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Der Trickser aus Kreischa

Jörg Herrmann ist einer der letzten Meister einer alten Technik: Er beherrscht die Trickfilmkunst mit Scherenschnitten.

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Von Martin Machowecz

Jörg Herrmann ist sich auch im Alter für Tricks nicht zu schade. Im Gegenteil, er liebt sie ja: Als einer von wenigen arbeitet der Kreischaer noch mit der Scherenschnitt-Trickfilmtechnik.

Herrmann, 67 Jahre alt, verwandelt aus kleinen schwarzen Papp-Männchen in seinem Gombsener Studio mit Fingerfertigkeit Filmfiguren. Das Prinzip ist einfach: Von Hand ausgeschnittene Silhouetten werden auf eine beleuchtete Glasplatte gelegt und im Bild festgehalten. Schrittweise verschiebt der Animateur die Pappfiguren, macht von jeder Position eine Aufnahme. Am Ende werden die Einzelbilder automatisch zusammengefügt – wie im Daumenkino entstehen komplexe Bewegungsabläufe. Am Computer vertont man sie schließlich, bastelt Hintergründe und fügt 3D-Effekte ein. Der Altmeister und sein Partner Stefan Kutsche haben sich in ihrem gemeinsamen Gombsener „Media-Haus“ ganz und gar der altehrwürdigen Scherenschnitt-Animation verschrieben: „Die ist wieder groß im Kommen“, sagt er.

Herrmann ist Filmkünstler seit 50 Jahren, war lange bei der Defa, machte Animationsfilme für die Sandmann-Sendungen und arbeitete als Kameramann beim MDR. Während seines Studiums an der Babelsberger Filmhochschule lernte er alles von der Pieke auf. 1992 kauften Herrmann und Ehefrau Petra den 400 Quadratmeter großen Baracken-Rohbau in Gombsen – richteten dort über die Jahre ihre Trickfilm-Welt ein. Heute steht eine alte Defa-Kamera im Eingangsbereich, ganze 70 Kilo schwer. „Deretwegen gab es keine Kamerafrauen“, sagt Herrmann.

Das neueste Werk aus Herrmanns Trickfabrik ist seit Dezember fertig: „Der Lichterbogen“, ein 50-Minuten-Werk um die Geschichte des Schwibbogens, erschien in der Vorweihnachtszeit auf DVD. Die nächste Produktion ist in Arbeit. „Geld verdienen wir damit keins“, sagt der Chef. 50000 Euro kostet ein Film, die Produzenten mussten dafür an ihre Ersparnisse. Nebenprojekte des Media-Hauses sollen das finanzieren: Herrmann digitalisiert derzeit zum Beispiel Filmmaterial des Dresdner Hygienemuseums.

Sein Kulturgut will Jörg Herrmann schützen. „Der Silhouettentrick ist der einzige deutsche Beitrag zur internationalen Filmkunst“, sagt er. Die Berlinerin Lotte Reiniger fotografierte 1919 erstmals Scherenschnitte auf einem selbstgebauten Tisch. Herrmann will diese Tradition fortführen. „Und so lange ich wackeln kann, mache ich das auch“, sagt er.