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Der zweite Anlauf

Zwei Investoren interessieren sich für die Berliner Straße. Deren Pläne und die des Kaufhauses müssen zusammenpassen.

Von Sebastian Beutler

Als der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler Anfang Oktober zur Immobilienmesse Expo Real nach München reiste, hatte er einen dichten Terminkalender. Nicht nur, dass er zusammen mit Sachsens Finanzminister Unland über die Entwicklungschancen von Görlitz debattierte, wie das städtische Amtsblatt jüngst vermeldete. Wielers Messebesuch diente auch dazu, sich mit den beiden möglichen Investoren für die obere Berliner Straße zu treffen. Fern von Görlitz erörterte Wieler mit ihnen, was die Stadt für Vorstellungen für dieses Quartier hat.

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Mittlerweile sind die Pläne schon etwas gereift. Als Oberbürgermeister Siegfried Deinege diese Woche die Investorenkontakte bestätigte, da sprach er auch davon, dass eines der Häuser auf der Berliner Straße als großer Eingang in eine dahinterliegende Ladenpassage dienen könnte. Wert legten Deinege und Wieler aber darauf, dass es nicht wie bei Nettekoven einen Abriss-Wettlauf geben soll. Vor allem mit dem beabsichtigten Abriss der Gebäude Salomonstraße zehn bis zwölf verspielte Investor Heinz Nettekoven im vergangenen Jahr viele Sympathien für sein Projekt.

Einige Ideen für die Belebung der oberen Berliner Straße sind aber nicht neu. So spielt auch der Landkreis Görlitz eine große Rolle dabei. Denn Landrat Bernd Lange kann sich vorstellen, mit dem kreiseigenen Jobcenter die Lunitz zu verlassen und die Büros in einem eigenen Haus, beispielsweise auf der Berliner Straße, einzurichten. Diese Überlegungen gab es auch bei Nettekoven bereits, zu dessen Plänen ebenso ein Parkhaus im Areal gehörte, das auch von den Besuchern des Landratsamtes genutzt werden kann. Noch immer sind diese Gedanken der Stadt aktuell, wie Oberbürgermeister Deinege bestätigte. Denn die Parkplatzfrage in dem gesamten Quartier ist weiterhin ungelöst.

Wann feststeht, ob diese Runde der Investorensuche für die obere Berliner Straße von Erfolg gekrönt sein wird, wollte Deinege nicht sagen. Die Stadt habe jetzt Zeit gewonnen, weil mit dem Erwerb des Kaufhauses durch den Rennersdorfer Unternehmer Winfried Stöcker die Hoffnung verbunden ist, dass der Görlitzer Einzelhandel eben vom Demianiplatz her neue Impulse erhalten wird. Doch ist auch hier ein wenig Geduld gefragt. Wie Stöcker schon im Sommer gegenüber der SZ erklärt hatte, könnte es zwei Jahre dauern, bis seine 20 Millionen Euro teuren Pläne fürs Kaufhaus verwirklicht werden. Eine Eröffnung vor dem Weihnachtsfest 2015 gilt unter Beobachtern als durchaus realistisch.

Die Stadt stellt sich jedenfalls darauf ein, vor allem das Umfeld für das Kaufhaus zu bereiten. So prüft das Rathaus nach anfänglichem Zögern jetzt doch ziemlich genau, ob sich der Marienplatz für eine Tiefgarage eignet. Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker hatte den Vorschlag eingebracht. Er strebt an, dass die Kunden seines „Kaufhauses der Oberlausitz“ (KdO) direkt von der Tiefgarage in das Untergeschoss des Kaufhauses gelangen. „Das kann ich schon verstehen“, sagte jetzt Deinege. So schaut das Rathaus, ob eine solche Tiefgarage in das Parkkonzept der Stadt passen könnte, wo die Zu- und Abfahrten eingerichtet werden könnten und ob der Untergrund des Marienplatzes sich für eine zweietagige Tiefgarage eignet. Dazu werden bis Frühjahr an verschiedenen Stellen des Platzes Bohrer angesetzt, um herauszufinden, ob gleich unter der Oberfläche festes Gestein auftritt oder doch weitaus tiefer. Danach weiß die Stadt, ob die Tiefgarage am Marienplatz machbar ist. Was dann passiert, ist noch offen. „Die Stadt hat aber Herrn Stöcker signalisiert, dass es einen Betreiber und Investor für die Anlage geben muss“, sagt Deinege. „Die Stadt kann nicht alles.“

Doch nicht nur das Görlitzer Rathaus versucht, die Wiederbelebung des Kaufhauses zu befördern. Auch die Bürgerinitiative Görlitzer Kaufhaus hat ihre Arbeit nach dem Verkauf des Gebäudes nicht eingestellt, wie deren Vorsitzender Rainer Müller der SZ sagt. „Wir wollen Partner des Investors sein, damit das große Vorhaben gelingt.“ So gibt der Verein momentan eine Imagebroschüre für das Görlitzer Kaufhaus heraus, und am kommenden Mittwoch findet auf seine Initiative hin im Schlesischen Museum eine Podiumsdiskussion statt. Ihr Hauptthema: Wie kann der Verkehr rund um das Kaufhaus gestaltet werden?

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