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Der Ziehberg bröckelt

Der Ortschaftsrat ist in Rosenthal vom Berg gestiegen und hat lose Stützmauern, Winterschäden und Leerstand vorgefunden.

Von Mario Heinke

Ortsbürgermeister Bernd Müller und vier Ortschaftsräte haben sich am Dienstagabend in Rosenthal zu einer Ortsbegehung getroffen. Die Räte wollten sich selbst ein Bild von der Lage in dem beschaulichen Ortsteil machen und prüfen, welche Schäden der lange Winter hinterlassen hat. Den ersten Straßenschaden haben die Räte gleich an der Bushaltestelle hinter dem Ortseingang auf dem Ziehberg gefunden. Teile der Straße sind dort regelrecht weggebrochen. Müller vermutet, dass die Asphaltdecke der Straße für den Bus zu dünn ausgelegt ist, sodass Risse entstehen konnten, in die dann Wasser gelaufen ist. Der Frost würde den Rest erledigen, so der Ortschef.

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Auf der Bergstraße, die sich durch ganz Rosenthal zieht, liegen einige Gullis höher als der Straßenbelag. Das Regenwasser kann deshalb nicht abfließen und sucht sich andere Wege vom Ziehberg hinunter ins Neißetal. Die Straße hat sich über die Jahre gesenkt. Auch hier vermuten die Räte, dass die Linienbusse der Kraftverkehrsgesellschaft Zittau ihren Beitrag dazu geleistet haben. Eigentlich dürften die gar nicht die Bergstraße hochfahren, tun es aber immer wieder. Die offizielle Buslinie geht von der Bundesstraße 99, entlang der Schlegler Straße an der Bundespolizei vorbei bis zur Haltestelle Rosenthal. Dort soll der Bus einmal ums Karree und über die Schlegler Straße wieder in Richtung B 99 zurück fahren. Einige Busfahrer bevorzugen allerdings von Zittau kommend die steile Route über die enge Bergstraße. 70 Meter Gefälle auf 500 Metern und parkende Autos sorgen deshalb im Winter immer wieder für gefährliche Situationen. Die Anwohner, die auf der Straße parken, trifft keine Schuld. Deren Grundstücke am Hang sind oft so klein, dass sie ihr Fahrzeug dort nicht abstellen können. Der Ortsbürgermeister will das Problem noch einmal bei der Stadt ansprechen. „Sollte sich nichts ändern, richten wir eine Tonnagebegrenzung ein“, so Müller rigoros.

Das nächste Objekt, das einer Lösung harrt, ist der Feuerlöschteich. Dessen Zulauf ist mit Schilf zugewachsen, sodass bald kein Wasser mehr zuläuft. Das Bauamt möchte den Teich ablassen, um das Schilf auszurotten. Die Feuerwehr findet das nicht so gut, weil sie nicht weiß, wo sie im Falle eines Brandes ihr Wasser hernehmen soll. Auch hier muss die Stadtverwaltung zu einer Lösung kommen, so die Räte. Am Ende der Runde fällt noch der alte Konsum ins Auge, dessen Vorbau bröckelt und droht auf die Straße zu kippen. Besitzer der Immobilie ist wohl der Freistaat, auch hier will Bernd Müller bei der Stadtverwaltung vorsprechen.

Das Fazit der Begehung: Zahlreiche ungelöste Probleme müssen angegangen werden. Denn neben den schönen Häuschen gibt es immer mehr Leerstand. Acht stark sanierungsbedürftige Umgebindehäuser warten auf Käufer, die sich der kleinen denkmalgeschützten Gebäude annehmen. Viele Gebäude in Rosenthal sind zudem durch Stützmauern am Hang gesichert, die an allen Ecken und Kanten bröckeln. Zu DDR-Zeiten hat sich die Flugasche vom Kraftwerk Hirschfelde in allen Ritzen festgesetzt. In Verbindung mit dem Regenwasser ist so ein Brei entstanden, der alles zusammengehalten hat. Starke Niederschläge und Hochwasser haben in den letzten Jahren die Flugasche ausgespült und große Löcher, Spalten sowie freiliegende Wurzeln hinterlassen. Mit einer Sanierung der großen Stützmauern wären viele Hausbesitzer finanziell überfordert, erklärt Bernd Müller. Beim Versuch die Grundstücke zu verkaufen, zeigt sich nun, dass die Mauersanierung mehr kosten würde als das ganze Grundstück. „Solche Häuser sind etwas für Liebhaber, die mit viel Enthusiasmus und Fachkenntnis die Sanierung angehen“, sagt Müller. Wo die herkommen sollen, weiß er auch nicht.