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Der Tagebau, der doch nicht kam

Wären Pläne aus DDR-Zeiten umgesetzt worden, gäbe es das Dubringer Moor heute wohl nicht mehr.

Wer sich an eher seltenen Natur-Phänomenen freut, ist im Dubringer Moor richtig. Aber die sicheren Wanderwege sollte man besser nicht verlassen.
Wer sich an eher seltenen Natur-Phänomenen freut, ist im Dubringer Moor richtig. Aber die sicheren Wanderwege sollte man besser nicht verlassen. © Foto: Herbert Schnabel

Dubring. Es war im Sommer 1989, die Friedliche Revolution in der DDR deutete sich erst an, da erschien Ausgabe 5 der „Grubenkante“ des Hoyerswerdaer Arbeitskreises für Umwelt und Frieden. „Zur innerkirchlichen Information“ stand auf dem Titel, womit zumindest so halb die geltenden Zensurregeln umgangen wurden. Das Heftchen hatte nur ein Thema. Auf dem Titel sah man die Silhouette einer Kranich-Kolonie und darunter die Schlagzeile „Das Dubringer Moor – im Jahr 2020 Tagebau?!“

Die Frage, die heute etwas abwegig scheinen mag, war damals alles andere als das. Zwar hatte der Bezirkstag Cottbus schon 1972 einen rund 100 Hektar großen Teil des Moorgebietes unter Naturschutz gestellt und den Geltungsbereich 1981 auf knapp 400 Hektar ausgeweitet. Doch ebenfalls 1981 wurde die Gegend vom Rat des Bezirkes zum „Bergbauschutzgebiet“ erklärt. Der Terminus bedeutete perspektivische Abbaggerung. Größere Investitionen in Infrastruktur sollte es nicht mehr geben. Insbesondere davon betroffen waren Spohla, Zeißholz und Neudorf-Klösterlich. Vorgesehen war der Abbau von Torf und Braunkohle in den Teilfeldern Zeißholz-Ost/Spohla, Neukollm und Zeißholz-West.

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Schon die Vorfahren im Königreich Preußen hatten am Westrand des Moors Bodenschätze gewonnen. 1858 begann hier sogar der industrielle Kohle-Bergbau im Raum Hoyerswerda. Die Grube „Friedrichsglück“ bei Zeißholz war die erste, die dazu aufgeschlossen wurde. Der Hoyerswerdaer Friedhelm Schulz führt in seinem Buch „Drei Jahrhunderte Lausitzer Braunkohlenbergbau“ auch die Nachbar-Gruben „Henriette“, „Amalia“, „Constantina“, „Ziethen“ und „Saxonia“ auf. Und immer mal wieder streckte der Bergbau auch später seine Fühler nach den Kohle- und Torfvorkommen aus. Laut sächsischem Landesamt für Geologie sind zwischen 1910 und 1985 Bohrungen der Braunkohleerkundung in vierstelliger Größenordnung bekannt.

1990 wurde das „Bergbauschutzgebiet“ aufgehoben und per Verordnung des Regierungspräsidiums Dresden vom 7. März 1995 wuchs das Naturschutzgebiet unter Einbeziehung angrenzender Gewässer, Wälder und Offenlandflächen noch einmal an, dieses Mal auf etwa 1.700 Hektar. Das Dubringer Moor gilt nach Angaben des Landes Sachsen als bedeutendstes Durchströmungsmoor im Altmoränengebiet zwischen Elbe und Oder. Der Name an sich ist mehr ein Oberbegriff, denn das Areal besteht aus diversen Strukturen, die Fachleute unter anderem Schicht-Quellmoore, Akrotelm- (oberer Moorbereich) und Katotelm- (unterer Moorbereich) Durchströmungsmoore nennen. Grob gesagt handelt es sich um Abschnitte mehrerer aus dem Grundwasser gespeister Moortypen.

Reiche Flora und Fauna

Der Stellenwert des Dubringer Moors fußt unter anderem auf der langen Zeit, über die es wuchs. Vor acht Jahrtausenden setzte die Torfbildung ein und die Sumpflandschaft konnte nur auf Grund einer Senke entstehen, die sich während der letzten Eiszeit vor 250.000 Jahren bildete. Besonders attraktiv für Naturfreunde macht das Dubringer Moor sein Reichtum an Flora und Fauna. Hier leben zum Beispiel Fischotter, Rotbauchunken, Baumfalken, Rohrdommeln oder auch die erwähnten Kraniche. Es wachsen Dutzende Arten von Torfmoosen, Weißes und Braunes Schnabelried, See- und Teichrosen oder Moosbeeren. Wenn das Wollgras blüht, ist das ein spektakulärer Anblick. Für den Moorkomplex mit seinen Teilgebieten Pasternak-Moor, Vincenz-Moor und Zeißholzer Moor, sagt das Land Sachsen, habe man eine europaweite Verantwortung. Das bedeutet auch, dass noch viel zu tun bleibt. Der Zustand des Moores gilt nur als befriedigend. Vor allem führt das stark ausgebaute Grabensystem zu sommerlichem Wassermangel. Und nicht nur leitet vor allem der Vincenzgraben zu viel Wasser ab. Er ist auch durch die Folgen des Kohlebergbaus sowie durch benachbarte Steinbrüche ökologisch belastet. Bei einer Konferenz vor zwei Jahren war unter anderem von einem Eintrag von Schwermetallen sowie von einer Versauerung die Rede. An möglichen Lösungen wird derzeit aber schon gearbeitet.

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