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Der Traum vom Wappenfels

Der Zeitzer Raik Apelt und seine Mitstreiter arbeiten seit 1990 an der Renaissance des Wahrzeichens. Bald soll die Vision Wirklichkeit werden. Teil 4 unserer Serie.

Raik Apelt aus Zeitz engagiert sich als Präsident der Mittweidaer Burschenschaft Fidentia für die historische Wiederbelebung des im Hintergrund zu sehenden Wappenfelsens in Lauenhain.
Raik Apelt aus Zeitz engagiert sich als Präsident der Mittweidaer Burschenschaft Fidentia für die historische Wiederbelebung des im Hintergrund zu sehenden Wappenfelsens in Lauenhain. © Dietmar Thomas

Talsperre Kriebstein. Eigentlich hat er eher keinen Bezug zur Talsperre Kriebstein. Oder eher nur einen geringen. Dennoch ist der 51-jährige Raik Apelt aus Zeitz bei Leipzig oft in der Region – oder besser in Mittweida – unterwegs. 

In der Regel schaut er einmal im Monat in der Hochschulstadt vorbei, wie er sagt. Denn zu einem der bekanntesten Wahrzeichen des Kriebsteinsees, dem Wappenfelsen in Lauenhain, gibt es für den ehemaligen Studenten durchaus eine besondere Beziehung. 

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Und die wird sich in den kommenden Jahren wohl weiter vertiefen. Mit der Burschenschaft Fidentia Mittweida 1990, deren Alterspräsident der Diplomingenieur für Automatisierungstechnik ist, und dem 2015 gegründeten Mittweidaer Wappenfelsenverein soll die aus dem Wasser ragende Felswand wieder mit den historischen Emblemen der Studentenverbindungen versehen werden.

Erste Embleme mit Gründung des Technikums

Die Geschichte des Wappenfelsens ist eng mit den ersten Burschenschaften und Bünden der Studenten verknüpft. Kurz nach der Gründung des Technikums in Mittweida gab es die meisten. „Weil die Studenten damals nur einmal im Jahr nach Hause fuhren. Deshalb haben sich jene, die aus einer Region kamen, zu Landsmannschaften zusammengefunden“, erklärt Apelt. 

So hat es um 1912 in Mittweida über 100 verschiedene Studentenverbindungen gegeben. Die suchten sich dann Lokale, sogenannte Konstanten, wofür die Lauenhainer Mühle prädestiniert war. Die Gastwirtschaft lag außerhalb der Stadt Mittweida, sodass die Studenten die Anwohner, auch bei lautstarken Gelagen oder Gesängen, nicht störten.

Unterhalb des Wappenfelsens verlief ein Wanderweg von Mittweida zur Lauenhainer Mühle, der mit dem Anstau 1929 verschwand.
Unterhalb des Wappenfelsens verlief ein Wanderweg von Mittweida zur Lauenhainer Mühle, der mit dem Anstau 1929 verschwand. © Repro: Döbelner Anzeiger

 Der Weg aus der Stadt zur Mühle verlief am damaligen Zschopauufer unterhalb des Wappenfelsens. Wie sich die Tradition begründete, dass die Bünde ihre Wappen an den Felsen malten, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Wohl aber, wie es praktisch gelaufen sein kann. „Der neu in die Verbindung eintritt, wird erst einmal Fuchs. 

Als solcher muss ich gewisse Aufgaben erfüllen, bis ich Vollmitglied werde“, sagt Apelt und erklärt: „Eine der Aufgaben war, dass diese Jungspunde diese Wappen anbringen und in Ordnung halten mussten.“ Ob das offiziell geschehen sei, kann er nicht sagen. Wohl aber, dass die Aktionen geduldet wurden. „Es haben sicher nicht alle gut gefunden. Aber wenn die Wappen entfernt wurden, waren sie schnell wieder da.“

Studenten lassen Traditionen aufleben

Bereits 1990 hat Raik Apelt, der von 1989 bis 1994 in Mittweida studierte, mit weiteren Kommilitonen kurz nach der Wende die Tradition der Burschenschaft aufleben lassen. Die meisten Verbindungen hatten sich schon in der Zeit des Nationalsozialismus aufgelöst. In DDR-Zeiten hätte es Verbindungen unter dem Deckmantel der Kirche gegeben. 

Allerdings nicht in Mittweida. In Westdeutschland dagegen gab es verstreut die ehemaligen Mittweidaer Bünde, die sich 1960 zum Mittweidaer Senioren Cartell zu Bingen zusammengeschlossen hatten. „Wir hatten 1990 die Wahl, uns einem der ehemaligen Bünde anzuschließen, hätten uns aber dessen Regeln unterwerfen müssen. Das haben wir nicht getan“, sagt Apelt. 

Malerisch gestaltet sich der Blick von der Aussichtsplattform des Wappenfelsens,
Malerisch gestaltet sich der Blick von der Aussichtsplattform des Wappenfelsens, © Dietmar Thomas
Heute steht der Wappenfelsen eher unscheinbar in der angestauten Zschopau, ist aber immer noch eines der bekanntesten Wahrzeichen der Talsperre Kriebstein.
Heute steht der Wappenfelsen eher unscheinbar in der angestauten Zschopau, ist aber immer noch eines der bekanntesten Wahrzeichen der Talsperre Kriebstein. © Dietmar Thomas
Die Lauenhainer Mühle in der Nähe des Wappenfelsens war das einzige Objekt, welches im Zuge des Talsperrenbaus abgerissen wurde.
Die Lauenhainer Mühle in der Nähe des Wappenfelsens war das einzige Objekt, welches im Zuge des Talsperrenbaus abgerissen wurde. © Repro: Döbelner Anzeiger
Im Flussbett sind noch Fundamente der Mühle zu finden.
Im Flussbett sind noch Fundamente der Mühle zu finden. © Siegfried Scharf
Blick über das Zschopautal zum Wappenfelsen.
Blick über das Zschopautal zum Wappenfelsen. © Repro: Döbelner Anzeiger
Die Lauenhainer Mühler war 1293 erstmals urkundlich erwähnt worden.  
Die Lauenhainer Mühler war 1293 erstmals urkundlich erwähnt worden.   © Repro: Döbelner Anzeiger

„Wir wollten die Historie pflegen, aber ein paar Sachen auch anders machen.“ Etwa 50 bis 60 Leute sind derzeit bei Fidentia organisiert, davon etwa zehn aktiv. „Uns geht es dabei darum, das studentische Brauchtum zu pflegen. Dazu gehört das studentische Singen, aber auch Werte, wie sich gegenseitig zu helfen“, sagt Apelt.

„Bei uns hat man den Vorteil, dass alle Mitglieder beschäftigt sind. An den verschiedensten Orten und Branchen, wovon man profitieren kann. Den Jungs den Eintritt ins Berufsleben zu erleichtern, ist auch Sinn einer Verbindung.“

Mittweidaer Bund ist unpolitisch

Laut Satzung ist die Verbindung unpolitisch. Es würde sich keinesfalls nach außen geäußert, wobei es insgesamt ein breites politisches Spektrum gebe, aus dem, laut Apelt, immer wieder die negativen Beispiele herausgehoben würden. 

Deshalb stellt Raik Apelt unmissverständlich klar: „Eins sind wir bestimmt nicht: Wir sind nicht rechts. Es hat ein, zwei Fälle gegeben, die das missbraucht haben, diese Leute haben wir rauskomplimentiert. Denn das wollen wir nicht.“ Nachdem die Lauenhainer Mühle 1924 vom Land Sachsen gekauft und 1928 als einziges Objekt beim Bau der Talsperre abrissen wurde, verschwand mit dem Anstau der Wappenfelsen zum Teil in der Zschopau.

 Abgesehen von Schmierereien passierte in den kommenden Jahrzehnten nichts. Zwar gab es 1990 bereits, gerade bei älteren ehemaligen Studenten, den Traum, den Felsen wieder zu beleben, doch erst 2015 wurden diese Ideen mit der Gründung des Vereins wirklich real. 

„Wir haben angespart über die Jahre, denn es ist nicht mehr wie damals, dass du an den Berg gehst und etwas dran pinselst“, sagt Raik Apelt und ergänzt: „Wir wollen es ordentlich machen, damit es ein paar Jahre hält.“ Und das die Leute nicht mehr selbst in den Berg steigen, wäre auch klar. Dafür sind bereits Kontakte mit dem THW hergestellt worden.

Ingenieurbüro erstellt Gutachten

Ein Ingenieurbüro hat ein Gutachten erstellt, das beim Amt eingereicht wurde. Geplant ist, dass die Wappen in der Größe von zweieinhalb bis drei Metern aus Blech angefertigt und dann ordentlich befestigt werden. „Um das umzusetzen, haben wir den gemeinnützigen Verein gegründet, wo jeder Spenden kann, wenn er denn will.

Gerade der Tourismus wirbt auch mit dem Wappenfelsen“, sagt Apelt. Es wären noch ein paar Details zu klären und eigentlich wollte der Verein schon weiter sein, doch wurde er durch Corona ausgebremst. „Deshalb befürchte ich, dass es uns erst im nächsten Jahr gelingt, die Wappen anzubringen“, sagt der Zeitzer und ruft alle auf, die sich engagieren wollen, in den Verein einzutreten. 

„Damit der Wappenfelsen irgendwann wieder wie ein Wappenfelsen aussieht.“

Nächste Folge der Sommerserie erscheint am 13. August

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Die nächste Folge unserer Sommerserie lesen Sie ab 9. August bei Sächsische.de.

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