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Löbau

Krise bei Hautärzten im Kreis spitzt sich zu

Dermatologen fehlen in der Oberlausitz. Nun muss eine weitere Praxis in Herrnhut krankheitsbedingt schließen, die bisher immerhin im Notbetrieb lief.

Die Hautarztpraxis in Herrnhut hat geschlossen. Das reißt eine weitere Lücke in der Oberlausitz.
Die Hautarztpraxis in Herrnhut hat geschlossen. Das reißt eine weitere Lücke in der Oberlausitz. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Tür in der Löbauer Straße in Herrnhut bleibt für Patienten erst einmal verschlossen. "Seit Anfang der Woche haben wir die Praxis krankheitsbedingt auf unbestimmte Zeit geschlossen", sagt Johannes Taesler. Eigentlich praktiziert seine Frau Grit in den Räumen, doch wegen einer Erkrankung kann sie das seit Anfang dieses Jahres schon nicht mehr tun. Bislang hatte ihr Mann gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung einen Vertretungsdienst organisiert. Doch auch das wird es nun nicht mehr geben. Bis auf Weiteres.

Die Vertretungslösung hatte bislang im Rahmen des Möglichen ganz gut funktioniert, schätzt Johannes Taesler ein. Er kümmert sich an Stelle seiner Frau um die Praxis und deren Belange. Notbetrieb hieß in dem Fall: Zu den Sprechzeiten war die Praxis mit Personal besetzt - auch wenn eben nicht immer ein Arzt da war. Die Patienten erhielten allerdings Auskunft, konnten Termine machen. An den Tagen, an denen ein Mediziner Behandlungen durchführte, war das Wartezimmer dann verständlicherweise sehr voll. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) bestätigt den Notbetrieb: Demnach waren seit 5. Februar zwei Fachärzte jeweils für sechs Stunden wöchentlich in Herrnhut tätig, bestätigt KVS-Sprecherin Patrice Fischer auf Nachfrage und fügte hinzu: "Inwieweit dieses Angebot aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie aufrechterhalten werden kann, ist ungewiss."

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Notbremse gezogen

Dass sich die Rahmenbedingungen mit der Corona-Krise nun verschärft haben, bestätigt auch Taesler. Die meisten der Ärzte, die in der Praxis für Vertretungsdienste zur Verfügung gestanden haben, seien eigentlich schon selbst im Ruhestand, erklärt er. Und auch die nicht wirklich zu verhindernde Enge im Wartezimmer an den Sprechtagen sei ein Problem. So hat - auch, aber nicht nur wegen Corona - Johannes Taesler nun generell die "Notbremse" gezogen: "Langfristig ist es uns leider nicht gelungen, eine tragfähige, zuverlässige Lösung zu organisieren", bedauert er.

Abgegeben oder aufgelöst ist die Hautarztpraxis damit aber nicht, betont er. Sich zu diesem Schritt zu entscheiden, dazu habe es bislang noch keinen Anlass gegeben. Ja, seine Frau sei schwer erkrankt und es sei klar, dass sie lange ausfallen werde. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) habe man über die Lage und nun auch über die krankheitsbedingte Schließung der Praxis informiert. Allerdings war das dort am vergangenen Donnerstag auf SZ-Nachfrage noch nicht bekannt.

Auch die KVS hat aber längst ein Hautarzt-Problem in der Oberlausitz diagnostiziert - allerdings kein Mittel dagegen gefunden. Sowohl über Ausschreibungen, per Praxis- und Stellenbörse und auch mit dem Angebot verschiedener Fördersummen habe sich die Lage nicht verändern lassen. Es gibt schlicht keine Ärzte, die freie Stellen übernehmen können und wollen. Für die Patienten wird die Lage indes immer schwieriger: Seit Ende Februar die Neugersdorfer Dermatologin Uta Franke in den Ruhestand gegangen ist, fehlt diese Praxis den Patienten als Anlaufpunkt. Auch im benachbarten Bautzen schließt Ende März eine der drei Hautarzt-Praxen.

Zahl der Dermatologen im Kreis schrumpft

Im Landkreis Görlitz können Patienten derzeit noch bei zwei Görlitzer Dermatologen und einem Zittauer behandelt werden. Zudem gibt es zwei derartige Fachärzte im Medizinisches Versorgungszentrum Martinshof in Rothenburg und einen in Weißwasser. Für viele Patienten sind die Wege dahin allerdings viel zu lang - zumal viele Praxen auch keine neuen Patienten aufnehmen. Möglich ist zudem, einige Untersuchungen - wie Hautchecks oder Allergietests - im MVZ Seifhennersdorf bei Katharina Varga durchführen zu lassen. 

Johannes Taesler bedauert die Lage - kann die Situation aber nicht ändern. Die Patienten seiner Frau müssen sich nun auch erst einmal einen anderen Arzt für die nötigen Behandlungen suchen. "Ich kann da nur an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung verweisen", sagt Taesler, der selbst kein Mediziner ist. 

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