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Der Tag, an dem die Schlammflut kam

Vor einem Jahr ging ein heftiges Unwetter über dem Osterzgebirge nieder. Es richtete enorme Schäden an.

Von Regine Schlesinger

Die Bilder von den schweren Unwettern, die sich seit Montag über großen Teilen des Landes austoben, wecken im Osterzgebirge schlimme Erinnerungen. Gerade ein Jahr ist es her, dass auch in der Region ein heftiges Unwetter niederging – mit verheerenden Folgen vor allem in Dippoldiswalde, Schmiedeberg, Glashütte und Hartmannsdorf-Reichenau.

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So sah es an der Buschmühle in Reichstädt aus, nachdem sich Unwetter und Sturzflut wieder verzogen hatten. Zurück ließen sie an vielen Stellen des Ortes ein solches Chaos wie hier. Es wird noch dauern, bis alles wieder in Ordnung gebracht ist.Foto: Egbert
So sah es an der Buschmühle in Reichstädt aus, nachdem sich Unwetter und Sturzflut wieder verzogen hatten. Zurück ließen sie an vielen Stellen des Ortes ein solches Chaos wie hier. Es wird noch dauern, bis alles wieder in Ordnung gebracht ist.Foto: Egbert

Dauerregen im Mai und ein Unwetter um den 1. Juni herum hatten zuvor vor allem im Elbtal für massive Überschwemmungen gesorgt. Das Osterzgebirge war relativ glimpflich davon gekommen. Schäden an Grundstücken, Straßen, Bächen und Brücken gab es aber auch hier.

Nur eine Woche später, am 9. Juni, einem Sonntag, war mancher noch mit dem Aufräumen beschäftigt, als das nächste Unwetter heraufzog. Es ging kurz vorm Mittag nieder – mit kräftigem Gewitter, Hagel in ungewöhnlichen Mengen und wolkenbruchartigem Regen. Betroffen war im Osterzgebirge ein etwa zehn Kilometer breiter Streifen. Der Gebirgskamm selber wurde nur gestreift. Stellenweise gab es Niederschläge von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter. Diese Wassermassen fielen auf einen ohnehin schon durchnässten Boden. Straßen wurden überflutet, Keller liefen im Nu voll, Böschungen und Hänge kamen ins Rutschen. Über Reichstädt brach innerhalb kürzester Zeit eine bis zu drei Meter hohe Sturzflut herein. Sie überschwemmte den Ort von einem bis zum anderen Ende, hinterließ Schlamm, Geröll und ein riesiges Chaos. Ähnliches erlebte Sadisdorf, wo noch Tage später in manchem Keller eine dicke Schicht Hagelkörner zu finden war. Im Müglitztal musste wegen Überflutung der Gleise die Bahnstrecke zwischen Glashütte und Heidenau gesperrt werden. Die Bobritzsch bei Hartmannsdorf-Reichenau schwoll innerhalb kurzer Zeit an und erreichte ein Ausmaß, das sie zuletzt beim Augusthochwasser 2002 hatte. Häuser und Grundstücke wurden von Wasser und Schlamm überschwemmt.

Das Landratsamt löste Katastrophenalarm für Dippoldiswalde, Schmiedeberg, Glashütte und Hartmannsdorf-Reichenau aus. Feuerwehren und Technisches Hilfswerk waren im Dauereinsatz. In Reichstädt musste ein Ehepaar gerettet werden, das von den Wassermassen in seinem Keller eingeschlossen war.

Doch beinahe so schnell, wie die Katastrophe hereingebrochen war, rückten auch die ersten Helfer an: Nachbarn, die selbst nicht betroffen waren, Freunde und Bekannte, aber Dank der Aufrufe bei Twitter und Facebook auch völlig Fremde. Sie alle packten ohne viel zu fragen beim Aufräumen an. Diese Hilfsbereitschaft werden die Betroffenen ebenso wenig vergessen, wie den Unwettersonntag selbst.

Was er an Schäden hinterließ, wird die Städte und Gemeinden noch Jahre beschäftigen. Allein für Dippoldiswalde hat der Freistaat rund 28 Millionen Euro fürs Beseitigen der Hochwasserschäden des vorigen Jahres bewilligt. Das Geld soll innerhalb von drei Jahren für insgesamt 154 Baumaßnahmen ausgegeben werden. Gebaut werden soll in Dipps wie auch in den anderen Orten so, dass künftige Naturereignisse wie das vom 9. Juni 2013 nicht mehr derart große Schäden anrichten können.