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Der Zauber vom Geldkeller auf dem Löbauer Berg

Der sagenumwobene Felsen diente angeblich einst als Kalender. Das Geheimnis soll nun bekannter werden.

Von Carina Brestrich

Die Sonne blitzt durch die Felsöffnung über der Höhle der als Geldkeller bekannten Steinformation auf dem Schafberg - und das schon seit knapp einem Monat wieder. Es ist ein Zeichen dafür, dass es auch astronomisch gesehen Herbst geworden ist. „Bis zum Frühlingsbeginn scheint die Sonne durch das Loch, und ab dann verschwindet sie bis zum Herbst wieder“, erklärt Ralf Herold. Der 52-Jährige gehört zur Fachgruppe Archäoastronomie der Sternwarte in Sohland. Deren Mitglieder haben in den vergangenen Jahren verschiedene Felsen in der Oberlausitz untersucht und sind überzeugt: Auch der Geldkeller ist ein Sonnenheiligtum, diente den Menschen vor vielen Tausend Jahren als eine Art Kalender. „Leider wissen die Leute heute davon kaum“, sagt Herold. Doch das wollen er und die Sternenfreunde von der Sternwarte nun ändern.

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Bei der Landesgartenschau im vorigen Jahr konnten die Archäo-Astronomen schon einmal größerem Publikum präsentieren, welche Zeugnisse aus der Vorgeschichte sich auf dem Löbauer Berg verbergen: Ein Steingarten im Grünen Klassenzimmer zeigte, wie Menschen sich die Felsen und die sich über das Jahr ändernden Sonnenstände zunutze machten. Zeitgleich veröffentlichte Herold ein Buch zum wahren Schatz des Geldkellers, der sich etwa 200 Meter östlich vom Fernsehturm befindet. In dem Buch ist genau erklärt, wie sich die Menschen anhand der Felsspalten und -löcher des sagenumwobenen Geldkellers zeitlich orientieren konnten. So wirft zur Sommer- und Wintersonnenwende sowie zu den Tag-und-Nacht-Gleichen die Sonne Licht durch Sichtöffnungen in der Felsformation. Zur Sommersonnenwende und in den drei Wochen danach etwa scheint sie bei ihrem Aufgang aus nordöstlicher Richtung durch ein zweites Felsloch direkt in die Höhle des Geldkellers.

„Wahrscheinlich haben sich die Menschen zu solchen Terminen dann am Geldkeller versammelt, um gemeinsam das Ereignis zu beobachten“, sagt Herold, der eigentlich Garten- und Landschaftsbauer in Sohland ist. So vermutet er, haben sie damals Waren getauscht und gefeiert. Schließlich wohnten sie nur unweit des Geldkellers entfernt, erklärt er: Eine Reihe archäologischer Funde und eine 1 600 Meter lange Wallanlage in der Nähe deuten darauf hin, dass Menschen auf dem Löbauer Berg gelebt haben: „Dabei handelt es sich um die größte, vorgeschichtliche Höhensiedlung in der Oberlausitz.“

Doch der Geldkeller ist nach Ansicht der Sohlander Archäoastronomen nicht das einzige Sonnenheiligtum in der Region: Der Kuckuckstein nahe Königshain und die Gesteinsgruppe namens „Thors Amboss“ in Neusalza-Spremberg dienten ebenso als Kalender, so wie 18 weitere in der Oberlausitz und Tschechien, die Herold und die anderen Sohlander Hobby-Astronomen entdeckt haben. Wo genau sie sind und wie sie funktionieren, erklären die Experten seit knapp sechs Jahren bei Vorträgen zu den Sonnenheiligtümern.

Ein besonderes Spektakel ist jedes Jahr die Sonnenjäger-Tour zur Sommersonnenwende im Juni zu „Thors Amboss“, der steinernen Himmelsscheibe: Ähnlich wie früher treffen sich Interessierte zum gemeinsame Beobachten der Sonne. Auch moderne Technik kommt dabei zum Einsatz. „Über Tablet-Computer stellen wir während der Beobachtung in Neusalza-Spremberg Verbindung zu anderen Sonnenheiligtümern in der ganzen Welt her“, sagt Ralf Herold. Dieses Jahr etwa konnten die Teilnehmer zeitgleich das Sonnenspektakel in Nebra in Sachsen-Anhalt und in Stonehenge in England verfolgen. „Dort versammeln sich wie bei uns ebenso Sonnenjäger zum gemeinsamen Schauen“, sagt er.

Um künftig noch mehr Beobachter zu begeistern, gibt es Pläne, die Sonnenheiligtümer auch touristisch bekanntzumachen. „Ein Konzept ist gerade in Planung“, sagt Ralf Herold. Dabei helfen soll zunächst eine Studie, so der Archäoastronom. „Sie soll prüfen, wie sich so ein Konzept realisieren lässt und was es bringen könnte.“ Wie lange die Umsetzung dauert, ist allerdings noch unklar. Fest steht dagegen das nächste Sonnenereignis am Geldkeller auf dem Löbauer Berg. Zur Wintersonnenwende zu Weihnachten leuchtet ab etwa 8.40 Uhr die Sonne durch die Öffnung über dem Eingang zur Höhle: „Wer sich dann früh morgens in die Kälte und auf den Berg wagt, wird jedenfalls belohnt.“

Das Buch „Sonnenheiligtümer der Oberlausitz. Der Geldkeller und sein wahrer Schatz“ ist im Oberlausitzer Verlag erschienen und für 5,95 Euro erhältlich.

www.goetterhand.de