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Des Freistaats Fett

Sachsenobst und Sachsenmilch sind bekannte Marken. Doch was ist, wenn jemand mit Sachsenfett werben will?

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Von Anna Kusserow

Dresden. Rocco Schuster aus Dresden macht Fett. Sachsenfett. So heißt Schusters heimatverbundener Firmenname – jeder liest ihn, wenn eines der sechs Firmenautos vorbeifährt. Sachsenfett, mit einem Logo in den Landesfarben Grün und Weiß.

„Der Name passt zu uns“, sagt Schuster. Schließlich komme er aus Dresden, alle Mitarbeiter seien Sachsen. Außerdem sei „Sachsenfett“ schön auffällig. Schuster und seine Mitarbeiter fahren durch Sachsen und liefern Fette und Öle an Betriebe, in denen gebrutzelt und gekocht wird. Dazu gehören Rapsöl aus Riesa und importiertes Olivenöl. Haben die Gastronomen das Fett benutzt, entsorgt Sachsenfett die Reste, zum Beispiel als Grundstoff für Biodiesel.

Ob Sachsenfett oder Sachsenkleber, Sachsenmilch oder Sachsenobst – Firmengründer lieben den Landesnamen. 359 Sachsenmarken zählt das Deutsche Patent- und Markenamt, inklusive gelöschter und zurückgewiesener Anträge. Dazu kommen noch die Firmen, die ihre Bezeichnung nicht als Marke eingetragen haben.

Theoretisch könnte auch eine bayerische Firma Sachsen im Namen tragen. Denn ohne geschützte Herkunftsbezeichnung prüft keine Behörde, ob Produkte aus der genannten Region stammen. Laut Jörg-Eckhard Dördelmann vom Deutschen Patent- und Markenamt in München darf der Markenname nur nicht zu allgemein sein, das prüfen die 100 Juristen der Behörde. Niemand darf sich den Begriff Auto schützen lassen. Auch Sachsenfett ist keine eingetragene Marke. Rocco Schuster hat versucht, Logo und Namen markenrechtlich schützen zu lassen – abgelehnt.

Dabei wollen viele Firmenchefs gern ihre Verbindung zur Heimatregion betonen: „Wo Sachsenobst drauf steht, ist auch Sachsenobst drin“, sagt Stefan Rockmann von der Kelterei Sachsenobst. Ihre Plantagen liegen zwischen Dresden und Leipzig, die Abfüllanlage steht ebenfalls in Sachsen. „Wir sind hier im wahrsten Sinne des Wortes verwurzelt“, sagt Rockmann. Auch der Textilwerbehersteller Sachsen-Fahnen nimmt seine Heimat ernst. „Wir sind ein großer Arbeitgeber in einer eher strukturschwachen Region“, sagt Sprecherin Silke Otto. Vor 1993 trug die Firma noch ihren Heimatort Kamenz im Namen.

Doch nicht alle Sachsen-Firmen setzen auf Patriotismus. Sachsenglas in Chemnitz exportiert seine transparenten Produkte nach ganz Europa, und der Chef Rudolf Burch kommt aus Rheinland-Pfalz. „Bei uns arbeiten neben Sachsen auch Brandenburger, NRW’ler und Pfälzer“, sagt Burch. Der Firmenname sei schlicht historisch begründet.

In anderen Bundesländern greifen Firmengründer nicht so häufig zum Landesnamen. Ein Begriff wie „Sachsenküchen“ oder „Bayern-Batterien“ lässt sich leicht auf ein Etikett pressen. Doch schwieriger ist es mit sperrigen Ländernamen wie Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern. Tatsächlich zählt Nordrhein-Westfalen die wenigsten Marken mit seinem Namen: 46. Spitzenreiter ist Berlin mit 2224 Einträgen.

Die größte Angst vor Namensdieben scheinen die Bayern zu haben. Nahezu jedes landestypische Lebensmittel aus dem Freistaat ist markenrechtlich geschützt. Ob Bairisch oder Bayrisch, Brezel oder Brez‘n – alle Schreibweisen und Orte finden sich im Markenregister.

Klassisches Beispiel für ein sächsisches Produkt, dessen Herstellung streng geregelt ist, ist der Dresdner Christstollen. Auch der Freistaat Sachsen hat sein Logo schützen lassen. Die Sächsische Staatskanzlei darf nur nicht vergessen, die Eintragung als Marke verlängern zu lassen. Die gilt nämlich immer nur für zehn Jahre.