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Der Trödelmeister kommt

Franz Neubauer ist für niveauvolle Märkte bekannt. Zu Ostern haucht er der Zittauer Robur-Brache Leben ein.

© André Schulze

Von Gesine Schröter

Ein Zaun, eine Fläche mit Gras und Gestrüpp, ein Metalltor mit vorgehängtem Schloss. Hier, an der Marschnerstraße 27 in Zittau, gegenüber der charakteristischen Robur-Immobilie, passiert nicht viel. Könnte man meinen. Plötzlich kommt ein kleiner, grauer Opel Corsa um die Ecke gebraust und fährt rasant in eine der freien Parklücken entlang der Straße. „Am Wochenende wird hier nicht mehr so viel Platz sein“, sagt Franz Neubauer beim Aussteigen. Und grinst.

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So sieht er also aus, der Trödelfranz, der in der Szene als Unikum und Meister seines Fachs gilt: Über das karierte Hemd hat er heute eine Arbeits-Latzhose gezogen, dazu eine dicke Jacke und ein schwarzes Mützchen wegen des verrückten Aprilwetters. Ein Muss: die Zigarette im Mund. Demonstrativ öffnet er seinen Kofferraum und zeigt auf die Reste seiner Poster. Die hat er zu Hause in Waldhufen eigenhändig mit Pappe verstärkt. In einem zur Werkstatt umfunktionierten Rinderstall. Wie die Poster am Gitter verkünden sie eine Premiere: Von übermorgen bis Ostermontag wird auf der Robur-Brachfläche erstmals ein Trödelmarkt stattfinden. „Und zwar nicht so ein Müllmarkt, von denen es in Zittau leider schon viele gab“, sagt der 67-Jährige in seiner direkten Art, „sondern so ein richtig guter.“ Er komme in die Stadt, um deren ramponierten Ruf wieder aufzumöbeln, was das Trödeln angeht, sagt Neubauer. Denn nichts verabscheue er mehr, als Märkte, auf denen nur Kisten zu sehen sind, deren Inhalt den Besucher anschließend zum Händewaschen zwängen.

Dann geht der Trödelfranz am Zaun auf und ab. „Hier dahinter kommt das Grünzeug weg und ein paar Parkplätze hin.“ Auf die Fläche sei er durch einen Tipp gekommen, die Verhandlungen mit dem französischen Besitzer und dessen Pächtern seien sehr gut verlaufen. In Richtung der alten Baracken werden übers Wochenende zwischen 40 und 60 Händler aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, darunter auch ein paar aus Zittau, ihre Ware feilbieten. Manche kommen nur einen oder zwei, andere bleiben alle drei Tage. Im Laufe des Karfreitags und am Sonnabend früh werden die meisten anreisen und in Ruhe aufbauen. Vom intakten Staubsauger oder der Bohrmaschine über gebrauchte Computerspiele und Konsolen bis hin zum Kaffeeservice, zu Gläsern, Spielzeug und alten Möbeln wird es sich dann erstrecken, das „Gemisch aus guten, sauberen, gebrauchten Dingen des täglichen Bedarfs“, wie das Trödel-Urgestein das Sortiment auf seinen Märkten definiert. Einer genaueren Beschreibung bedarf es nicht, schließlich sei ja gerade das der Reiz am Trödeln, dass der Besucher sich davon überraschen lässt, was er auf seinem Streifzug so alles entdecken wird. Bei zwei Händlern macht der dienstälteste Trödler und Trödelmarkt-Organisator Sachsens sogar eine Ausnahme: Denn die dürfen Neuware anbieten. Dabei handelt es sich zum einen um Kunsthandwerk aus Laubsägearbeiten und zum anderen um selbst gefertigte Blechschilder, auf Neu oder Alt gemacht. „Die richtigen Händler zu gewinnen, ist ordentlich Fußarbeit“, erklärt Neubauer. Die erledigt er zu einem sehr großen Teil selbst. Da werden längere Gespräche mit Kollegen auf anderen Märkten geführt, Plakate und Handzettel in Auftrag und Druck gegeben, verteilt und aufgehängt, Internetforen gefüttert. Dabei profitiere er ohne Zweifel von seinen umfangreichen Kontakten aus 50 Jahren Erfahrung im Trödelgeschäft, sagt Neubauer. Erst vor zwei Jahren hat sich der gebürtige Hannoveraner als aktiver Händler zurückgezogen und konzentriert sich seitdem auf die Organisation eigener Märkte. Die laufen hervorragend: In Rothenburg, Niesky, Görlitz hat er schon eine Menge davon organisiert. Jetzt nimmt er Zittau in Angriff.

Neben einem guten Angebot, einer unstressigen Anreise der Händler, die mit dem Auto bis an den Stand fahren können und genug Zeit zum Aufbauen haben, gibt es noch einen weiteren Punkt, der einen Trödelmarkt zu einem guten macht: „Richtige Erbsensuppe!, schwärmt der Trödelfranz von den Kochkünsten seiner Frau Sonja, die mit ihrem Imbisswagen kommt. „Und selbst gemachter Kartoffelsalat.“ Allein einen Punkt kann selbst der erfahrenste Trödler jedoch nicht beeinflussen: Das Wetter. „Die Prognosen sind ja gut“, sagt Trödelfranz. Wenn es gut läuft, rechnet er mit Besucherzahlen zwischen 3 000 und 3 500. „Wenn die wollen, dass es in Zittau weitergeht, können sie gern was in die Spendenbüchse geben“, sagt Trödelfranz. Denn trotz aller Ausgaben darf er hier keinen Eintritt nehmen. „Es kann auch gern rascheln“, sagt er augenzwinkernd.