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Der Stein der Weisen

Die Porzellanmanufaktur führt jetzt mit Goldmacher Böttger und August dem Starken ins Museum ein.

Treibt die Modernisierung des Porzellan-Museums voran: Stiftungschefin Anja Hell (links) in der neuen Inszenierung, welche in die Dauerausstellung einführen soll.
Treibt die Modernisierung des Porzellan-Museums voran: Stiftungschefin Anja Hell (links) in der neuen Inszenierung, welche in die Dauerausstellung einführen soll. © Claudia Hübschmann

Meißen. Geradezu leuchtet das Weiße Gold vor pinkem Hintergrund, rechterhand flackert es geheimnisvoll im Dunkeln. Automatisch fühlt sich der Besucher zu dem schwarz ausgekleideten Raum oberhalb der Treppe hingezogen. Genau das ist gewollt. Seit einer Woche sei die neue Inszenierung in Betrieb, sagt die Geschäftsführerin der Meissen Porzellan-Stiftung Anja Hell. Sie soll den Einstieg in die Dauerausstellung erleichtern.

Ein beherzter Schritt durch den Türrahmen, ein Druck auf den leuchtenden Sprachknopf für Deutsch, schon kann die Zeitreise beginnen. Sie führt über drei Jahrhunderte zurück in eine Epoche, in der die Menschen schwankten zwischen aufgeklärtem Denken und dem Aberglauben des Mittelalters. Selbst August der Starke war davon nicht frei und hatte den Alchemisten Johann Friedrich Böttger in seine Gewalt gebracht. Dem berühmten Wandbild von Paul Kießling in der Albrechtsburg nachempfunden, sind der Kurfürst und sein Goldmacher gleich links des Eingangs abkonterfeit. Ihnen quer gegenüber ragt er aus der Wand: Der Stein der Weisen, mit welchem die Alchemisten unedle in edle Metalle verwandeln wollten.

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Einmal mehr greift die Manufaktur auf ihren Gründungsmythos zurück, um dem Besucher einen Hintergrund zu schaffen zu all den kostbaren Porzellanen, welche ihn anschließend in der Ausstellung erwarten. Erzählt wird die Geschichte durch einen kurzen Film, den Beamer effektvoll auf drei Wände des Raumes zaubern. Parallel zum virtuellen Geschehen kommen Stücke in mehreren Vitrinen ins Spiel, welche in die Wände eingelassen sind. Feldspat, Quarz und Kaolin enthält einer der Glaskästen. Die Rohstoffe mithin, welche es braucht, um Porzellan herzustellen. Weiter sind Gegenstände eines typischen Alchemisten-Labors zu sehen sowie charakteristische Meissener Porzellane. Ein Tässchen mit Chinoserien steht für den großen Einfluss asiatischer Formen und Dekore. Natürlich darf das populäre Zwiebelmuster nicht fehlen.

Erläuternde Texte im Umfeld der Vitrinen sind bewusst knapp gehalten. Wer weitere Einzelheiten etwa zum Produktionsprozess oder den ersten Manufakturen in Europa erfahren möchte, kann dazu zwei Touchscreens nutzen.

Mit ihrer Inszenierung hat die Stiftung eine Kombination aus Film, interaktiven Stationen und konkreten Schaustücken aufgegriffen, wie sie aktuell vielfach in Ausstellungen verwendet wird. Ähnlich sind die große Sonderschau zur Hochzeit des Sohnes von August dem Starken mit der Kaisertochter Maria Josepha auf Schloss Hubertusburg, aber auch das neue Dommuseum in Meißen gestaltet. Große Lesetafeln sind out. Stattdessen wird das Wissen häppchenweise und oft voll animiert aufbereitet. Wer möchte, kann sich individuell in Details vertiefen.

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Anja Hell zufolge ist geplant, an passenden Stellen solche Elemente schrittweise in die Dauerausstellung einzuarbeiten. Diese war in den vergangenen Jahren bereits in Etappen aufgepeppt worden. Die altmodischen Täfelchen mit Lesetexten wurden durch sogenannte QR-Codes ergänzt. Scannt der Besucher diese mit seinem Smartphone ein, kann er über das Gerät zusätzliche Informationen abrufen. Bildschirme und Abspielstationen mit Filmen und Hörstücken kamen hinzu. Kinder können mit einem Mini-Computer auf eine spannende Rallye gehen.

Die Investitionen kommen nicht von ungefähr. Seit 2001 gingen die Besucherzahlen stetig zurück. Dem musste entgegengewirkt werden. Mit dem aktuellen Trend zeigt sich Anja Hell zufrieden. „Die Saison ist richtig gut gestartet“, sagt sie.

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