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Der Vision vom Krankenhaus ein Stück näher

In Nicaragua soll ein modernes Klinikum entstehen – mit Hilfe aus Bautzen. Zuerst gehen aber Studenten auf Reisen.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Dieser Abstecher nach Bautzen hat sich gelohnt. Mit einem neuen Kooperationsvertrag zwischen der Universität in León und dem Landkreis kehrt Octavio Guevara Villavicentio in seine Heimat zurück. Der Rektor der ältesten Hochschule Lateinamerikas kam auf Einladung des Bautzener Arztes José María Zamora Gonzáles nach Deutschland. Künftig sollen nun Studenten aus Nicaragua Praktika in Bautzen absolvieren. Genauso können aber auch Absolventen der Medizinischen Fakultät in Dresden Teile ihrer Ausbildung in der Stadt am Pazifischen Ozean durchführen.

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José María Zamora Gonzáles freut sich über diesen neuen Schritt der Zusammenarbeit. Der Hals-Nasen-Ohren-Spezialist gründete mit Freunden vor vier Jahren den Verein „Vision 2017“. Bereits seit dem Jahr 2006 kooperieren die Oberlausitz-Kliniken und die Universität León. Die dortige Medizinische Fakultät erhielt schon ein Jahr später medizinische Geräte, wie ein Ultraschallgerät und ein Ergometer. In diesem Hilfstransport befanden sich außerdem Medikamente, Betten und sogar ein Krankenwagen. „Langfristig geht es darum, ein neues Krankenhaus aufzubauen“, sagt der Mediziner. Bis 2017 soll diese Vision Wirklichkeit werden. Ein Baugrundstück gibt es bereits. Nicaragua ist nach Haiti das zweitärmste Land Lateinamerikas. León ist mit 450 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt.

Mit dieser Initiative möchte der Wahl-Bautzener seiner Heimat ein Stück Bildung zurückgeben. Der Nicaraguaner mit indianischen Wurzeln wird in Manao mitten in einem Land des Kriegs und der Somoza-Diktatur, geboren. Der Vater ist Ingenieur und repariert Traktoren. So finanziert er seinen fünf Kindern die Schulausbildung. Den Sohn lässt er auf eine Katholische Privatuniversität ins mexikanische Pueblo ziehen. Dort beginnt er sein Medizinstudium. Unter der neuen sandinistischen Regierung – die linke Befreiungsbewegung stürzt 1979 den Diktator Anastasio Somoza Debayle – hilft er anschließend das neue Gesundheitswesen aufzubauen.

Doch José María Zamora Gonzáles kehrt seiner Heimat den Rücken. Zuerst belegt er einen Deutschkurs, dann reist er 1984 zum Medizinstudium mit der Spezialisierung auf Hals-Nasen-Ohren nach Jena und Gera. Danach folgt er zuerst dem Ruf des Bautzener Krankenhauses. Seit knapp fünf Jahren betreut er darüber hinaus Patienten in der Praxis des Medizinischen Versorgungszentrums der Oberlausitz-Kliniken in Bautzen. Längst ist die Oberlausitz seine zweite Heimat geworden.

Von hier aus beginnt er gemeinsam mit dem Verein, das medizinische Hilfsprojekt in Nicaragua zu initiieren. Denn dort fehlen immer noch qualifizierte Ärzte, gut ausgebildete Medizintechniker und oft auch die medizinische Ausstattung. Geprägt ist die Region im Westen des Landes von Nuss- und Zuckerrohrplantagen. Bekannt ist auch der Rum. Fast 80 Prozent der Bevölkerung leben gerade einmal von zwei US-Dollar pro Tag. Ärztliche Betreuung genauso wie ein Studium können sich so deshalb viele nicht leisten.

Umso wichtiger ist es Octavio Guevara Villavicentio hervorzuheben, dass seine Universität anders als die Privathochschulen des Landes vom Staat unterstützt wird und somit allen Bildungsschichten offen steht. 19 000 Studenten werden dort von 1 050 Dozenten auf ihren weiteren Lebensweg vorbereitet. An der TU Dresden studieren mit über 45 000 Studenten mehr als doppelt so viele. Von der dortigen Medizinischen Fakultät werden sich nun die ersten Absolventen auf den Weg machen. „Nach unseren Gesprächen besteht großes Interesse, Praktika zwischen drei Monaten bis zu einem Jahr in Léon zu absolvieren“, sagt José María Zamora Gonzáles.

Dieser Austausch soll das Miteinander fördern. Die Mediziner in Nicaragua erhalten durch die jungen Kollegen einen Eindruck von neuen Heilungsmethoden und Technologien. Gleichzeitig lernen die zukünftigen Ärzte aus Deutschland ein ganz anderes Gesundheitssystem kennen. Darüber hinaus werden sich Studenten aus Léon auf den Weg machen. „Geplant ist, dass die Nicaraguaner nach einem Sprachkurs am Goethe-Institut in die Oberlausitz kommen“, sagt der HNO-Arzt.

Dieses Angebot richtet sich zuerst an künftige Medizintechniker. Denn die Geräte aus Deutschland müssen auch gewartet werden. Neben den Oberlausitz Kliniken unterstützt die Staatliche Studienakademie Bautzen das Projekt. In Nicaragua liegt das Projekt auf dem Tisch des Universitätschefs Octavio Guevara Villavicentio. Der Biologe sprach Vertretern des Landkreises und der Oberlausitz-Kliniken nun eine Gegeneinladung im Jahr 2015 aus. Dann sind es vielleicht nur zwei Jahre, bis sich Léon von seinem alten Krankenhaus mit Bautzener Hilfe verabschieden kann.

Weitere Infos unter www.vision2017.de