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"Der wirtschaftliche Schaden ist immens"

Jüngst hat Mirco Meinel mit Eröffnung der Ostradome ein neues Kapitel Firmengeschichte geschrieben. Jetzt treffen auch ihn die Folgen von Corona.

Im vergangenen September ist Mirco Meinels neue Event-Adresse Ostra-Dome fertiggestellt worden. Mit seiner weihnachtlichen Dinnershow "Mafia Mia" weihte er sie zusammen mit tausenden Gästen ein.
Im vergangenen September ist Mirco Meinels neue Event-Adresse Ostra-Dome fertiggestellt worden. Mit seiner weihnachtlichen Dinnershow "Mafia Mia" weihte er sie zusammen mit tausenden Gästen ein. © René Meinig

Dresden. Mirco Meinel ist einer der größten Veranstalter Dresdens und jetzt als Krisenmanager in eigener Sache gefragt. Seit 15 Jahren konzipiert und organisiert er mit seinem Team von First Class Concept exklusive Firmenevents. Neben Produktpräsentationen, Tagungen, Kongressen und Galaveranstaltungen entwickelt er auch Eigenproduktionen für ein breites Publikum. Dazu zählen Weihnachtsprogramme wie Mafia Mia und Dinnershows in Merlins Wunderland und im Prinzenkeller sowie die Dresdner Schlössernacht. Im SZ-Interview spricht er über Ängste, Hoffnungen und Pläne für eine Zeit nach Corona.

Herr Meinel, wie reagieren Sie als Veranstalter auf die Corona-Gefahr?

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Was unsere Shows in Merlins Wunderland und im Prinzenkeller betrifft, so haben wir schon letzte Woche entschieden, alle bis Juni 2020 geplanten Termine zu verschieben. Die Tickets kann man auch in einen Gutschein umtauschen, der drei Jahre gültig ist. Uns war es wichtig, einen schnellen Beitrag zu leisten, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet. Bei dieser Entscheidung war uns auch egal, dass Veranstaltungen erst ab 1.000 Personen verboten sind, sondern es zählt jetzt, so wenige soziale Kontakte wie möglich zu provozieren. Unsere Veranstaltungen sollen Freude bereiten, den Alltag ausblenden und Sorgen vergessen lassen. Dies ist derzeit schwierig.

Ab wann ist Ihnen klar geworden, dass eine wirklich harte Zeit auf Sie zukommt?

Das Bauchgefühl hatte ich angesichts der Pressemeldungen aus China und der ersten Informationen aus Italien schon im Februar. Aber ein solches Ausmaß konnte ich mir da noch nicht vorstellen. Im ersten Reflex haben ja viele verdrängt, was dieses Virus für unser Leben und Arbeiten bedeuten kann. Jetzt stehen wir vor einer Situation, in der wir wissen: Der wirtschaftliche Schaden ist immens.

Wie wollen Sie angesichts all der abgesagten und verschobenen Veranstaltungen wirtschaftlich um die Runden kommen?

Wir werden diese Situation bestehen, indem wir alle Kosten soweit wie möglich runterfahren und mit unseren gebildeten Rücklagen, aber auch teilweise mit Kurzarbeit diese harte Zeit überstehen. Unsere Vermieter beispielsweise unterstützen uns dabei. Ich bin stolz auf mein Team, das unserer Firma extrem den Rücken stärkt.

Können Sie alle Mitarbeiter behalten oder drohen Kündigungen?

Es wird bei uns zu keinen Kündigungen kommen. Ein Teil meiner Mitarbeiter kann im Homeoffice weiterarbeiten, für andere haben wir eine Lösung in Kurzarbeit gefunden. Es war mir wichtig, Existenzängste gar nicht erst aufkommen zu lassen. Unsere Perspektive gerade mit unserer neuen Location Ostra-Dome ist hervorragend. Die Nachfrage bis vor zwei Wochen war so groß wie in noch keiner Location zuvor.

Sie engagieren für Ihre Programme auch zahlreiche Künstler und andere Freischaffende. Die bekommen jetzt keine Aufträge. Wie kann ihnen geholfen werden?

Die Krise trifft in unserer Branche natürlich zuerst die Veranstalter und Agenturen, dann die Dienstleister für Events, wie Messebau und Konferenztechnik, weiterhin Hotellerie, Gastronomie und, wie Sie schon sagen, auch Künstler. Um die Künstler mache ich mir auch große Sorgen. Sie haben zwar keine so enorm hohen Verbindlichkeiten wie zum Beispiel Gastronomen mit Lokalen rund um die Frauenkirche. Bei denen fallen in kürzester Zeit Ladenmieten von zehntausenden Euro an. Aber auch Kleinstunternehmer müssen ihre Mieten und Autoraten begleichen. 

Was erwarten Sie unterstützend von der Politik?

Eine klare Linie, wie Unternehmern schnell und unbürokratisch wirtschaftlich unter die Arme gegriffen werden kann. Und damit meine ich definitiv keine Kredite. Die würden das Problem nur  auf später verschieben, denn irgendwann ist die Tilgung fällig, inklusive Zinsen. Außerdem kann im Moment kaum ein Unternehmer sicher sagen, wie viel Geld er diesen Monat und nächsten und vielleicht übernächsten brauchen wird. Aus meiner Sicht hilft nur die unkomplizierte Übernahme von Verbindlichkeiten wie Ladenmieten und Raten für Kredite. Von der Politik muss auf diese Weise unbedingt eine Motivation für Unternehmer ausgehen, nicht aufzugeben und die Krise durchzustehen.

Haben Sie eine annähernd schwere Zeit schon einmal erlebt?

Ein wenig fühle ich mich an die Flut 2002 und 2013 erinnert. Aber damals ging es um drei, vier, fünf Tage Unsicherheit. Dann war klar: Vater Staat hat einen Plan und hilft. Allerdings war das Prozedere der Fluthilfen 2013 viel komplizierter geworden und auch nicht mehr von jedem tragbar. Aber nein: Eine solch harte Zeit hatte ich noch nie. Wahrscheinlich keiner von uns, noch nicht einmal in den Jahren der Wirtschaftskrise.

Was baut Sie auf?

Wir haben gerade wieder Reservierungen für unsere Weihnachtsshows bekommen, mehrere Hundert Tickets. Da freue ich mich sehr, und das zeigt mir, dass es weitergeht. Mein Wunsch, meine Hoffnung und mein Ziel ist, dass wir die Dresdner Schlössernacht am 18. Juli 2020 fröhlich und befreit feiern werden. Bis dahin mögen wir alle gesund bleiben.

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