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Der Unermüdliche mit dem Wurf-Arm

Zittaus Ex-Oberbürgermeister Jürgen Kloß hat es immer noch drauf. Und nicht nur beim Handball mischt er kräftig mit.

In der Handballhalle des OSV Zittau ist Jürgen Kloß in seinem Element. von 1990 bis 2001 war der heute 77-Jährige Oberbürgermeister von Zittau.
In der Handballhalle des OSV Zittau ist Jürgen Kloß in seinem Element. von 1990 bis 2001 war der heute 77-Jährige Oberbürgermeister von Zittau. © Foto: Rafael Sampedro

Jürgen Kloß hat das mit dem Wurf-Arm immer noch drauf. In der Handballhalle des OSV Zittau ist der 77-Jährige in seinem Element. Dreimal in der Woche ist er hier, bringt Kinder zum Training, hilft, assistiert, organisiert. Jürgen Kloß ist der Präsident des Sportvereins und hat jetzt als Rentner auch genügend Zeit dafür. An diesem Nachmittag trainieren die Mädchen der D-Jugend. Bis vor zwei Jahren hat Jürgen Kloß noch selber als Trainer gearbeitet. Jetzt sitzt er auf der Bank und beobachtet interessiert. "Das Mädel dort", zeigt er auf eine forsche junge Dame mit wippendem Zopf, "das wird mal eine ganz Große". Jürgen Kloß brennt für den Sportverein. Er ist sozusagen eine seiner neuen Lebensaufgaben geworden. 120 Kinder- und Jugendliche trainieren hier regelmäßig. Sein Enkel war mit 14 sogar Landeskader, erzählt der Opa stolz. Und die D-Jugend hat jetzt souverän den Sachsenpokal gewonnen. 

Elf Jahre hat Jürgen Kloß nach der Wende die Entwicklung der Stadt als Oberbürgermeister geprägt. Er hat viel erreicht. Um so überraschender kam für den überzeugten CDU-Politiker am Wahltag 2001 die Niederlage gegen den parteilosen Arndt Voigt von den Freien Wählern. "Damit hatte ich nicht gerechnet", sagt er. Und er gibt heute auch ganz unumwunden zu, wie ihn das damals geschmerzt hat. "Aber eine Wahl ist eine Wahl, das musste ich akzeptieren".

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Mit der CDU hat Kloß inzwischen gebrochen, jedenfalls mit der Zittauer. Er sei noch Mitglied und zahle noch Beitrag, sagt er, mehr nicht. Es gefalle ihm vieles nicht, was da läuft, sagt er und will nicht weiter darüber reden. Es gibt auch genug anders zu tun für einen, der sich auch im Ruhestand immer noch einmischt. Jürgen Kloß hat immer noch viel zu sagen. "Ich knöpfe mir da auch die Stadträte vor. Dazu sind sie ja da", sagt er in seiner pragmatisch-poltrigen Art, die ihm mancher zu Amtszeiten übel nahm. 

Im OSV ist Jürgen Kloß der Strippenzieher. Er organisiert die Fahrzeuge, die die Behindertensportler zu den Wettkämpfen bringen - immerhin in der Sachsenliga. Er fährt regelmäßig an die Lessing-Schule, um dort Kinder für den Sport zu begeistern. Er hält die Fäden zusammen und die Sponsoren bei Laune. 

Und dann ist da noch das Theater. Nach wie vor sind Kloß und seine Frau begeisterte Theaterfreunde. Nach wie vor ist er der Vorsitzende der Theaterstiftung, die zusätzliche Gelder für die Aufführungen beschafft. "Es sind nur kleine Summen, aber sie helfen, Lücken zu füllen", sagt er. So finanziert die Stiftung beispielsweise die Auftritte verschiedenster Tiere beim Sommertheater auf der Waldbühne. Um größere Summen geht es beim Lions-Club. Auch hier sitzt Jürgen Kloß im erweiterten Vorstand. Gerade geht es darum, einem kranken Kind eine Tier-Therapie zu finanzieren, für die die Krankenkasse nicht zahlt. 

Auf seine Amtszeit als Oberbürgermeister blickt Jürgen Kloß mit Zufriedenheit zurück. Er hat die Städtebauförderung in der Innenstadt angeschoben und ein großes Gewerbegebiet in der Weinau. Das hat gut funktioniert damals mit seinen beiden engsten Mitarbeitern, dem Wirtschaftsförderer Holger Knüpfer und dem zweiten Bürgermeister Michael Hiltscher. "Wir waren ein gutes Team", resümiert Kloß. "Die Wirtschaftsförderung war uns immer das Wichtigste", sagt er. Das vermisse er heute in der Zittauer Stadtpolitik. Und das sagt er auch ganz offen. Er hat ja mit seiner Meinung noch nie hinterm Berg gehalten.

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