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Der Wetterpilz vom Hartenberg

Ein Kölner ist auf ein Foto des Schutzpilzes aus Roßwein gestoßen. Jetzt ist der Rastplatz Teil einer weltweiten Sammlung.

Von Heike Stumpf

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Der eine sammelt Zollstöcke oder Kugelschreiber, der andere Wetterpilze. Wetterpilze? Ja, das sind diese Unterstellmöglichkeiten für Wanderer, die wie Pilze aussehen. Dafür hat Klaus-Heinz Herda (47) aus Köln eine besondere Leidenschaft entwickelt. Eines seiner jüngsten Sammelobjekte steht in Roßwein, und zwar auf dem Hartenberg.

Klaus-Heinz Herda Wetterpilzfreund aus Köln
Klaus-Heinz Herda Wetterpilzfreund aus Köln

Darüber ist Herda auf der Internet-Seite von Google Earth gestoßen. Hineingestellt hat die Fotos dort Dirk Eckart aus Roßwein. „Ich mache das gelegentlich und kommentiere die Fotos, damit sich etwaige Reiselustige vorher im Netz informieren können“, erklärt Eckart. Mit der jetzigen Reaktion aus Köln hat er nicht gerechnet. Gefreut hat sie ihn trotzdem sehr.

Klaus-Heinz Herda ist immer noch sehr begeistert vom Pilz auf dem Hartenberg. Er hat ihn inzwischen in seine Wetterpilzsammlung aufgenommen. Darin haben er und Gleichgesinnte mittlerweile rund 400 dieser faszinierenden Bauten dokumentiert. Für das Roßweiner Bauwerk fehlen noch einige Daten. Dafür sind der Kölner und weitere Wetterpilzfreunde auf die Unterstützung der Akteure vor Ort angewiesen. Naturfreund Ulrich Bänsch aus dem benachbarten Etzdorf könnte sich vorstellen, dass der Wetterpilz Anfang des vergangenen Jahrhunderts errichtet worden ist. Zwischen 1880 und 1897 ist auf dem Hartenberg der Stadtwald angepflanzt worden. 1927 beschlossen die damaligen Stadtväter Roßweins, das mehrere Hektar große Areal zum Volkspark umzugestalten.

Der Wetterpilz dort ist offenbar schon seit Generationen bekannt. Bei einem Rundgang über den Hartenberg haben sich die Mitglieder der AG Stadtgestaltung auch den Pilz angeschaut. Über den Treffpunkt von Liebespärchen habe nahezu jeder eine kleine eigene Geschichte beigesteuert, heißt im Zeitungsartikel über die Begehung vor knapp sechs Jahren. Ähnlich verhält es sich mit dem Harthaer Pilz im Stadtwäldchen. Den hat der 47-jährige Kölner ebenfalls in der Wetterpilzsammlung.

Zu diesen Bauten ist er etwa 2009 bei seinem sportlichen Ausgleich zum EDV-Job gekommen. Herda nimmt an Landschaftsläufen teil. „Für mich waren die Pilze häufig ein Zwischenziel“, sagt er. In Köln gebe es eine Reihe solcher Wetterpilze. Während hier in der Region viele zumindest teilweise aus Holz bestehen, sind die in Herdas Heimat überwiegend aus Beton. Nachdem ihm mehr und mehr davon aufgefallen sind, hat er begonnen, sie zu fotografieren und dazu zu recherchieren. Weil er da nur sehr wenig herausgefunden hat, nahm er sich vor: Ich will diese Lücke in der Gartenkultur schließen. „2012 habe ich dann die Sammlung offiziell auf www.wetterpilze.de eingerichtet“, so der Kölner.

Er versucht ständig, neue Pilze zu entdecken, inzwischen sogar international. Die ältesten der bisher aufgespürten Wetterpilze in München, Passau und Graz sind Ende des 18. Jahrhunderts gebaut worden – inspiriert von James Cooks Südseereisen.

„Faszinierend finde ich, dass man mit den Wetterpilzen Bauwerke antrifft, die funktional relativ sinnlos sind. Heute, da Nutzen und Funktion im Vordergrund sehen, finde ich so ein Kontra zur Leistungsgesellschaft sehr spannend“, erklärt der 47-Jährige seine Begeisterung. Genauso spannend finde er, dass die Pilze häufig auf Privatinitiativen entstanden sind. Klaus-Heinz Herda bezeichnet sie als Volkskunst. Für ihn sind sie ein Gesamtkunstwerk.

www.Wetterpilze.de