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Umzugshelfer für Tharandts Edelkrebse

Seit vier Jahren werden bei Familie Voss Edelkrebse gezüchtet. Ohne Geduld geht dabei gar nichts.

Von Susanne Sodan

Gummistiefel anziehen, rein in die Gummihose – es wird nass. Einen Eimer braucht Rico Voss noch für seinen neuen Nebenjob und dann kann es losgehen. Eigentlich ist Voss Gastronom und Inhaber der „Teich-Wirtschaft“ in Tharandt. Seit ein paar Tagen macht er außerdem den Umzugshelfer für seine kleinen, gepanzerten Nachbarn. Einen Möbeltransporter braucht es dafür nicht: Die Edelkrebse, die das Gelände neben der „Teich-Wirtschaft“ bewohnen, müssen in ein neues Heim umgesetzt werden.

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Mehrere Becken sind in das Areal neben dem Gasthaus eingelassen – für jede Krebs-Altersgruppe einer. Rico Voss geht zu einem kleinen Kunststoffbassin. Es ist leer, das Wasser wurde schon abgelassen. Lediglich ein paar Ziegelsteine liegen am Grund, ein paar Rohre. „Hier sind die ganz kleinen Krebse drin. Die sind erst im Juni geschlüpft“, erzählt Rico Voss. Wo denn? Man muss genau hinschauen, um die rund anderthalb Zentimeter kleinen Tiere zu entdecken. Aufgabe für heute und in den nächsten Tagen: Ins Becken steigen und jeden einzelnen der winzigen Edelkrebse finden. Eine Aufgabe, die Geduld verlangt. „Edelkrebse sind nachtaktiv, tagsüber verstecken sie sich. Alle findet man also nie“, erklärt Voss.

Jedes Jahr aufs Neue beginnt das Kreiselspiel: Aus den Becken wird das Wasser abgelassen, alle Tiere werden eingesammelt und nach Alter sortiert. Die Jüngsten, die bisher einen kleinen Kunststoffteich bewohnt haben, kommen dann gemeinsam mit den Einjährigen in ein großes Becken. „Dort sind sie vor Frost geschützt“, erklärt Voss. Die Zweijährigen, die sich zuvor mit den Einjährigen ein Bassin geteilt hatten, dürfen bei den Erwachsenen einziehen. „Das Ganze dient uns auch zur Bestandsaufnahme. Wir zählen alle Krebse und untersuchen sie auf Parasiten“, sagt Voss. Seit vier Jahren züchtet er Edelkrebse. Früher waren sie in der Region weit verbreitet. Vor etwa hundert Jahren hat man Krebse aus Nordamerika importiert. Und eben nicht nur die Tiere, sondern auch eine Krankheit, die sogenannte Krebspest. Die hiesigen Flusskrebse gingen daran zugrunde. „Bis heute gelten sie ganzjährig als geschonte Art. Das heißt, man darf in freier Wildbahn keine fangen“, erklärt Rico Voss.

Die Zucht, die jetzt in den Tharandter Bassins schwimmt, stammt aus Bayern und Mecklenburg. Einige Tiere holte Voss auch aus dem Grillenburger Schlossteich. Die Gefahr, im Kochtopf und auf dem Teller eines Gastes in der „Teich-Wirtschaft“ zu landen, ist gering. „Wir machen das hier nicht aus wirtschaftlichen Gründen“, meint Voss. „Zum einen ist die Population dafür viel zu gering. Für eine Portion braucht man zwölf ausgewachsene Krebse“. Vielmehr geht es darum, den Flusskrebs wieder in der Region anzusiedeln. Einige Tiere wurden bereits in freier Wildbahn ausgesetzt. Verkauft werden die Krebse nur an Leute, die selber eine kleine Zucht aufbauen möchten. Bestellungen nimmt Voss wieder ab März kommenden Jahres an.

Ihre alte Bleibe haben die Edelkrebse äußerst ordentlich hinterlassen. Keine Algen am Grund der leeren Becken, keine Reste des Futters. „Diese Tiere sind sehr genügsam. Sie ernähren sich von dem, was da ist: Schnecken, Algen, Laub“, erzählt Rico Voss. Nur ab und an gibt er zusätzlich Forellenfutter oder Möhrenschalen in die Teiche. Die großen Betonbecken, in die sie nun – wieder ordentlich nach Alter sortiert – einziehen, sind bereits krebsgerecht möbliert mit Steinen und Rohren. Aktuell bereiten sich die Tierchen auf ihre Winterruhe vor. Im kommenden Jahr hofft Voss wieder auf reichlich Zuwachs. In diesem Jahr, so nimmt der Krebszüchter an, sind höchstens 500 neue Flusskrebse geschlüpft. „Der Winter war zu lang und die Weibchen sahen auch nicht gesund aus“, meint Voss. Genaueres weiß er, wenn er in mühevoller Kleinarbeit alle Neuzugänge unter den Steinen entdeckt hat.