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Der Wolf ist da

Zum ersten Mal wurde der Isegrim in der Gohrischheide nachgewiesen. Ob er dauerhaft bleibt, ist noch unklar.

© ZB

Von Antje Steglich

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Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Lange schon wurde es vermutet – nun ist es bewiesen: Der Wolf ist da. „In der vergangenen Woche gab es den ersten Nachweis in der Gohrischheide in Form einer frischen Losung“, sagte die Sprecherin der Naturschutzgebietsverwaltung Königsbrücker Heide/Gohrischheide Cornelia Schlegel auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. Ein Kollege habe die Kotreste gefunden. „Das ist eindeutig“, sagte sie. Nun wolle die Gebietsverwaltung die Situation in der Gohrischheide verstärkt beobachten und hofft weiterhin darauf, dass der Wolf auch einmal in die Fotofalle tappt. Denn schon seit Herbst hängen die beiden Kameras in dem Wald- und Heidegebiet, die Tiere konnten bisher aber noch nicht abgelichtet werden.

Doch es braucht weitere Beweise, um feststellen zu können, ob der Wolf hier nur auf der Durchreise ist oder sogar heimisch wird. „Gibt es immer wieder Hinweise, mindestens über ein halbes Jahr lang, dann kann man sicher sein, dass er dort sesshaft ist“, sagte die Projektleiterin vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ Vanessa Ludwig.

Sie selbst zeigte sich von dem Fund gestern zwar überrascht, erklärte aber, dass die Ansiedlung von Wölfen in der Gohrischheide mit ihrer Größe, dem Wald und dem sandigen Boden auf jeden Fall möglich ist und schon lange erwartet wurde. Denn problemlos legen die Tiere nachts Strecken um die 50 Kilometer zurück, und auch die Elbe stellt für den Wolf kein Hindernis dar. Am besten sei er wohl in den kommenden Monaten – also während der Partnersuche im Frühjahr – auf blanken Feldern und in kahlen Wäldern sichtbar.

Seit 1990 steht der Wolf in Ostdeutschland unter Schutz, was laut Kontaktbüro eine wichtige Voraussetzung für die natürliche Wiederbesiedlung in der Region war. Aktuell zählt die Einrichtung zwölf Wolfsrudel in Sachsen, unter anderem eines in der Königsbrücker Heide. Und zuletzt mehrten sich auch die Hinweise rund um die Gohrischheide. Bereits am 30. September vergangenen Jahres riss ein Wolf ein Schaf im Gröditzer Ortsteil Nieska. Nur wenige Tage später, am 2. Oktober, wurde wieder ein Schaf tot gefunden. Dieses Mal in Nauwalde. Und wieder galt ein Wolf als Täter. Zudem wurde gerade unter den Jägern aus der Region immer wieder von Wolfssichtungen berichtet. In Panik verfällt hier deshalb aber niemand. „Für mich war es nur eine Frage der Zeit“, sagte etwa Zeithains Hauptamtsleiter Ronny Werner. Anlass für diverse Aktionen sei der Wolfsnachweis nicht. Ähnlich sieht das der Wülknitzer Bürgermeister Hannes Clauß: „Für uns ändert sich erst einmal nichts. Ich bin da gelassen.“ Schließlich seien auch in den Gemeindeverwaltungen bisher keine Anfragen dazu eingegangen. Fördermöglichkeiten zum Schutz biete bereits seit geraumer Zeit das Sächsische Umweltministerium, hier gibt es bei eventuellen Schäden durch den Wolf auch einen Ausgleich.

Selbst die Tierhalter der Region scheint die Nachricht deshalb auch nicht in Panik zu versetzen. „Meine Schafe sind bisher noch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagte der Kreinitzer Schäfer Manfred Jeremias, der seine Herde sogar tief in die Gohrischheide reintreibt. „Wir haben schon jahrelang darauf gewartet, wir sind darauf vorbereitet.“ Er setzt nämlich auf vierbeinigen Schutz – sogenannte Herdenschutzhunde. Seine Pyrenäen-Berghunde würden so viel Lärm bei nahender Gefahr machen, dass die als scheu und vorsichtig geltenden Wölfe lieber gleich Reißaus nehmen.

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