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Der Tag der klugen Köpfchen

Schlauberger. Sachsen sind echt helle und erfinden sogar wie die Weltmeister. Auch im Landkreis wird getüftelt.

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Von Carolin Barth

Wir Sachsen sind ein wahres Tüftlervölkchen. In den neuen Ländern sogar die Cleversten. Laut Münchner Patent- und Markenamt kamen im letzten Jahr die meisten Patentanträge aus dem Freistaat. Die Erfinder-Tradition muss ja weiterleben. Denn wer hätte gedacht: Aktendulli, Bierdeckel, Feinwaschmittel, Kaffeefilter, Tageszeitung, Teebeutel und Zahncreme verdanken wir schlauen Sachsen. Manche Idee kommt aus heiterem Himmel, an mancher wird jahrelang getüftelt. Kluge Köpfe experimentieren in Firmen oder einsam im stillen Kämmerlein. Ein eigensinniges und sinnvolles Hobby ist es allemal, wenn sie merkwürdige Konstruktionen zusammenschrauben oder fantasievoll optimieren.

Ideen schlau schützen

Aber: „Die Wenigsten kommen überhaupt darauf, ihre guten Ideen patentieren zu lassen“, weiß Rechtsanwalt Jürgen Wasserthal aus Kamenz. „Sie wissen wohl zu wenig Bescheid“, vermutet er. Vor seiner Tür stehen hin und wieder kreative Tüftler aus der Region, allzu viele sind es jedoch nicht. Für jene, die sich mit ihrer skurilen Idee bislang nicht an die Öffentlichkeit trauten, soll der heutige Tag der Erfinder Mutmacher sein. Noch zu oft werden Erfinder als Spinner oder Visionäre belächelt. Der Kamenzer Olaf Böttcher ist das freilich nicht, seine Erfindungen und sein Know How kommen seit Jahren zum Einsatz. Der Experte für Radio und Fernsehen entwickelt spezielle Messgeräte für Wassersport. In jeder freien Minute ist er am Friemeln. „Derzeit entwickle ich gemeinsam mit VW ein Messgerät für Boote, es garantiert eine gleichbleibende Geschwindigkeit. Es ist kein herkömmlicher Tempomat, sondern höchst komplizierte Technik.“

Die Details spart der Experte bei der Erklärung aus, „viel zu schwierig“. Aber selbst Laien kapieren den Sinn: „Der Regler steuert die Geschwindigkeit, sie bleibt immer konstant. Bisher musste der Fahrer die Schnelligkeit steuern, das übernimmt nun das Gerät. Im Wettkampf ist sicher gestellt, dass Wasserskisportler vorn am Boot gleiche Bedingungen haben. Leuchtet ein.

Nach der Blitzidee aber kommt oft die Bürokratie. Jürgen Wasserthal berät Schlauberger und verweist an Patentanwälte, an echte Profis. Hieb- und stichfest müssen Neuerungen begründet sein, denn nur dann gibt’s ein Patent.

Gleich mehrere dieser Urkunden hat die Kamenzer Firma Velomat Messelektronik im Tresor. Weltneuheiten sind für das Unternehmen Erfolgsgarant. Reinald Wunderwald hatte schon einige zündende Ideen: Er verpasste Walkingstöcken einen Sensor, der die Bewegungskräfte misst und dem straffen Spaziergänger anzeigt, ob er sich optimal bewegt oder wann er noch etwas Gas geben sollte. Die Einfälle gehen dem pfiffigen Geschäftsführer nicht aus: „Im letzten Jahr entwickelten wir einen Sensor für die Überwachung von Zuckerrübenmaschinen. Bislang war es unmöglich, das exakte Gewicht der Rüben während des Transports auf den Förderbändern zu wiegen“, erklärt Wunderwald. Um das Ladevolumen auf Transportern voll auszuschöpfen, werden die rumpelnden Rüben jetzt exakt gemessen. Die Ladekapazität wird ausgenutzt, Überladung vermieden. Jetzt kullern keine Rüben mehr auf die Straße.

Für ein Labor, das Bakterien- und Virenkulturen in Reagenzgläsern züchtet, liefert Velomat einen feinen Sensor, der das kaum vorstellbare geringe Gewicht heranwachsender Kulturen haargenau ermittelt. „Sogar unter widrigen Bedingungen misst der Sensor exakt, im Labor herrscht ständige Luftfeuchtigkeit, da die Gefäße mit Dampf gereinigt werden“, erläutert Reinald Wunderwald die Weltneuheit. „Einige Patente haben wir angemeldet, aber wir wägen ab, ob die Idee geschäftstauglich ist, denn es kostet viel Zeit und Geld“, weiß der Erfinder aus Erfahrung.

Erfindungen sind Routine

Dietmar Hofmann aus Grüngräbchen baut Sondermaschinen, Erfinden ist sein Job. „Ich entwickle für Roboter, die in der Automaten- oder Maschinenproduktion zum Einsatz kommen, spezielle Zuführungen.“ Bevor ein Roboter ein Kleinteil einsetzt, muss er es aufgreifen. Doch meist liegen die Teile in Säcken durcheinander. „Ich stelle Vorrichtungen so her, dass Teile griffbereit liegen und der Roboterarm problemlos zugreifen kann.“ In Reih und Glied und in richtiger Position rattern sie dann durch die Förderrinne. Im Büro dreht und wendet der gelernte Maschinenbauer die Teile, bis es passt. Probieren geht eben über Studieren.