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Der Vater im Schützengraben

Über ein Otto-Dix-Triptychon und Familienfotos wurde Karl Messerschmidt aus Gottschdorf jetzt an den Krieg erinnert.

Von Frank Oehl

Karl Messerschmidt ist 83 Jahre alt. Trotzdem oder gerade deshalb nimmt der Gottschdorfer noch Anteil am Leben um ihn herum. Auch Dank der Sächsischen Zeitung, versteht sich. Vor reichlich einer Woche war ihm zum Beispiel im Kulturteil die Bildbetrachtung des berühmten Triptychons „Der Krieg“ von Otto Dix aufgefallen. Die erschreckenden Metaphern haben Karl Messerschmidt beeindruckt. Und er erinnerte sich sofort an seinen Vater, der von 1914 bis 1918 selbst im Schützengraben gestanden hatte. „Der Krieg ist jetzt 100 Jahre her, aber auch auf den Fotos im Familienalbum ist er immer noch aktuell.“

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Max Messerschmidt in einem Schützengraben 1915 auf dem Balkan. Der gelernte Maurer hat den Ersten Weltkrieg unverletzt überlebt. Später hat er neben seinem Bauarbeiter-Job in Zeißholz auch als Nachtwächter in seinem Heimatort Gottschdorf ge- wirkt.Foto. p
Max Messerschmidt in einem Schützengraben 1915 auf dem Balkan. Der gelernte Maurer hat den Ersten Weltkrieg unverletzt überlebt. Später hat er neben seinem Bauarbeiter-Job in Zeißholz auch als Nachtwächter in seinem Heimatort Gottschdorf ge- wirkt.Foto. p

„Er war kein Hurra-Patriot“

Karl Messerschmidt wühlt gern in den Alben. Angeregt von der Dix-Rezeption hatte er sich die Zeit wieder mal vorgenommen. Tatsächlich entdeckte er jetzt teilweise sehr gut erhaltene Aufnahmen des Vaters wieder. Max Messerschmidt war Jahrgang 1882 und bei Kriegseintritt also kein ganz junger Rekrut mehr gewesen. Als junger Mann hatte er an der berühmt-berüchtigten Schlacht am Waterberg am 11. August 1904 in Namibia teilgenommen, wo er bei der Auslöschung des Volkes der Hereros leicht verwundet wurde. Über das Wüten der Trotha-Truppen in der deutschen Kolonie hatte der Vater später ebenso wenige Worte verloren, wie über die Eroberungen, Stellungskriege und Rückzugsgefechte zehn Jahre später. „Vater hatte mit dem Militär nicht viel am Hut gehabt. Er war kein Hurra-Patriot. Er war vielmehr ein guter Maurer gewesen.“

Die Fotos zeigen Max Messerschmidt zumeist im Kreise der Kameraden – in Kasernen in Mazedonien. Als einfacher Soldat gehörte er einem Jägerbataillon an, das auf dem Balkan eingesetzt war. „Schwer verwundet wurde er in den vier Kriegsjahren nicht, was schon ein Glücksumstand war.“ Einmal sei er verschüttet worden, seitdem habe er nicht mehr so gut gehört. „Und beinahe hätte ihn im Krieg die Ruhr dahingerafft, wie er uns später berichtete“, sagt der Sohn. Nur die gute Butter, welche die Schwester an die Front geschickt hatte, habe ihn wieder aufgepäppelt. Das ist auch ein Verweis auf die engen Gottschdorfer Familienbande, die nicht nur diesen Ersten Weltkrieg, sondern auch die folgenden, noch viel dramatischeren Verwerfungen des vergangenen Jahrhunderts überlebt haben und bis heute wirken. „Ein bisschen schade ist, dass sich kein Kind und kein Enkel so richtig für Großvaters Fotos interessieren. Aber, das wird vielleicht noch.“ Karl, das jüngste Kind von Max und Martha Messerschmidt war am 24. Dezember 1930 geborgen worden. Als Christkind gewissermaßen („Früh gab’s viel und abends nix.“). Die Mutter starb 1934, zwei Jahre später heiratete der Vater noch mal und brachte fünf Kinder aus erster Ehe mit ein. Der Vater, der 1962 verstarb, hat die alte Schule von Gottschdorf als Wohnhaus ausgebaut. Hier trifft sich die Familie noch heute regelmäßig, und mittlerweile erzählt halt Opa Karl von früher. Aus seiner Ehe mit Käthe, die 2012 verstarb, sind zwei Jungs und ein Mädchen hervorgegangen – und sechs Enkel. Exakt aufgeteilt auf alle Kinder.

„Es ist einfach schön im Wald“

Karl Messerschmidt hat in Schwepnitz Maschinenschlosser gelernt und vierzig Jahre lang im Wärmegerätewerk in Königsbrück gearbeitet. Kurz nach der Wende ging er in den Vorruhestand und dann in die Rente. Seitdem hat er viel Zeit für sich, die er gern mit Erinnerungen verbringt. Aber nicht nur. Er geht oft zur Jagd. „Es ist doch schön im Walde“, sagt er. Erst kürzlich musste er den Jagdschein verlängern lassen. Nun sogar für drei weitere Jahre. „Bis 86 ist nun Pflichtdurchhalten angesagt“, schmunzelt der rüstige Senior. Der auch sonst noch absolut fit ist. Zum Beispiel, wenn er mit seinem Ford Fiesta auf Touren geht. Den Führerschein hatte er am 7. Dezember 1951 gemacht. Das sind schon mehr als 60 Jahre unfallfreies Fahren. Irgendwie unglaublich.