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Der Seestern macht Herbstpause

Die Ausleihstation am Olbersdorfer See ist indie Winterruhe gegangen.Zeit, mit den Betreibern und Jenix-Musikern Bilanz der ersten Saison zu ziehen.

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Von Katja Zimmermann

Hoch über dem „Seestern“-Häuschen am Olbersdorfer See flattert ein bunter Drachen. Der sechsjährige Franz und sein achtjähriger Bruder Alfred lieben es, hier zu spielen. „Wir sind Stammgäste am See“, sagt Karla Theurich, ihre Omi. Deswegen ist sie auch begeistert davon, dass junge Leute rund um die Zittauer Musikgruppe Jenix mit dem „Seestern“ im zu Ende gegangenen Sommer hier einen ganz besonderen Anlaufpunkt geschaffen haben. Nicht nur Boote und Kettcars – eine Art Tret-Ferraris für Kinder – konnten ausgeliehen werden. An dem Häuschen gegenüber des Restaurants Captain Hook durfte zum Beispiel auch kostenlos ausprobiert werden, wie es sich auf einer Slackline – ein langer, straff gespannter Gurt zwischen zwei Bäumen – balanciert.

„Am meisten wurde unser Picknick-Boot fotografiert“, erinnert sich Eventmanager Martinus van Paridon, der zu den zehn jungen Enthusiasten am See gehört. Das Ruderboot stand jeden Tag schön in Szene gesetzt vor dem Gebäude und konnte für romantische Abendessen zu zweit auf dem See reserviert werden. Mit zwei Fackeln, einer Flasche Wein oder Sekt, Weintrauben und köstlichen Häppchen bestückt. Die Fotos verbreiteten sich vor allem über das Internet, sodass sogar aus Großstädten wie Berlin so ein romantischer Überraschungsabend am O-See gebucht wurde. Die Möglichkeit, gewöhnliche Ruderboote auszuleihen, wurde vor allem von Anglern gern wahrgenommen.

Die vorhandenen Ausleih-Fahrräder waren vor allem während der Senioren-EM der Leichtathletik der Renner, denn viele der Teilnehmer hatten den Campingplatz am O-See, gleich nebenan, als preiswerte Unterkunft gewählt. Beides passt gut zusammen, denn die Seestern-Crew setzt vor allem auf den Mitmach-Effekt. Ihre Aktionen wie der Jonglier-Workshop fanden immer draußen statt, sodass auch Umstehende noch Lust zum Mitmachen bekamen. Die Salsa-Kurs-Teilnehmer tanzten ebenfalls direkt am Strand und steckten deshalb mit ihren Gute-Laune-Bewegungen weitere Badegäste an. Nächstes Jahr soll es weitere solcher Aktivitäten geben, die dann auch länger im Voraus geplant werden können. Die erste Saison des Seesterns hatte ja ziemlich kurzfristig begonnen und bis zum Herbst nur etwa anderthalb Monate gedauert.

Ein Traum für den kommenden Sommer ist beispielsweise, Stehpaddeln anzubieten. „Das ist der Hammer“, meint van Paridon, der diese Sportart selbst schon ausprobiert hat: Wie ein Gondoliere in Venedig schiebt man sich und sein Surfbrett, stehend, mit einem speziellen Paddel über das Wasser. Das sei nur „mäßig anstrengend“. Auch das ein oder andere kleine gemütliche Event sei für die nächste Saison geplant. Für die großen Veranstaltungen jedoch sei nach wie vor das „Captain Hook“ verantwortlich. Solange es irgendwie wirtschaftlich möglich ist, möchte der „Seestern“ bestehenbleiben. Erst Ende Juli 2012 hatte er als Fortführung des „Fun Aktiv Point“ eröffnet. Deren Besitzer hatten sich beruflich anders orientiert und, wie die SZ damals berichtete, nach Mietern für das Häuschen gesucht, die das Naherholungsgebiet am Olbersdorfer See mit Aktiv-Angeboten für Einheimische und Touristen weiterhin attraktiv halten.

Die Bandmitglieder selbst und ihre Mitstreiter blicken mit Begeisterung auf ihre erste „Seestern“-Saison zurück. Oft haben sie sich hier einfach zum Frühstück getroffen, um in dieser besonderen Wohlfühl-Atmosphäre am Olbersdorfer See Kraft für die Proben danach zu tanken. „Es ist sehr wichtig für Musiker, einfach mal abschalten zu können“, erklärt Martinus van Paridon. Der eine aus dem Team geht gern angeln, der nächste bastelt gern. So kann jeder der zehnköpfigen „Seestern“-Mannschaft hier seine individuellen Fähigkeiten einbringen.

Für die tristere Jahreszeit jetzt hat der Seestern sein Ausleihsortiment bereits ausgelagert – und seine Aktivitäten ins Internet verlegt: Auf der erst wenige Wochen alten Facebook-Seite vom Seestern Olbersdorf – auf der trotzdem schon 170 Freunde verlinkt sind – wurde ein Fotowettbewerb gestartet. Herumtoben und Drachensteigen draußen am Olbersdorfer See ist trotzdem möglich, wie die Brüder Alfred und Franz beweisen.

www.seestern-olbersdorf.de