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Der Traum vom Schrauben

Kfz-Mechatroniker und Friseurin führen die Hitliste der Lehrberufe im Kreis an. Andere Branchen finden keine Azubis.

© hübschmann

Von Anna Hoben

Schon als Kleinkind schaute Niklas Gall Autos hinterher. Als Jugendlicher fuhr er zu Tuning-Messen. Gerade macht er seinen Führerschein, und bald soll das erste eigene Auto angeschafft werden: ein Einser-Golf, die Cabrio-Version. Darauf hat er in den vergangenen Jahren gespart.

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Niklas Gall, 17, ist Lehrling zum Kraftfahrzeugmechatroniker beim Autohaus Lassotta in Meißen. Die Berufswahl war die logische Folge seiner Leidenschaft für Autos – und dafür, zu entdecken, was hinter den Dingen steckt. Im September 2013 hat er den Ausbildungsvertrag unterschrieben. Die richtige Entscheidung, wie er heute sagt. „Es macht einfach Spaß.“

48 Lehrverträge zum Kraftfahrzeugmechatroniker sind laut der Handwerkskammer Dresden im Landkreis Meißen für das aktuelle Ausbildungsjahr abgeschlossen worden. Damit ist es der beliebteste Lehrberuf. Auf Platz zwei: die Friseurin mit 24 neuen Lehrverträgen. Danach kommen Elektroniker (24), Metallbauer (15), Tischler (11), Automobilkaufmann/-frau (11), Anlagenmechaniker Sanitär/Heizung/Klima (11), Maler und Lackierer (10) und Bäcker (10). Insgesamt wurden für das Ausbildungsjahr 2013/14 im Landkreis 282 neue Verträge abgeschlossen.

Im Autohaus Lassotta in Meißen lernen zurzeit sechs Lehrlinge zum Kraftfahrzeugmechatroniker. „Seit zwei Jahren ist es wieder einfacher, gute Lehrlinge zu finden“, sagt Geschäftsführer Michael Lassotta. Davor sah es fünf Jahre lang ganz anders aus. Ursprünglich konnte das Unternehmen aus rund 160 Bewerbern die Besten aussuchen. Diese Zahl sank auf 50. Im letzten Jahr hatten die Chefs dann wieder 80 Bewerbungsmappen auf dem Tisch. Die Qualität der Bewerber habe sich verbessert, findet Lassotta. „Sie haben bessere Noten.“

Wer mit Zeugnis und Anschreiben punktet, wird zum Probearbeiten eingeladen, eine Woche dauert das. „Spätestens da sieht man, ob ein echtes Interesse da ist“, so Lassotta. Bei Niklas Gall war es da. Und der 17-Jährige wusste auch, worauf es ankommt: Mathe, Physik, Chemie – auf diese Fächer achten die Ausbilder, und in diesen Fächern hatte er sich angestrengt. Seinen Abschluss hat er mit der Note 2,4 an der Mittelschule in Nossen gemacht.

Niklas Gall und seine Branche sind ein Musterbeispiel. In manchen anderen Berufen jedoch fehlen schon jetzt die Lehrlinge. Vor Kurzem hat die Bundesagentur für Arbeit deshalb eine „Woche der Ausbildung“ ausgerufen. Insgesamt nämlich sinkt die Zahl derer, die eine Ausbildung anfangen. Wurden in Sachsen 2007 noch insgesamt 31 000 Verträge abgeschlossen, waren es 2012 nur noch 18 500. Das führt zum vielbeschriebenen Fachkräftemangel.

27,5 Prozent aller Lehrlinge im Freistaat brechen außerdem ohne Abschluss ab. „Wir können es uns nicht leisten, Talente ziehen zu lassen“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich. Er plädiert deshalb für eine verbindliche Berufs- und Studienorientierung an den sächsischen Schulen. Auf Landkreisebene wird zu den Lehrabbrüchen keine Statistik geführt – wohl aber ist bekannt, welche Branchen regelrecht um Nachwuchs buhlen müssen. Im Kreis Meißen gab es im Lehrjahr 2013/14 beispielsweise keine neuen Lehrlinge als Stuckateur, Gerüstbauer, Schornsteinfeger, Uhrmacher, Orthopädieschuhmacher oder Silberschmied.

Klemens Deider, Pressesprecher der Handwerkskammer Dresden, warnt jedoch davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen: „Berufe mit wenig Auszubildenden bedeuten oft, dass auch nur noch wenige Firmen diese ausbilden.“

Edmund Gnautschun, Schornsteinfegermeister in Großenhain, kennt jedenfalls das Problem: „Wir würden gern Lehrlinge nehmen, finden aber keine.“ Am Handy hängen, wenig arbeiten, viel verdienen – so würden sich viele Jugendliche ihr Berufsleben vorstellen. Sich die Hände schmutzig machen wollten sie dagegen nicht. Die Ironie: Der Job als Schornsteinfeger ist heute kaum noch einer, bei dem man viel auf Dächern herumklettert und sich schmutzig macht. „Es ist ein moderner Beruf, der viel technisches Verständnis voraussetzt“, sagt Gnautschun.

So wie der des Kraftfahrzeugmechatronikers. Und wenn man bei Niklas Gall im Autohaus genauer hinsieht, dann entdeckt man, dass er sich an diesem Tag auch schon die Hände schmutzig gemacht hat.