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Deutlich mehr Karies bei Kindern

Je geringer das Einkommen der Eltern, desto schlechter die Zähne, belegt der neue Zahnreport der Barmer. Der stößt auch auf Kritik.

Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat Karies in den bleibenden Zähnen.
Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat Karies in den bleibenden Zähnen. © Patrick Pleul/dpa

Berlin. Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat bereits Karies im bleibenden Gebiss. In Sachsen sind es sogar 35 Prozent. Das geht aus dem neuen Zahnreport hervor, den die Barmer am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. „Bislang ist man davon ausgegangen, dass nur etwa jeder Fünfte betroffen ist“, sagt Kassen-Chef Christoph Straub. „Somit wurde Karies bei Kindern deutlich unterschätzt.“ Die Zahlen basieren auf Abrechnungsdaten von neun Millionen Barmer-Versicherten 2018.

Das beste Mittel gegen Karies ist neben der täglichen Zahnhygiene der regelmäßige Zahnarztbesuch. „Doch daran scheint es zu hapern“, so Straub. Der Anteil der Kinder, die über einen Zeitraum von sechs Jahren überhaupt keinen Kontakt zu einem Zahnarzt gehabt hätten, sei erstaunlich hoch. Bei den unter Sechsjährigen seien es mehr als 15 Prozent, deutschlandweit entspreche das etwa 720.000 Kindern.

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„Besonders bei sozial schwachen Familien sehen wir einen Trend zur Vernachlässigung des Zahnschutzes“, erklärt Studienautor Michael Walter, Direktor der Dresdner Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik. Eine Analyse der bei der Kasse versicherten Eltern zeige: Je geringer deren Einkommen, desto häufiger seien die Therapieleistungen bei Heranwachsenden. Walter: „Wenige Kinder haben besonders viel Karies.“ Insofern müsse man bei der Prävention mehr auf diese Risikogruppe zielen – zum Beispiel mit verstärkter Gruppenprophylaxe. Die Umsetzung sei aber Ländersache. In Sachsen finden laut Sozialministerium jährlich zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Kitas und Schulen statt.

Erwachsene behalten ihre Zähne immer länger

Eine Schutzmaßnahme gegen Karies in den bleibenden Backenzähnen ist die sogenannte Fissurenversiegelung. „Allerdings hielten nur 35,3 Prozent der erstmaligen Versiegelungen bei Heranwachsenden länger als neun Jahre“, so Studienautor Walter. Das sei geringer als erwartet.

Als erfreulich bewertet der Zahnreport, dass die Kariesbehandlungen bei Erwachsenen stetig zurückgehen und immer mehr Zähne erhalten werden. So wurden 2018 bei acht Prozent der Patienten Zähne gezogen – so wenig die nie zuvor. In Sachsen waren es neun Prozent.

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Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung zweifeln indes die Ergebnisse des Zahnreports an. „Gleich mehrere epidemiologische Großstudien kommen völlig unabhängig zu dem Ergebnis, dass sich die Zahngesundheit der Kinder nicht verschlechtert hat“, sagt Kassenzahnärzte-Chef Wolfgang Eßer. Danach seien 81 Prozent der Kinder kariesfrei. Allein aus abgerechneten Behandlungen ließen sich keine Schlussfolgerungen auf die Zahngesundheit ziehen.

Der Zahnarzt-Report der Barmer zum Nachlesen (PDF)

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