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Der teure Dreh

400 Euro und mehr kassieren unseriöse Schlüsseldienste für einen Einsatz. Auch im Rödertal mehren sich Fälle.

Von Nicole Preuß

Sie war im Stress. Sie wollte nur an den Briefkasten und dann schnell zur Arbeit. Doch sie kam nicht weit. Kaum auf der Treppe, fiel die Tür hinter ihr ins Schloss. Und der Schlüssel war noch drinnen. Ein Nachbar rief einen Schlüsseldienst, der öffnete und verlangte dann eine unglaubliche Summe: 450,42 Euro. Dirk Mittrach von der Verbraucherzentrale Sachsen hat sich diesen besonders dreisten Fall zu den Akten gelegt.

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Doch auch darüber hinaus kommen immer wieder Kunden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auch im Raum Radeberg. Denn mittlerweile wird es immer schwerer, die seriösen Schlüsseldienste zu finden. Die SZ erklärt, was Kunden unbedingt beachten müssen.

Erkennt man einen überteuerten Schlüsseldienst schon an der Nummer?

Im Zweifel nein. Früher stand hinter einigen Schlüsseldiensten, die ihre Dienste überteuert anboten, eine 0800-Telefon-Nummer. So sahen die Kunden, dass die Schlüsseldienste wahrscheinlich gar nicht in der Region ansässig waren. Heute ist das anders. So benutzen Schlüsseldienste, die gar nicht von hier kommen, trotzdem regionale Vorwahlnummern. „Das funktioniert dann wahrscheinlich über eine Weiterleitung auf ein Handy“, sagt Dirk Mittrach von der Verbraucherzentrale. Das geht so weit, dass auch falsche Adressen in der Stadt angegeben werden. Damit wird der Anschein erweckt, dass man gleich um die Ecke sitzt und die Anfahrtkosten nicht so hoch sind.

Reicht es, den Schlüsseldienst schon am Telefon nach dem Preis zu fragen?

Das ist ein guter Ansatz. Verbraucherschützer Dirk Mittrach empfiehlt, immer gleich nachzufragen, was das Öffnen der Tür kosten wird. Unseriöse Schlüsseldienste drücken sich oft um die Antwort. „Da wird dann zum Beispiel gesagt, dass die Einsatzpauschale 159 Euro beträgt“, sagt er. Ohne jedoch zu erwähnen, dass noch weitere Kosten für An- und Abfahrt, für Material und Arbeitszeit dazukommen und kräftig zu Buche schlagen können. Wichtig ist immer, dass der Kunde mit einem Nachbarn oder einem anderen Zeugen anruft. Eine Möglichkeit ist, den Nachbarn fragen zu lassen. Eine andere, das Telefon laut zustellen und jemanden mithören zu lassen, nachdem man das vorher auch dem Schlüsseldienst angekündigt hat. Seriöse Anbieter können durchaus ungefähr sagen, was der Einsatz kostet. Ein gewisses Risiko bleibt nach Erfahrung hiesiger Anbieter aber. Denn nicht immer können die Kunden genau beschreiben, was für ein Problem sie haben und wie die Tür aussieht. So könnte es zum Beispiel sein, dass der Riegel im Schloss gebrochen ist. Das sieht der Laie nicht und das wird dann teurer als gedacht.

Welche Preise sind im

Landkreis üblich?

Das ist natürlich abhängig vom Aufwand. Das häufigste Problem ist aber, dass sich Leute ausgesperrt haben. Wenn es dann keine größeren Schwierigkeiten gibt, kostet das Öffnen der Tür tagsüber und unter der Woche etwa 35 bis 45 Euro. Abends kann man dann schon 50 bis 70 Euro zahlen. Am Wochenende und an Feiertagen werden 70 bis 90 Euro fällig. Über 100 Euro komme man nicht, wenn die Tür nur zugefallen ist, heißt es bei hiesigen Schlüsseldiensten auf Nachfrage. Außerhalb der jeweiligen Stadtgebiete kommen noch Fahrtkosten hinzu.

Was ist, wenn man trotzdem eine überteuerte Rechnung bekommt?

Dirk Mittrach rät, dann erst einmal nur einen Teil der Rechnung zu begleichen. „Geld, das man schon bezahlt hat, bekommt man nur schwer zurück.“ Doch die Mitarbeiter von unseriösen Schlüsseldiensten treten oft sehr bestimmt auf und wollen nicht eher gehen, als bis sie Geld bekommen haben. So oder so lohnt sich der Weg in die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Auch bei der Polizei werden ab und zu Schlüsseldienstbetreiber angezeigt. Mancher Fall kann dann bis ans Gericht gehen. So stand im August ein 30-jähriger Schlüsseldienstinhaber in Dresden vor dem Amtsgericht. Ihm wurde Wucher vorgeworfen.