SZ +
Merken

Der Zauberstein vom Baum

Das Bernsteinzimmer ist jetzt Thema einer Ausstellung in der Zeitenströmung. Es geht auch um den Ursprung der Pracht.

Teilen
Folgen
© Michael Schmidt

Von Jana Mundus

Urlaub an der Ostsee. Der Blick schweift aufs Meer. In die Weite. Oder doch lieber nach unten? In den Sand? Schließlich könnte dort ein Bernstein liegen, der aufgesammelt werden will. So mancher Urlauber kann sich bei der Jagd nach der klitzekleinen Trophäe gar nicht richtig auf die Natur konzentrieren. Größere Bernsteine sind derzeit in der Bernsteinzimmer-Ausstellung in der Zeitenströmung zu sehen. Dort wird auch verraten, dass der Stein eigentlich auf Bäumen wuchs.

Zumindest ist er dort entstanden. Vor 55 bis 35 Millionen Jahren wuchsen in Nordeuropa urzeitliche Kiefernbäume. Aus ihrer Rinde trat Harz aus. Das gerann, versteinerte mit der Zeit und wurde zu Bernstein. In der Schau sind viele Steine zu sehen, in denen Insekten oder kleine Pflanzen erkennbar sind. Sie gerieten ins Harz und wurden so für die Ewigkeit konserviert. Diese Einschlüsse geben gleichzeitig einen faszinierenden Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt der Urzeit. Gewebereste oder Abdrücke sind über die vielen Millionen Jahre perfekt erhalten geblieben.

Die deutsche Bezeichnung Bernstein leitet sich von den mittelniederdeutschen Wörtern börnen beziehungsweise börne-steen ab, das brennen bedeutet. Es ist auf die auffällige Brennbarkeit dieses „Steins“ zurückzuführen. Denn oberhalb von Temperaturen von 300 Grad Celsius fängt der Bernstein an sich zu zersetzen.

Bernstein ist farbenfroh. Von Honiggelb und Rotbraun, über Weiß bis Schwarz. Wohl auch deshalb ist er ein beliebter Schmuckstein. Die alten Griechen nannten ihn „Tränen der Götter“. Heute sprechen wir vom „Gold der Ostsee“. Schon immer werden dem Bernstein auch Wunder- und Heilkräfte zugeschrieben. Wenn die ersten Zähne Säuglingen schlaflose Nächte bescheren, schwören viele zur Linderung auf Bernsteinketten. Auch Salben wurden früher daraus hergestellt. Wer auf Bernstein-Jagd gehen will, hat an der Ostsee gute Chancen. Besonders an der Bernstein-Küste um Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg. Der größte Bernstein liegt heute übrigens im Berliner Museum für Naturkunde der Humboldt-Universtität. Er wurde 1860 im damaligen Pommern gefunden und wiegt 9,75 Kilogramm.

Für die Nachbildung des Bernsteinzimmers, die heute im Katharinenpalast in der Nähe von Puschkin zu sehen ist, wurde ausschließlich Bernstein aus Jantarny verwendet. Die Siedlung liegt nahe Kaliningrad an der Ostsee. Mindestens 80 Prozent aller Bernsteinvorräte der Welt lagern übrigens in diesem Gebiet.