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Waldheimer Apotheker stellt Handdesinfektion her

Bis zu 600 Liter der begehrten Flüssigkeit werden in der Löwen-Apotheke produziert. Aber es gibt ein Problem.

Sebastian Michael füllt in seiner Apotheke am Waldheimer Obermarkt Isopropylalkohol in einen Messzylinder. Das benötigt er für die Herstellung von Desinfektionsmittel.
Sebastian Michael füllt in seiner Apotheke am Waldheimer Obermarkt Isopropylalkohol in einen Messzylinder. Das benötigt er für die Herstellung von Desinfektionsmittel. © Dietmar Thomas

Waldheim. Dass Desinfektionsmittel einmal so einen reißenden Absatz finden würde, daran hat vor wenigen Monaten noch niemand gedacht. Auch Dr. Sebastian Michael, Inhaber der Waldheimer Löwen-Apotheke, nicht.

Als sich dies jedoch mit Beginn der Corona-Krise andeutete, und als die Apotheke an einem Tag plötzlich soviel Händedesinfektion verkaufte, wie sonst in einem Quartal, reagierte er sofort.Er bestellte die Komponenten für die Herstellung von Händedesinfektionsmittel – damals noch zum normalen Preis. Mittlerweile verlassen 500 bis 600 Liter der heiß begehrten Flüssigkeit die Apotheke am Obermarkt.

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In einem im hinteren Bereich befindlichen Raum wird das Mittel zusammengemischt. Vorrangig verkauft Michael dieses an Firmen und Institutionen, die dringend darauf angewiesen sind und in Zeiten von Corona auf Nachschub warten. „Wir haben zum Beispiel an den DRK-Kreisverband geliefert, an Städte und Gemeinden wie Döbeln, Waldheim, Kriebstein oder Lichtenau“, so Michael.

 Die Kommunen benötigen das Mittel vor allem für ihre nachgeordneten Einrichtungen wie Feuerwehren oder Kindertagesstätten. Auch die Mitarbeiter einiger Arztpraxen oder des Hospiz in Leisnig desinfizieren ihre Hände mittlerweile damit. „Es gibt Firmen, die dürfen derzeit nur weiterarbeiten, wenn sie Desinfektionsmittel bereitstellen können“, so Sebastian Michael.

 Auch denen kann er nun helfen.Bis vor wenigen Wochen war die Herstellung von Desinfektionsmitteln in Apotheken verboten. Das ist jetzt anders. Die EU-Biozid-Verordnung, die das Verbot beinhaltet, wurde vorerst bis Ende August dahingehend geändert. Sebastian Michael und sein Team erhielten damit die erforderliche Handlungsfreiheit für die Herstellung des Desinfektionsmittels. Das bedeute mehr Arbeit, „aber die machen wir gerne“, sagt er.

>>> Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog. <<< 

Sebastian Michael ist froh, dass seine Apotheke am Waldheimer Obermarkt zu DDR-Zeiten eine sogenannte Herstellungs-Apotheke war. Auf dem Dachboden hat er Gerätschaften gefunden, welche er jetzt gut gebrauchen kann. Einen Zwei-Liter-Messzylinder zum Beispiel und einen Aluminium-Kanister mit 20 Litern Fassungsvermögen. „So etwas habe ich sonst nie benötigt, aber jetzt hilft mir das ungemein“, sagt der Apotheker.

Die Herstellung selbst ist kein Hexenwerk. Vier Komponenten werden gebraucht: Isopropylalkohol, Wasserstoffperoxid, Glycerol und demineralisiertes Wasser. Die Preise für die Grundstoffe seien aber in den letzten Wochen buchstäblich explodiert, stiegen beispielsweise beim Isopropylalkohol von 1,70 Euro auf 5 Euro pro Liter. 

Ähnliches passiere derzeit aber auch mit den Preisen für Mundschutz und Handschuhe.Ein großes Problem, das den Apotheker derzeit umtreibt, sind die fehlenden Gefäße zum Abfüllen des Desinfektionsmittels. Die Lieferung von Behältern in Größen von einem bis zehn Litern Fassungsvermögen dauere derzeit etwa zwei Wochen.

 „Die Bestellung ist ausgelöst. Ob ich aber die Lieferung überhaupt bekomme, weiß ich nicht genau“, sagt er. Für den Verkauf in seiner Apotheke füllt er kleine Sprayflaschen ab.Die Corona-Krise hat auch für seinen Betrieb selbst einige Änderungen mit sich gebracht. Die zwölf Mitarbeiter arbeiten derzeit in zwei Teams, die sich nicht begegnen. „Sechs Leute sind von Montag bis Mittwoch und sechs andere von Donnerstag bis Sonnabend im Einsatz“, erklärt Sebastian Michael.

 Auf Mundschutz und einen sogenannten Spuckschutz am Ladentisch wird aber in Absprache mit dem Team verzichtet. Die Theke sei breit genug, so dass ein ausreichender Abstand zu den Kunden gegeben sei. Die Hygieneregeln – in der Apotheke ohnehin verpflichtend – würden derzeit noch intensiver umgesetzt.Sebastian Michael meint, dass die Verwendung von Desinfektionsmittel im normalen häuslichen Bereich nicht notwendig ist, wenn es dort keine Infizierten gibt. 

Das erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Menschen kann er aber durchaus nachvollziehen. Viel wichtiger als die Desinfektion sei aber regelmäßiges und gründliches Händewaschen.Heldenhaft findet der Apotheker seine Arbeit indes nicht. „Ich mache ja einfach nur meinen Job“, sagt er. 

Beeindruckt ist Sebastian Michael aber von der Hilfsbereitschaft der Waldheimer, die ihm und seinem Team in diesen Tagen entgegengebracht wird. „Hier haben schon viele Leute nachgefragt, ob sie uns unterstützen können, etwa beim Ausfahren der Medikamente“, sagt er. Das würden sie sogar nur fürs Benzingeld machen. Darauf zurückkommen, musste er noch nicht. 

„Aber ich finde es klasse, dass unsere Arbeit so wertgeschätzt wird.“Lobende Worte findet Sebastian Michael auch für die Arbeit der Politiker von Bund und Land in derzeitigen Lage. Besonders denkt er dabei an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn oder seine sächsische Kollegin Petra Köpping. „Es wurden schnell wirkungsvolle Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt, um die Pandemie einzudämmen.“

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