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Der Steinbruch auf der Kaffeetüte

Ein Reichenbacher Wirtschaftsarchivar wirbt mit ungewöhnlichen Ideen für die Oberlausitz. Die könnten noch besser ankommen.

Klaus Jürgen Beil spendet mit jedem verkauften Kaffee Geld an den Museumsverbund.
Klaus Jürgen Beil spendet mit jedem verkauften Kaffee Geld an den Museumsverbund. © Constanze Junghanß

Der Kaffee kommt aus Afrika, Amerika oder Australien, die Motive auf der Verpackung dagegen stammen aus der Region. Es sind die Königshainer Steinbrüche, das Schloss Krobnitz, das Markersdorfer Dorfmuseum, der Rotstein und die Bautzener Wasserkunst abgebildet – gedruckt auf Kaffeetüten. „Hergestellt für das Rotstein Handelskontor“ ist auf der Rückseite der Verpackung zu lesen. Und auch, dass mit dem Kaffeekauf eine Spende verbunden ist. Je nach Packungsgröße fließen 50 Cent oder ein Euro an den Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund.

Dabei ist es nicht der Museumsverbund, der die Ideen dazu hatte oder der gar den Kaffee vertreibt, sondern Klaus Jürgen Beil aus Reichenbach. Er hat das Kaffeeprojekt im Jahr 2017 ins Leben gerufen. „Damit will ich unsere schöne Umgebung und die vielen Sehenswürdigkeiten ein bisschen bekannter machen“, sagt der 59-Jährige. „Und vielleicht wird der eine oder andere neugierig und besucht uns.“

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Ein Mitbringsel für Touristen beispielsweise könnte das Kaffeepulver für das beliebte Getränk sein. Bisher seien bereits einige Hundert Stück verkauft worden. Über das Internet vermarktet Klaus Jürgen Beil das Produkt aber nicht. Vielmehr gibt es den Kaffee seit einer Weile bei der Reichenbacher Stadtinformation auf der Nieskyer Straße, neuerdings über den Verein „Sohland lebt“ bei den Sammelbestellungen für regionale Lebensmittel und auch in den Museumshops vom Verbund.

Die Idee mit den Heimatmotiven kam dem selbstständigen Wirtschaftsarchivar beim Nachdenken über die „Zukunftstrategie 2030“ für Reichenbach. Die steht als Konzept auf der Internetseite der Stadt. 2014 gab es dazu eine Zukunftskonferenz. Seitdem ist es still geworden um das Projekt. Zukunft heiße aber auch, Ideen zu entwickeln, findet Klaus Jürgen Beil. Warum also nicht mit Bildern regional bekannter Orte auf Kaffee die Region bewerben? Eins der Fotos hat Beil selber „geschossen“, eins ist von einer Sohländer Privatperson. Zwei Bilder sind vom Museumsverbund freigegeben worden. „Den Bautzener Wasserturm malte ein Löbauer Maler, der sein Bild als Motiv für den Kaffee zur Verfügung stellte“, sagt der Reichenbacher. Weitere Motive sind in Planung, wie er sagt. Für den Verein „Sohland lebt“ beispielsweise soll es eine „Extra-Kaffeesorte“ geben.

Für die Kaffeegeschichte meldete Beil ein zusätzliches Gewerbe für Lebensmittel an. Im Hauptberuf erstellt der Unternehmer Dokumentationen. Unter anderem hat er nach der Auflösung des Diakonischen Werks der Schlesischen Oberlausitz sämtliche Unterlagen archivarisch zusammengefasst. An der Chronik der Görlitzer Goldschmiedeinnung hat Beil als Autor ebenfalls mitgearbeitet. Auch eine Broschüre über die Gründung bis zur Wende für den Sportverein Gelb-Weiß Görlitz oder Archivgut der Sohländer Kirchgemeinde wurden von ihm zusammengefasst und digitalisiert. Seit neun Jahren ist er Mitglied im Verein der deutschen Wirtschaftsarchivare. Die Kaffee-Geschichte läuft nebenher. „Auch um zu zeigen, was wir hier in der Region für schöne Ausflugsziele haben“, begründet Beil, der 1995 aus dem Westen der Republik und der Liebe wegen in die Oberlausitz gezogen ist.

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