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Der Urlauber, der zum Weltreisenden wurde

Fritz Walther hatte drei Wochen Ferien geplant, aber kehrte erst nach Jahren zurück. Sein Trip war einfach zu spannend.

Eigentlich wollte Fritz Walther nur mal kurz Luft schnappen, ein paar Wochen raus aus Dresden. Zweieinhalb Jahre später hat er ein ziemlich großes Stück der Welt gesehen: 77 Länder, in denen er täglich ein anderes Abenteuer erlebte. Gestern kam der 26-Jährige zurück nach Dresden, erschöpft von der letzten Etappe, auf der ihn Sturmböen begleitet haben. Auf dem Schloßplatz beendete er seine Weltreise, die eigentlich überhaupt nicht geplant war.

Für diese Kinder in einem kleinen Dorf im Kongo war Fritz Walther der erste Weiße, den sie je gesehen haben.
Für diese Kinder in einem kleinen Dorf im Kongo war Fritz Walther der erste Weiße, den sie je gesehen haben.
Er hat auf seiner Reise viele großzügige Gastgeber getroffen: „Mit Menschen habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.“
Er hat auf seiner Reise viele großzügige Gastgeber getroffen: „Mit Menschen habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.“
Spektakuläre Aussichten hatte der Dresdner oft – hier auf einem kilometerweiten Salzsee in Bolivien. Fotos: privat (3)
Spektakuläre Aussichten hatte der Dresdner oft – hier auf einem kilometerweiten Salzsee in Bolivien. Fotos: privat (3)

Sie reisen seit zweieinhalb Jahren quer durch die Welt. Was hat Sie aus Dresden fortgetrieben?

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Kleines Glück zum Kuscheln
Kleines Glück zum Kuscheln

Der Name eines Kindes soll etwas ganz Besonderes sein, seine Persönlichkeit und Individualität ausdrücken. Aber ist er auch kuschelig? Natürlich!

Ich hatte nach fünf Jahren mein Mechatronik-Studium an der TU Dresden beendet. Das war zwar das, was ich eigentlich machen wollte, aber auch ziemlich trocken. Danach wollte ich raus in die Natur, etwas erleben. Die Diplomarbeit habe ich nur pünktlich fertig gemacht, damit ich meinen Flug nach Tadschikistan bekomme, dahin wollte ich mit drei Freunden reisen. Eigentlich nur für drei Wochen.

Wieso sind dann zweieinhalb Jahre daraus geworden?

Weil es das beste Leben ist, das es gibt – unterwegs zu sein. Man ist frei, nah dran an den Menschen, sieht verschiedenen Kulturen. Jeder Tag ist anderes, jeden Tag kostet man Dinge, die man noch nie gegessen hat. Das ist genau das, was ich brauche.

Hatten Sie einen Plan, wohin die Reise geht, oder haben Sie sich einfach treiben lassen?

Ich hatte nie einen Plan. Ich bin mit meinen Freunden erst mal durch Asien gereist, dann haben wir überlegt, weil in China zu dieser Zeit nur minus fünf Grad waren, was wir zu Weihnachten machen könnten. So kamen wir auf die Idee: Warum fahren wir nicht durch Sibirien, so als Weihnachtsgeschenk, weil das ein bisschen härter ist? Also sind wir dann zu dritt bei minus 40 Grad einen Monat lang durch Sibirien gefahren.

Und wie verschlägt es einen von dort nach Afrika?

Irgendwann sind wir in Südostasien herausgekommen und dachten: Wie kommt man jetzt nach Südamerika? Als ich die Flüge gecheckt habe, habe ich gesehen, dass es über Afrika geht, und dachte, wenn ich schon mal da bin, kann ich auch aussteigen. Ich bin dann von Kapstadt in den Kongo geradelt, allein, weil meine Freunde nach Hause wollten. Und so ging es immer weiter. Von dort aus nach Südamerika, dann wollte ich zurück nach Europa und bin einen Monat lang mit einer Familie in einem kleinen Boot über den Atlantik gesegelt. Als ich wieder in Europa war, wollte ich direkt nach Dresden, aber es kamen noch ein paar Schlenker dazwischen.

Gab es auch Länder, die Sie enttäuscht haben?

Das passiert in allen Ländern, an die man mit Erwartungen herangeht. Wo man sich vorher Bilder anschaut, den „Lonely Planet“ oder irgendwelche anderen Reiseberichte liest. Ich bin einfach von Land zu Land getourt, ohne zu wissen, was passiert. So kann man nicht enttäuscht werden.

Wie hat die Verständigung geklappt?

Vor allem mit Händen und Füßen. Ich spreche Englisch und habe in Südamerika auch Spanisch gelernt, aber ich mag am liebsten die Länder, in denen ich die Sprache gar nicht beherrsche, sondern wo man mit einem Lächeln kommunizieren muss.

Mit wie viel Geld sind Sie gestartet?

Keine Ahnung. Ich habe zwischendurch immer wieder meine Eltern angerufen und gesagt: Ich muss jetzt das Konto auflösen und dann das. Ich will meinen Bausparvertrag aufheben, weil ich kein Haus bauen will, sondern nur reisen. Das war all das Geld, das ich vor der Reise selbst verdient habe. Meine Eltern haben die Geschäfte nur gemanagt. Jetzt ist aber Schluss. Ich bin nach Dresden zurückgekehrt, weil das Geld alle ist und ich neues verdienen muss.

Woraus bestand Ihr Reise-Besitz?

Ich hatte ein paar warme Sachen mit, Werkzeug, um mein Fahrrad zu reparieren, zwei T-Shirts, drei Socken, zwei Mal Unterwäsche. Und eine Regenhose, aber die habe ich nach zweieinhalb Jahren zum ersten Mal in Deutschland gebraucht.

Sie sind ja in Dresden von heftigem Wind empfangen worden, aber ganz andere Wetter-Extreme gewöhnt.

Ich habe ziemlich dünne Luft auf einem 7000er-Gipfel erlebt, da läuft man schon ein bisschen benebelt durch die Gegend. In Sibirien habe ich mit meinen Freunden immer im Zelt geschlafen, aber einmal wollte ich es wissen und habe draußen übernachtet. Da wacht man morgens auf und kann die Augen nicht mehr öffnen, weil die zugefroren sind. Es dauert erst mal, die Augen mit den Händen zu wärmen, damit man wieder einen Durchblick bekommt. Extreme Hitze stört mich nicht weiter. Bei 50 Grad kann man zwar nicht mehr besonders gut schlafen, aber Kälte ist schlimmer.

Sind Sie oft in Gefahr gewesen?

Immer irgendwie. Von den extremen Dingen, die ich mache, erzähle ich meinen Eltern erst hinterher. Durch das sibirische Niemandsland zu fahren, war heftig. Man sieht täglich Spuren von Wölfen und Bären und hofft, dass die einen nicht fressen. In Afrika fährt man an Löwen vorbei, im Amazonas gibt es überall Pumas und Jaguare.

Aber das ist ja auch der Kick als Abenteuer. Haben Sie davon früher schon in Büchern gelesen?

Nein, Bücher haben mich nie interessiert. Ich mache das alles lieber selbst und gucke, wie weit ich komme. Wenn ich vorher von einer Atlantik-Überquerung lesen würde, dann würde ich vielleicht denken: Ups, was da schiefgehen kann, das traue ich mich nicht. Ich war auf dem Boot jeden Tag seekrank, aber das ist nicht schlimm, weil ich diesen Trip ja wollte. Und wenn man etwas will, dann spielen die äußeren Umstände, Kälte, Wind und so was, keine Rolle. Außerdem kann der Körper mehr als man denkt.

Ist das eine Lehre der Reise?

Schon, ich habe mit der Zeit immer weniger Angst gehabt, etwas zu machen. Ich habe auch überhaupt keine Angst mehr vor Menschen. Mit Menschen habe ich durchweg gute Erfahrungen gemacht. Vor Tieren dagegen habe ich großen Respekt. Wenn so ein Löwe vor einem steht, denkt man schon: Hm, der ist ja ganz schön groß.

Und was kommt jetzt in Dresden?

Keine Ahnung, wirklich nicht.

Gespräch: Doreen Reinhard

Alles über die abenteuerliche Tour von Fritz Walther erfahren Sie unter www.fb.com/Fritz.Wa