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Kamenz

Der Spielplatz-Streit von Großnaundorf

Im Dorf soll ein neuer Ort für Kinder entstehen. Dafür muss ein anderer Spielplatz weichen. Das sorgt für Protest.

Der kleine Spielplatz im Großnaundorfer Ortsteil Mittelbach soll möglicherweise bebaut werden. In der Ortschaft regte sich Protest gegen den Plan. Die Entscheidung liegt letztlich beim Gemeinderat.
Der kleine Spielplatz im Großnaundorfer Ortsteil Mittelbach soll möglicherweise bebaut werden. In der Ortschaft regte sich Protest gegen den Plan. Die Entscheidung liegt letztlich beim Gemeinderat. © Matthias Schumann

Großnaundorf. Derzeit wird die Zukunft eines kleinen Spielplatzes intensiv diskutiert. Entschieden ist sie noch nicht. In der kommenden Woche wird sich der Gemeinderat von Großnaundorf damit befassen.

Was ist passiert? Anwohner im Ortsteil Mittelbach waren vor ein paar Wochen über eine Ausschreibung im Amtsblatt gestolpert. In der wurde von der Gemeinde Bauland angeboten. Genau dort wo sich derzeit ein kleiner Spielplatz befindet. Überall würden neue Anlagen aus dem Boden schießen, hier solle eine verschwinden, hieß es empört und brachte Bürger in Bewegung. Bürgermeister Christian Rammer glättete erst einmal die Wogen. Noch sei hier nichts verkauft.

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Unterdessen sammelten Bürger 160 Unterschriften in Großnaundorf und Mittelbach, um dem öffentlichen Interesse an dem Areal, Gewicht zu verleihen. Die Liste übergaben sie dem Bürgermeister. Rund 20 Mittelbacher starteten einen kleinen Arbeitseinsatz, zur Pflege der Anlage und Reparatur der Wippe. Die Finnhütte wurde geputzt und Ideen gesammelt. Ein Mittelbacher kümmere sich um den Rasenschnitt, heißt es. Der Spielplatz hat insgesamt wieder mehr Zuwendung erhalten. Die Mittelbacher und Großnaundorfer rücken durch das Thema wieder stärker zusammen“, denkt Astrid Lindner aus Mittelbach. Das sei doch ein guter Effekt an der Sache, „auch wenn dort nicht täglich 20 Kinder spielen“ würden. Aber die Anwohner wissen auch, dass das noch nicht reicht. So gibt es die Auflage des Rates, ein Konzept zu erarbeiten für das Gelände. Das soll bis Ende der Woche stehen, heißt es aus Kreisen der Spielplatzfreunde. Eine Art Interessengemeinschaft würde die Pflege übernehmen. Das Areal könnte ein Dorftreffpunkt werden, auch mal für ein kleines Fest zum Beispiel.

Zwei Spielplätze nicht möglich

Parallel zur Mittelbacher Spielplatzdebatte soll jetzt für viel Fördergeld ein Mehrgenerationenspielplatz in Großnaundorf gebaut werden. Dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden. Nur ärgert die Mittelbacher Spielplatzfreunde, dass ihre kleine Anlage nun infrage steht. Zumal die Erreichbarkeit der neuen Anlage für Mittelbacher Kinder über die Verbindungsstraße so schlecht und gefährlich sei, dass wohl niemand sein Kind dort lang schicken würde. Natürlich könne man einen neuen Spielplatz auch am Rand bauen, sagt Bürgermeister Christian Rammer. Der Rat habe sich aber aus guten Gründen für die zentrale Lage entschieden, um damit möglichst viele Kinder zu binden. Zwei Spielplätze könne die Gemeinde nicht unterhalten. Der Mittelbacher sei zudem in die Jahre gekommen. Dass die Ortsverbindung miserabel ist, sei ihm natürlich bekannt. Deshalb habe er eine Petition an die zuständige Straßenbaubehörde gestartet. Da hätte er sich mehr Interesse erhofft, um den Straßenausbau voranzubringen.

Freistaat auch gefragt

Es sei derzeit schwer abzusehen, wie sich die Mehrheit der Gemeinderäte entscheiden wird, schätzt Christian Rammer. Sollte das Areal erhalten bleiben, ist für ihn wichtig, wie sich die Mittelbacher die Unterhaltung des Platzes vorstellen. Mit dem Spielplatz würden jährlich für Erhaltung, Tüv, Versicherung etwa 2 000 Euro zu buche stehen. Eine kleine Gemeinde wie Großnaundorf müsse schon ein bisschen rechnen. Da laste zum Beispiel noch der Eigenanteil von 500 000 Euro für die Sporthallensanierung schwer auf dem Haushalt. Der Verkauf sei natürlich auch im Haushalt eingeplant. Inzwischen gebe es einen Interessenten, der sich mit seiner Familie niederlassen, 58 000 Euro für das Areal hinblättern und zügig bauen würde, gibt er zu bedenken.

Der Freistaat müsste bei seinen Zuweisungen kleine Gemeinden mit wenig Gewerbesteuereinnahmen besser stellen, kritisiert Rammer. Die neue Kita-Gesetzgebung schlage der Gemeinde das nächste Loch in den Etat – die deutlich höheren Personalkosten. Das sei freilich nicht nur ein Großnaundorfer Problem. Mehr Einwohner bedeuten natürlich auch mehr Zuweisungen. Weshalb das Thema Zuzug aktuell ist, um wenigstens mal wieder über die 1 000-Einwohner-Marke zu klettern. Da kommt das Spielplatzgelände wieder ins Spiel. Die Gemeinde verfüge ansonsten über kein Bauland.

Christian Rammer habe Verständnis für die Mittelbacher, aber angesichts der Geburtenzahlen Zweifel, dass in Mittelbach genug Kinder sein werden, um den Spielplatz wirklich zu nutzen. Die Spielplatzfreunde halten dem entgegen, dass es sich um das letzte Stück Gemeindeland handele. Es sollte nicht verkauft werden. Großnaundorf wolle mehr Familien. Und der Nachwuchs brauche doch Plätze. Wo solle er hin, wenn die Fläche weg sei.

Der Gemeinderat befasst sich am 19. September mit dem Spielplatzthema, 19.30 Uhr, Dorfgemeinschaftsraum.

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