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Meißen

Der verhinderte Kettenschläger

Ein Lommatzscher will seine Ex mit einer Eisenkette attackieren. Seine Kumpels halten ihn zurück. Er leugnet zunächst.

Mit dieser Kette, die hier zum Größenvergleich auf einem A 5-Umschlag liegt, wollte der Angeklagte seine schwangere Ex-Freundin schlagen. Schon mehrfach hatte er sie und eine andere Frau verprügelt.
Mit dieser Kette, die hier zum Größenvergleich auf einem A 5-Umschlag liegt, wollte der Angeklagte seine schwangere Ex-Freundin schlagen. Schon mehrfach hatte er sie und eine andere Frau verprügelt. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Es ist Ostersonntag, eine Frau geht mit ihrem Kind und ihrem Freund in Lommatzsch spazieren. An einer Tankstelle wollen sie sich etwas zu trinken holen, als plötzlich der Ex-Freund der Frau mit dessen Kumpel wie aus dem Nichts auftaucht. 

Er beleidigt die Frau als „Schlampe“, zieht dann aus der Hosentasche eine Eisenkette heraus, bindet sie sich um die Hand und will auf die Frau damit einschlagen. Er trifft sie nicht, weil deren Freund sie wegzieht. Die beiden Männer gehen dazwischen, halten ihn von weiteren Versuchen ab. So schnell, wie er gekommen ist, verschwindet der 31-Jährige wieder.

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Ach vor Gericht bleibt der Angeklagte verschwunden. Zu seiner Verhandlung im August ist er jedenfalls nicht da, so wie auch alle Zeugen. Der Richter ordnet für die neue Verhandlung an, dass alle Beteiligten vorgeführt werden. Doch niemand wird zu Hause angetroffen. Die Wohnung des Angeklagten ist total vermüllt, die eines Zeugen sogar komplett ausgeräumt. Die Frau, so stellt sich heraus, hat an jenem Tag einen Termin im Krankenhaus. Sie steht kurz vor einer Entbindung. Wo sich ihr Freund aufhält, weiß sie nicht. Die beiden sind inzwischen wieder getrennt.

Er habe die Post nicht erhalten, lügt der Angeklagte. Die werde des Öfteren aus seinem Briefkasten gestohlen, sagt er. Deshalb habe er jetzt ein Postfach. Doch er kennt weder die Nummer, noch hat er einen Schlüssel dafür. Dass er zur Verhandlung da ist, liegt an seiner Anwältin. Die hat ihn über den Termin informiert. Und er seine Kumpels. Die haben sich aus dem Staub gemacht. „Dabei habe ich sie genervt, dass sie heute kommen. Sie sollten mir doch helfen“, plaudert der Lommatzscher aus. Wollte er sie zu einer Falschaussage überreden? Bei der Polizei haben ihn beide jedenfalls schwer belastet.

Nein, so wie in der Anklage sei es nicht gewesen, behauptet der Mann. Er habe die Frau beleidigt, doch die Kette habe dem neuen Freund seiner Ex gehört. Der habe sie an der Tankstelle auf ein Fensterbrett gelegt. „Ich habe sie weggenommen, weil ich Angst hatte, dass er mich damit schlägt“, sagt er. Der Frau habe er gar nichts getan. 

Doch er hat sie schon zweimal geschlagen. Im November vorigen Jahres schlug er sie mehrfach mit den Fäusten und trat mit den Füßen auf die am Boden Liegende. Im Januar zog er sie gewaltsam vom Bett, schlug mit den Fäusten auf den ganzen Körper ein. Damals war sie schon schwanger. Das habe er nicht gewusst, sagt er. 

Auch damals war er nicht zur Gerichtsverhandlung erschienen. Das Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit per Strafbefehl zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Er hat nun große Angst, dass er ins Gefängnis muss. Nachdem ihm der Richter anbot, bei einem Geständnis unter Einbeziehen des Strafbefehls eine Strafe von nicht mehr als einem Jahr und sechs Monaten zu verhängen, die zur Bewährung ausgesetzt werde, und nach einem Gespräch mit seiner Verteidigerin, gesteht er nun alles. 

„Es war genau so, wie es in der Anklage steht“, sagt der Mann, der auch eine andere Frau schon mal verprügelt hat. Damals bekam er eine hohe Geldstrafe. „Die hatte mich auch betrogen“, rechtfertigt er sich.

Das Gericht verurteilt den Lommatzscher wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu der vereinbarten Strafe. Als Bewährungsauflage muss er 1.000 Euro an das Frauenhaus Radebeul zahlen.

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