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Der Tag, als das Wasser kam

Den 3. Juni 2013 haben die Menschen im Elbtal in keiner guten Erinnerung. Wie geht es ihnen ein Jahr nach der Flut?

Von Christian Eissner

Diesmal brachte der Regen nur ein paar kurzzeitig unpassierbare Straßen in Pirna, Struppen und Lohmen und einige überflutete Keller. Auch wenn das Unwetter am vergangenen Dienstag glimpflich abging, waren viele Bewohner des oberen Elbtals sehr angespannt. Ihr Gedanke: Hoffentlich nicht schon wieder. Es ist genau ein Jahr her, dass die Menschen hier in der Region voller Sorge gen Himmel und auf die Flüsse schauten.

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Der Mai 2013 verabschiedete sich mit Regen ohne Ende. Zwischen 26. Mai und 3. Juni fielen in der Region knapp 200 Liter Regen pro Quadratmeter, auch in den tschechischen Mittelgebirgen goss es. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Elbe über die Ufer treten würde. Bereits am 31. Mai wurde am Pegel Schöna die Hochwasser-Alarmstufe 1 (vier Meter) überschritten, am 2. Juni, einem Sonntag, erreichte der Fluss die Sechs-Meter-Marke.

Hatte man zunächst noch Hoffnung, alles würde wesentlich glimpflicher verlaufen als bei der Flut 2002, war spätestens an jenem Sonntagnachmittag klar: Daraus wird wohl nichts. Das Landratsamt löste Katastrophenalarm für die Elbtal-Orte von Schmilka bis Heidenau aus und empfahl den Eltern, ihre Kinder am Montag möglichst nicht zur Schule zu schicken. Die Pirnaer Feuerwehr begann am Abend, auf dem Copitzer Hauptplatz und in der Schifftorvorstadt Sandsäcke auszugeben, Anwohner wurden gebeten, ihre Autos wegzufahren, Katastrophenstäbe tagten.

Was vom 2. bis 5. Juni passierte, kann man wohl am besten mit einem geordneten Rückzug aus den elbenahen Orten, Straßen und Häusern beschreiben. Erdgeschoss-Wohnungen und Geschäfte wurden ausgeräumt und so gut wie möglich verbarrikadiert, Notlager eingerichtet. Zwischenzeitlich hieß es, der Elbepegel könnte so hoch steigen wie im August 2002, sodass die Betroffenen wussten, was auf sie zukam. Sie versuchten, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen, jeder, der konnte, packte mit an. Trotz der Vorwarnzeit musste es schnell gehen, denn nach und nach wurde der Strom in den elbnahen Straßen abgeschaltet. Bis in die Morgenstunden des 6. Juni stieg die Elbe weiter und erreichte schließlich in Schöna einen Scheitel von 10,65 Metern – 1,39 Meter unter der Rekordmarke vom August 2002 (12,04 Meter).

Die Freude, der Flut nicht ganz so hilflos ausgeliefert gewesen zu sein wie im August 2002 und zumindest ein bisschen Zeit gehabt zu haben, Dinge zu retten, diese Freude hielt 2013 nicht lange an. Denn als sich das Wasser in der zweiten Juniwoche langsam zurückzog, wurde das Ausmaß der Schäden deutlich, und es zeichnete sich ab, wie viel Arbeit, Zeit und Geld nötig wären, die Häuser zu trocknen. Es dauerte Monate, bis Händler ihre damals gefluteten Geschäfte wieder öffnen konnten, und noch immer leiden viele unter den Nachwirkungen des Hochwassers, nervlich und finanziell.

In einer kleinen Serie geht die SZ in den kommenden Tagen auf Spurensuche; unsere Autoren erzählen, wie Flut-Betroffene den Wiederaufbau schafften, mit welchen Problemen sie nach wie vor zu kämpfen haben und wie es um den versprochenen Hochwasserschutz im Elbtal steht.

Erzählen Sie Ihre Flut-Geschichte. Kontakt zur Redaktion per E-Mail [email protected] oder 03501 56335610.