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Der Wassermann

Zweimal baute Uwe Brosselt das Stauseebad Cossebaude nach dem Hochwasser wieder auf. Nun packt er in Prohlis an.

© Norbert Millauer

Von Nora Domschke

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Prohlis hat einen neuen Badleiter – und der ist in Dresdens Wasserwelt keineswegs unbekannt. Mehr als 25 Jahre arbeitete Uwe Brosselt im Stauseebad Cossebaude. Nun bringt er seine Berufserfahrung in die Schwimmhalle in der Senftenberger Straße mit. Und sein handwerkliches Geschick. Ein Talent, das rund um die Prohliser Becken derzeit mehr als gefragt ist, denn das beliebte Hallenbad ist nach vielen Jahren im Einsatz extrem baufällig. Doch es gibt Hoffnung – der Komplex von Halle und Freibad soll in den kommenden Jahren saniert und ausgebaut werden. Dafür ist Uwe Brosselt genau der richtige Mann.

Das weiß auch Dresdens Bäderchef Matthias Waurick, der Brosselt Anfang Januar nach Prohlis geholt hat. Obwohl das Herz des Badleiters eigentlich am Cossebauder Stauseebad hängt, folgte er dem Ruf in den Dresdner Süden. Seit 1990 engagierte sich der gebürtige Dresdner für das Cossebauder Freibad, übernahm 2001 sogar dessen Leitung. Es waren schöne Zeiten, sagt Brosselt heute. Und kraftraubende, denn das Bad versank gleich zweimal in den Elbefluten. „Danach war die Luft irgendwie raus“, sagt der 50-Jährige. Dass ihm der Abschied Ende letzten Jahres nicht leicht fiel, kann er nur schlecht verbergen. Viel Energie, Zeit und Körpereinsatz hat er in Cossebaude investiert. Vielleicht zu viel. Nun sei es Zeit für eine Veränderung gewesen.

Nach der Sanierung kam die Flut

Dass es wieder eine Arbeit direkt am Wasserbecken ist, stand für den leidenschaftlichen Schwimmer nicht infrage. Schon als kleinen Jungen zog es ihn regelmäßig ins kühle Nass. In der Dresdner Neustadt aufgewachsen, machte er seine ersten Schwimmversuche im Nordbad. „In der zweiten Klasse habe ich die Schwimmstufe drei gemacht“, sagt Brosselt. Das war zu DDR-Zeiten das schwerste Abzeichen. Als in der vierten Klasse Schulschwimmen auf dem Stundenplan stand, machte dem Zehnjährigen im Becken niemand mehr etwas vor. „Schon damals habe ich die Bademeister bewundert“, sagt er heute.

Doch aus dem Traum vom Rettungsschwimmer wurde vorerst nichts. Dafür wartete die klassische DDR-Karriere: Lehre als Instandhaltungsmechaniker, anschließend zehn Jahre Arbeit als Reparaturschlosser im Dresdner Reifenwerk. Dann kam die Wende – und Brosselts große Chance: Er wollte sein Hobby zum Beruf machen. Das Glück kam ihm zu Hilfe, denn im März 1990 wurde die Stelle als Platzwart im Freibad Cossebaude frei. „Das hatte allerdings überhaupt nichts mit der Schwimmerei zu tun.“ Vielmehr nutzte Brosselt seine handwerklichen Fähigkeiten im Freibad. „Ich bin ein typischer Ossi“, sagt er über sich selbst und lacht. „Ich versuche erst einmal, alles selbst zu reparieren.“

Doch dem damals Mittzwanziger fehlte das Wasser. Also begann er eine Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen. „Heute nennt sich das Fachangestellter für Bäderbetriebe.“ In drei Jahren Lehre absolvierte Brosselt nicht nur Schwimmkurse, sondern wurde intensiv als Rettungsschwimmer ausgebildet. Außerdem standen Wirtschaft und Recht, Chemie und Technik auf dem Lehrplan. „Wir lernten alles, was zu einem Badbetrieb dazugehört: wie die technischen Anlagen funktionieren, welche Hygiene- und Reinigungsvorschriften zu beachten sind, wie ein Bad wirtschaftlich erfolgreich läuft.“ Ausgestattet mit diesem Wissen übernahm Uwe Brosselt 2001 den Chefposten am Cossebauder Stauseeufer – und machte das Bad in den vergangenen Jahren zum beliebtesten Freibad der Stadt. Zuletzt kamen etwa 60 000 Badegäste, in Spitzenzeiten waren es sogar 130 000 in der Saison.

Gleich nach seinem Amtsantritt kümmerte er sich um die Sanierung der Anlage. Die Wasseraufbereitung wurde erneuert und ein Edelstahlbecken eingebaut. Im Mai 2002 konnte er sein Bad pünktlich zum Saisonstart öffnen – doch dann kam im August die Flut. Es sollte nicht die letzte für Brosselt und sein Team sein. Kaum waren die letzten Arbeiten fertig, kam das Wasser 2013 erneut von der Elbe. „Ich habe das Bad mehrmals wiederaufgebaut – ich will es nicht noch einmal untergehen sehen.“

Nun wartet in Prohlis schon das nächste Großprojekt auf den Bäderfachmann, der in seiner Freizeit am liebsten auf seine MV Agusta steigt. Mit seinem Motorrad ist der Kaditzer im Sommer vor allem in den Alpen unterwegs. Dort sammelt er Kraft für seinen Job. „Wenn ich etwas anpacke, tue ich es mit 100 Prozent“, sagt Brosselt. Das verlange ihm viel ab. Auch in der Prohliser Schwimmhalle gibt es jetzt einiges für ihn zu tun. Seit ihrem Bau 1988 wurde kaum investiert – nun muss ständig irgendwo geschraubt werden. Da ist Brosselts Einsatz gefragt: „Wo es geht, mache ich die Reparaturen selbst.“

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