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Der wiederentdeckte Lessing

Das Lessing-Museum konnte jetzt gleich vier Neuerwerbungen von Porträts des Aufklärers und seiner Eltern erwerben.

© Bernd Goldammer

Von Bernd Goldammer

Kamenz. Lessingfreunde können sich freuen. Dr. Sylke Kaufmann, Leiterin des Lessing-Museums Kamenz, und Birka Siwczyk von der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption präsentierten jetzt gleich vier einzigartige Neuerwerbungen. Die Veranstaltungsreihe „Lessing-Akzente“ war da genau der richtige Rahmen dafür.

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Schon die Vorgeschichte der Ankäufe war spannend. Urplötzlich war im vergangenen Jahr ein Lessingporträt bei einer französischen Internetauktion aufgetaucht. 1933 war es letztmalig in einem Katalog zu sehen gewesen. „Das zu den authentischen, also zu Lebzeiten des Dichters entstandenen Bildnissen stellt Lessing im Alter von etwa 30 Jahren dar und war bislang nur durch eine Schwarz-Weiß-Abbildung eines Bilderdienstes bekannt“, so Birka Siwczyk. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin überrascht die Anwesenden mit einer weiteren Entdeckung. „Der Maler ist Johann Eberhard Ihle. Der lebte von 1727 bis 1814 und war in den 1750er und 1760er Jahren einer der meistbeschäftigten Porträtisten im Nürnberger Raum.“ Die Neuerwerbung des Kamenzer Lessingmuseums rückt nun den Künstler wieder stärker in den deutschlandweiten Fokus.

Zur Herkunft recherchiert

Dass es seit der Wiederentdeckung des Bildes hinter den Kulissen in Sachsens Kulturlandschaft brodelte, wussten nur wenige Insider. Dafür gab es gute Gründe. Beherzt, rasch und vor allem geräuschlos wurden Herkunft und Weg des Bildes recherchiert. Anhand weniger Quellen. Dies war eine enorme kunstwissenschaftliche Herausforderung. Dass der französische Internet-Kunsthändler wenig zur Aufklärung beitragen konnte, dürfte auch Vorteile gehabt haben. Denn, wenn die historischen Zusammenhänge um das Bild herum bekannter gewesen wären, hätte die Kaufsumme schnell steigen können. Das Geld für den Ankauf musste ja auch erst beschafft werden. Ein Kraftakt, mit dem die Stadt klar überfordert gewesen wäre. Kunstdiplomatie auf sächsischer Ebene war gefragt. Der Freistaat trat schließlich in etwa vier Fünftel der Kaufsumme ein. Nur mit dieser Förderung konnte das Bild für Kamenz erworben werden.

Von der Existenz zweier weiterer Bildnisse waren die Besucher am Mittwochabend ebenso überrascht. Die Porträts von Lessings Eltern Johann Gottfried (1693-1770) und Justina Salome Lessing (1703-1777) wurden ebenfalls vorgestellt. „Diese Bilder entstanden zwar nicht zu deren Lebzeiten, doch war der Maler Heinrich Lessing (1856-1930), einer ihrer Nachfahren“, so Birka Siwczyk. Dessen Vater war kein Geringerer als der romantische Landschaftsmaler Carl Friedrich Lessing (1808-1880). Der Maler Heinrich Lessing war in Kamenz auch kein Unbekannter. Zwei Jahre vor seinem Tod im Jahre 1930 hatte er, im Auftrag der Vereinigung ehemaliger Lessingschüler, ein opulentes Festbild für die Aula der Lessingschule geschaffen, das die Entstehung des sogenannten „Kinderbildnisses“ des Dichters illustrierte. Das vierte Lessingporträt schließlich ist eine große Kaltnadelradierung der freischaffenden Grafikerin Claudia Berg aus Halle. Die Arbeit entstand 2015, nachdem die Künstlerin durch die Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für Lessingrezeption und dem Lessing-Museum dazu inspiriert wurde. Außerdem präsentierte die Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption als Herausgeber ein weiteres Künstlerbuch der Grafikerin.