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Dippoldiswalde

Der Traum von der eigenen Praxis

Dr. Hassan Borghol geht in den Ruhestand. Den Beruf will der Hausarzt trotzdem nicht an den Nagel hängen.

Dr. Hassan Borghol (li.) geht in den Ruhestand. Seine Praxis in Rabenau übergibt er an Dr. Vinzenz Grahl.
Dr. Hassan Borghol (li.) geht in den Ruhestand. Seine Praxis in Rabenau übergibt er an Dr. Vinzenz Grahl. © Karl-Ludwig Oberthür

Nach 26 Jahren ist für Dr. Hassan Borghol Schluss. Am 17. September wird er zum letzten Mal seine Praxis in der Obergasse 1 in Rabenau öffnen. 

Der Hausarzt verabschiedet sich in den Ruhestand – schweren Herzens. „Der Abschied von Mitarbeitern und Patienten fällt mir nicht leicht“, sagt der 69-Jährige und atmet tief durch. Viele seiner Patienten kenne er schon ein Leben lang. „Jetzt kommen sie mit ihren eigenen Kindern aus Dresden, Höckendorf und dem ganzen Umkreis.“ Das zu sehen sei schön – und auch, dass einigen Patienten der Abschied ebenfalls schwerfalle.

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Etwas leichter sei es für ihn, weil er für seine Praxis mit Dr. Vinzenz Grahl einen passenden Nachfolger gefunden habe, und es für die Zeit ab 18. September schon halbwegs konkrete Pläne gibt. Erst mal will er für ein paar Wochen zu Hause in Seifersdorf ausspannen und sich dann neu bewerben: „Ich kann nicht daheim bleiben“, sagt der 69-Jährige und lacht. „Ich arbeite gerne.“ 

Deshalb hängt Hassan Borghol den Arztberuf auch nicht an den Nagel. „Ich will als Freiberufler weitermachen, überall werden Leute gesucht, oder als Vertretung.“ Auch als Schiffsarzt auf einem Ozeandampfer mitzufahren oder ein Auslandseinsatz mit „Ärzte ohne Grenzen“ kämen für ihn infrage. „Arzt zu sein, ist für mich eine Berufung. Es ist schön, zu sehen, wenn die Patienten zufrieden sind.“ 

Wie er zur Medizin kam? „Wenn ich ehrlich bin, wollte meine Mutter, dass ich Medizin studiere“, sagt Hassan Borghol und lacht wieder. Diesen Wunsch habe er ihr erfüllen wollen. So kam es schließlich, dass der gebürtige Syrer mit 18 Jahren sein Heimatland verließ und zum Studium nach Italien ging. An der Universität Mailand hat er sein Medizinstudium 1976 mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Anschließend verschlug es ihn nach Boppard bei Koblenz, um dort am Goethe-Institut die deutsche Sprache zu lernen. „Ich wollte meinen Facharzt in Chirurgie machen. In Italien gab es dafür eine lange Warteliste, deshalb bin ich nach Deutschland gegangen.“

Per Zufall sei er damals als junger Arzt samt Familie in die Weißeritzregion gekommen. Nach Stationen in Münster, Ibbenbüren und Erlangen begann Hassan Borghol als Chirurg im Dippser Krankenhaus. Und schon bald träumte er den Traum von der eigenen Praxis: „Ich wollte mich eigentlich in Dippoldiswalde als Chirurg selbstständig machen, aber das ging nicht, weil es schon einen selbstständigen Chirurgen gab und kein weiterer mehr zugelassen wurde.“ 

Nicht nur Hassan Borghol fällt der Abschied schwer, auch vielen Patienten, die ihn zum Dank beschenkten.
Nicht nur Hassan Borghol fällt der Abschied schwer, auch vielen Patienten, die ihn zum Dank beschenkten. © Karl-Ludwig Oberthür

Sein Ziel verfolgte er weiter und landete schließlich in der Stuhlbauerstadt. „Ich habe hier bei null angefangen“, erinnert sich der 69-Jährige. Mit der Unterstützung des damaligen Bürgermeisters, Frank Schönherr, fand er schließlich geeignete Räume, die er mieten konnte. „Ich musste anfangs viel investieren, in die ganzen medizinischen Geräte und Instrumente.“ Im September 1993 öffnete er seine Praxis als Hausarzt und Chirurg. Diesen Schritt habe er nie bereut. Es lief von Anfang an sehr gut, und das ist über die ganzen Jahre so geblieben.

Dass die Patienten auch seinem Nachfolger die Treue halten, davon ist Dr. Hassan Borghol überzeugt. Den jungen Arzt kennt er bereits seit drei Jahren. „Ich wollte vor drei Jahren schon einmal in Ruhestand gehen, aber habe dann einen Rückzieher gemacht.“

Schon damals hatte sich Dr. Grahl gemeldet. Und dieses Mal war der Fall klar. Zwar habe es fünf oder sechs Bewerber gegeben, die die Praxis auch alle gerne übernommen hätten, Dr. Grahl sei aber der einzige Bewerber hier aus der Gegend gewesen und habe auch deshalb überzeugt. Dr. Vinzenz Grahl führt die Praxis am bisherigen Standort weiter, am 7. Oktober hat er seine erste Sprechstunde. Bis dahin will er die Räume noch renovieren.

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