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Der Weg aus dem rechten Sumpf

Christoph verließ nach 16 Jahren die Nazi-Szene. In der Freien Schule erzählte er davon.

Wie kommt man los von Fremdenhass und Intoleranz, von Gewaltverherrlichung und Gruppenzwang? Das Programm „Vielfalt lieben – Toleranz leben“ will Antwort geben. Es richtet sich an Schulen in Sachsen. In der Freien Schule Schwepnitz fand dazu jetzt eine besondere Veranstaltung statt: Beim Workshop „Aussteiger aus der rechten Szene berichten“ erzählte ein junger Mann, wie er den Absprung aus dem rechtsradikalen Milieu geschafft hat. Aussteiger Christoph erzählte den Schwepnitzer Zehntklässlern, wie er mit gerade mal zehn Jahren in die rechte Szene hineingerutscht war und wie er schließlich 16 Jahre später den Weg zurück fand. Er gewährte den Schülern Einblicke in die rechte Szene. Die Rekrutierung beginne vorwiegend bei neun- bis zehnjährigen Kindern, erzählte Christoph.

Bevorzugt werden dabei gute Schüler, die einen Notendurchschnitt haben. Geködert werden sie mit Gemeinschaftsgedanken. Tatsächlich erleben sie eine Gehirnwäsche. Christoph wurde als Zehnjähriger auf einem ehemaligen Militärfriedhof „vereidigt“. Ab diesem Zeitpunkt identifizierte er sich mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus. Später reiste er quer durch Europa, um mit Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen. Er organisierte rechte Demonstrationen und war in zahlreiche gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt, an die Narben erinnern. Christoph wies immer wieder daraufhin, wie gewaltbereit und brutal die rechte Szene agiert, auch untereinander. Disziplinverstöße werden sofort geahndet. Nach 16 Jahren fing bei ihm ein Umdenkprozess an. Auf Nachfrage eines Schülers, was denn der Grund dieses Prozesses war, führte Christoph an, dass das Weltbild der Nazis im Falle einer Revolution die Tötung eines jeden verlangt, der gegen das NS Weltbild ist, egal ob Mutter, Vater oder andere Verwandte. Die Idee steht über allem – ein Schock für die Schwepnitzer Schüler.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Doch wie steigt man nach 16 Jahren aus? Leicht war es für Christoph nicht, die alten „Kameraden“ versuchen Aussteiger mundtot zu machen. Helfen kann das sächsische Projekt „21ii“, das auch Christoph genutzt hat und das im Rahmen des Projektes vorgestellt wurde. (sl)

www.projekt21ii.de