery (Frachtgalerie) nennen und auf den Namen Niké getauft haben, umgebaut.

Niké heißt die griechische Siegesgöttin, und ein Sieg ist es für Adam und seine Mitstreiter tatsächlich, dass das ehemalige Güterschiff nun im Deciner Hangar steht. Vor einem Jahr lag es noch schrottreif im Hafen. Doch dann ging alles sehr schnell. Die Initiatoren um Dan Adam haben eine EU-Grenzraumförderung von 400 000 Euro in der Tasche und weitere 300 000 sind zugesichert. Das hat den Umbau endlich angestoßen. Den Rest der Kosten von etwa einer halben Million Euro müssen sie selbst aufbringen.

Ihren Lebensunterhalt verdienen die drei nicht mit der Fotografie. Zwei von ihnen betreuen Bauprojekte, Kurt Winkels hat eine Messebaufirma, doch mit Schiffen hatten sie bisher nichts zu tun. „Am Anfang war das eine romantische Idee. Aber die Ernüchterung kam bald“, spielt Adam auf die Suche nach einem geeigneten Schiff an. Sie begann vor vier Jahren. Schon ein Schiff zu bekommen, war nicht einfach, und als dann ein Angebot vorlag, klappte das nicht. Zum Glück, sagt Adam heute. „Das wäre überhaupt nicht geeignet gewesen.“

Elbreeder trifft Künstler

Deshalb waren sie froh, als sie Jaroslav Soukup trafen, der Niké gerade in den Schrott geben wollte. „Es war nicht mehr wirtschaftlich“, sagt der ehemalige Reeder. Und wenn ein Schiff nicht mehr gebraucht wird, hat es keine Chance. Es sei denn, ein erfahrener Elbreeder trifft auf künstlerische Idealisten. „Als ich hörte, was sie vorhaben, sagte ich, das ist unmöglich“, erzählt Soukup. Doch im Unmöglichen liegt der Reiz, es doch zu versuchen. Soukup verkaufte ihnen den Frachter und sitzt heute als wertvoller Ratgeber sprichwörtlich mit im Boot. Und zukünftig als Kapitän, der die Niké in der Euroregion Elbe-Labe hin und her steuern wird.

Das 67 Meter lange Güterschiff wurde extra für den Elbverkehr gebaut und hat deshalb im Leerzustand mit 70 Zentimetern einen rekordverdächtig geringen Tiefgang. „Nach dem Umbau wird unsere Niké zehn Zentimeter tiefer im Wasser liegen. Das erlaubt uns trotzdem, auch bei niedrigem Elbpegel unterwegs zu sein“, erzählt Adam. Er versucht den Lärm zu übertönen. Im Schiffsbauch werden gerade durch die Zwischenwände Durchlässe für Versorgungsleitungen eingebrannt. Es wird gehämmert und geschweißt.

Der Rohbau ist abgeschlossen. Die Kästen für das Schüttgut wurden zu einem großen Veranstaltungsraum umgebaut. Hinter der Bühne ist Platz für die Garderoben und den Sanitärbereich. Fensterlöcher wurden in die Bordwand geschnitten, eine Treppe vom Deck ins Schiffsinnere eingebaut und ein massives Dach aufgesetzt. „Das hat statische Funktion und kann außerdem als Sonnendeck oder Bühne für größere Konzerte genutzt werden, wenn das Publikum an Land ist“, erklärt Adam. Der gesamte Innenausbau steht noch bevor.

Parallel laufen die inhaltlichen Vorbereitungen. Das Schiff soll Kulturzentrum für alle Sparten sein. So sind Konzerte, Festivals und Ausstellungen, aber auch Theater- und später einmal Filmvorführungen geplant. Im Juni will das Schiff die Feste der Partnerstädte Pirna und Decin miteinander verbinden. Adam sieht die Niké auch als Plattform für Debatten.

Deutsche Partner

Auf deutscher Seite wurde der Dresdner Verein Kultur Aktiv als Partner gefunden, der schon seit Jahren den Kulturaustausch mit Mittel- und Osteuropa fördert. Für den Stapellauf sucht Kultur Aktiv noch Bands, die sich an einem Musikfestival beteiligen wollen. Für die Zeit danach laufen bereits Gespräche mit möglichen Veranstaltern.

Bevor Niké ihren kulturellen Pendelverkehr aufnimmt, müssen noch einige Fragen geklärt werden. Wie etwa die nach den Liegeplätzen. Spätestens im Mai wird es ernst. Dann wird sich zeigen, ob das Schiff dazu beiträgt, die Kulturräume in Böhmen und Sachsen miteinander zu verbinden, wie sich Kvetoslav Vrsovsky wünscht.

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