SZ +
Merken

Deuben fühlt sich ausgebremst

Zentrum. Pfeile zeigen nach Potschappel. Das sorgt dort für Unmut, wo der künftige Mittelpunkt Freitals entstehen könnte.

Teilen
Folgen

Von Peter Hilbert

Steffen Hartig steht auf der Hüttenstraße, schüttelt mit dem Kopf. Hier mündet die Umgehung in Deuben auf die Dresdner Straße. Der Touristikunternehmer, der Reisebüros in Deuben und Potschappel betreibt, versteht die Welt nicht mehr. Gleich nebenan reiht sich Geschäft an Geschäft, liegen zahlreiche zentrale Einrichtungen wie Rathaus, Gymnasium und Krankenhaus.

Doch auf dem Vorwegweiser zeigt der Pfeil nach links zum Zentrum – Richtung Potschappel. Auch gleich um die Ecke, an der Dresdner Straße, werden Fahrzeugführer per Pfeil weiter zum vermeintlichen Zentrum nach Potschappel gelotst. „Das ist doch völlig unsinnig. Es wird bewusst von den Geschäften weg gewiesen“, ärgert sich der Unternehmer. „Die Stadt macht offenbar, was sie will.“

Stadt soll Position beziehen

Ihm gehe es keinesfalls darum, nur über Missstände zu meckern. Er hält es jedoch für wichtig, dass versucht wird, ein Stadtzentrum auszubauen. Die Stadt sollte sich endlich mal klar positionieren.

Bei Chris Meyer rennt Hartig offene Türen ein. „Der Wegweiser müsste eigentlich nach Deuben zeigen“, findet auch der Chef des Unternehmerverbandes Weißeritztal. „Vielleicht sollte er aber dorthin zeigen, wo der Oberbürgermeister sitzt“ – also ins Zentrum der Macht, versucht Meyer dem Schild zumindest einen gewissen Sinn abzugewinnen. Für ihn steht fest, wo das künftige Zentrum hingehört: ans Rathaus Deuben. Dort führen mit dem Busbahnhof, dem S-Bahn-Haltepunkt und den Hauptstraßen die Verkehrsadern zusammen. Auch Meyer verweist zudem auf Gymnasium, Krankenhaus und Rathaus. Gemeinsam mit der Stadt will der Verband jetzt die schon ewig schwelende Diskussion wieder anschieben. Deshalb haben sie gemeinsam beim Wettbewerb „Ab in die Mitte“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) ein Projekt für einen neuen Anziehungspunkt in Deuben eingereicht.

Bauchef: Keine böse Absicht

Ins Auge gefasst wurde das Areal zwischen der Bahnhof-, der Mozart- und der Poststraße hinterm Rathaus Deuben. Entwickelt werden soll ein Modell eines Zentrums für Verwaltung, Kultur, Einkauf, Dienstleistung, Gastronomie und Erholung. Allerdings wäre das Konzept nur die eine Seite. Es müssten auch noch Investoren gefunden werden. Meyer ist aber optimistisch, dass dies gelingt.

Baubürgermeister Ulrich Kretzschmar (CDU) hebt die Hände, als die SZ ihn mit der fragwürdigen Zentrum-Wegweisung konfrontierte. Es gebe sie doch schon seit Jahren. „Bisher hat sich noch niemand beklagt“, verteidigt er sich. Allerdings signalisiert der Baubürgermeister Gesprächsbereitschaft. „Es war doch keine böse Absicht.“ Eine Veränderung der Wegweisung könnte durchaus geprüft werden, um die Deubener Händler nicht zu benachteiligen. Kretzschmar hält es auch für gut, dass jetzt über den Ausbau eines Zentrums in Deuben nachgedacht wird.

Stückwerk bringt nichts

Reisebüro-Inhaber Hartig drängt indes auf eine Entscheidung der Stadt. Die Wegweisung sei doch nur die eine Seite, ein richtiges Zentrum die noch notwendigere. „Es bringt doch nichts, ein bisschen Geld dort und ein bisschen anderswo auszugeben. Am Ende hat dann keiner was davon – weder die Stadt noch die Händler oder die Freitaler Einwohner.“