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Detektiv für eine Stunde

Der Escape Room in Bautzen kommt bei den Besuchern gut an. So gut, dass die Macher schon neue Rätsel entwickeln.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Wie zeigt man etwas, das nicht gezeigt werden darf? Wie erklärt man etwas, wenn jeder Satz schon zuviel verrät? Der Bautzener Mirko Böhmer hat dafür eine Lösung gefunden. Die ist sehr britisch, knallrot und liebevoll gestaltet. Die Rede ist von einer Telefonzelle. Damit war der 37-Jährige zum Beispiel schon bei der Einkaufsnacht in Bautzen. Das Tolle daran: Wann immer jemand neugierig fragt, was sich hinter einem Escape Room verbirgt, öffnet er die Tür und schließt sie wieder. Nur, wer es schafft, alle Rätsel in der Telefonzelle zu lösen, kommt wieder hinaus.

Die Telefonzelle ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Bautzener seit zwei Jahren im Löblein Center an der Edisonstraße erwartet. Dort hat sich der gelernte Bankkaufmann gemeinsam mit seiner Frau einen Traum erfüllt. Mit viel Liebe zum Detail gestalteten die beiden einen Rätselraum, der an Sherlock Holmes erinnert. Die Möbel dafür fanden sie auf dem Trödelmarkt. Wie ein kleines Museum sieht das aus. Nur, dass man hier alles anfassen darf. In jeder Schublade, hinter jedem Buch kann ein Hinweis versteckt sein.

Bis zu sechs Spieler ab 14 Jahre verwandeln sich eine Stunde lang in Detektive und versuchen einen Schlüssel zu finden, mit dem sie ins Freie gelangen können. Das Abenteuerspiel für Erwachsene ist gefragt. So gefragt, dass die Macher inzwischen neue Rätsel entwickelt haben. Das ist wichtig, damit die Gäste auch wiederkommen. Die Rätsel in einem Zimmer kann jeder nämlich nur einmal lösen. „Aus diesem Grund haben wir einen zweiten Raum mit einem völlig anderen Thema und neuen Rätseln erstellt“, erklärt Böhmer.

Logisches Denken ist wichtig

Entstanden ist eine verschollene Grabkammer. Schon im engen Vorraum wird es gruselig. Spinnen hängen an der Wand, ein Licht flackert. Nur wer hier bereits logisch denkt, kann sich langsam zum Ort des Geschehens vorarbeiten – dann aus der Grabkammer auch wieder herausfinden.

Sogar einen dritten Raum haben die Macher bereits im Kopf. Platz dafür wäre genug, doch sofort umsetzen können sie ihre vielen Ideen nicht. Schließlich bauen und betreiben Mirko Böhmer und seine Frau die Räume ausschließlich in ihrer Freizeit. Das ist auch der Grund, warum sich Besucher über die Internetseite anmelden müssen, wenn sie einmal zum Spielen vorbeikommen wollen. „Wir versuchen, vieles möglich zu machen. Aber manchmal sind wir auf Familienfeiern und haben deshalb geschlossen“, so der Betreiber. Einen ganzen Berg von Arbeit hat er sich freiwillig aufgebrummt, ganz abgesehen von den Kosten für die Materialien. Doch dem Bautzener ist es das wert. Allein schon deshalb, weil er ein neues Erlebnis in seine Heimatstadt holen konnte.

Es geht ihm aber auch um den Prozess des Entwickelns. Das Ausdenken, die vielen Besuche im Baumarkt, das Basteln – all das gehört für ihn dazu. Mit Geocaching hat es bei Mirko Böhmer angefangen, eine Art digitaler Schatzsuche. Seitdem ist das Lüften und Entwickeln von Geheimnissen eines seiner größtes Hobbys.

Je nach Anzahl der Spieler kostet die Teilnahme zwischen 20 Euro und 30 Euro pro Person. Dabei ist nicht garantiert, dass die Besucher tatsächlich alle Rätsel lösen. „Wäre das so, hätten wir etwas falsch gemacht“, meint Böhmer. Mit einer im Raum installierten Kamera beobachtet er, wie die Spieler vorankommen. Sind sie total auf dem Holzweg oder Verzetteln sich bei einem Rätsel zu sehr, dann gibt er ihnen wertvolle Hinweise. Ob es schon jemand ohne Tipps aus dem Rätselraum geschafft hat? Mirko Böhmer überlegt kurz. „Bei der Grabkammer schon“, sagt er dann und fügt lächelnd hinzu: „Beim Meisterdetektiv ist das noch keinem gelungen.“

www.lets-escape.de