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Wirtschaft

Deutlich mehr Teilzeitjobs im Westen als im Osten

Eine Studie zeigt: Atypische Arbeitsverträge gehen in Ostdeutschland stärker zurück. Das liegt nicht nur an den Frauen.

Am stärksten ist Teilzeit im Gesundheits- und Sozialwesen verbreitet.
Am stärksten ist Teilzeit im Gesundheits- und Sozialwesen verbreitet. © Rolf Vennenbernd/dpa (Symbolbild)

Dresden. In Ostdeutschland sind immer weniger Menschen bei der Arbeitssuche auf Einschränkungen wie Mini- und Teilzeitjobs angewiesen. Anders als im Westen ist im Osten der Anteil der „atypischen“ Beschäftigung deutlich zurückgegangen, schreiben Forscher des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Forscher verstehen unter atypischer Beschäftigung Teilzeitarbeit mit höchstens 20 Stunden sowie befristete und Leiharbeit. In Ostdeutschland ist der Anteil solcher Arbeitsverträge in der Zeit von 2007 bis 2017 von 20,7 auf 16,3 Prozent zurückgegangen. Im Westen dagegen hat er sich der Studie zufolge kaum verändert. Am höchsten ist der Anteil der atypischen Jobs in Bremen mit 26,2 Prozent und im Saarland mit 24 Prozent. Brandenburg dagegen gilt als Hochburg der „Normalarbeit“ mit nur 14 Prozent atypischer Beschäftigung. Sachsen liegt mit 15,5 Prozent auf dem zweiten Platz.

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Die Forscher Eric Seils und Helge Baumann schreiben, das Niveau atypischer Beschäftigung sei insgesamt weiterhin hoch. Seit Anfang der 1990er-Jahre hätten Teilzeit, Befristung und Leiharbeit stark zugenommen, etwa bis zur Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009. Zwei Drittel des Zuwachses kamen von Frauen in Westdeutschland, die zunehmend in Teilzeit arbeiteten. Seit einigen Jahren allerdings habe sich ein neuer „Trend“ entwickelt: Frauen nehmen demnach nicht mehr so häufig Jobs mit weniger als 20 Wochenstunden an, aber zunehmend Teilzeitstellen mit mehr als 20 Stunden pro Woche.

Das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren führte dazu, dass nach 2011 die Zahl der deutschen Frauen mit atypischer Beschäftigung um fast 450.000 zurückging, die der deutschen Männer um gut 180.000. Gleichzeitig nahmen über 490.000 Ausländer mehr als vorher solche Jobs an. Sie leben überwiegend im Westen.

Grundsätzlich ist atypische Arbeit bei jüngeren Menschen häufiger, weil ihnen häufiger befristete Verträge und Leiharbeit angeboten werden. Frauen ab 35 Jahren sind aber „wegen Betreuungsaufgaben“ häufiger in Teilzeit als jüngere. Zur Bezahlung sagt diese Studie nichts. Die Forscher raten Politikern dazu, die Kinderbetreuung zu verstärken, um den Trend zu längeren Arbeitszeiten bei Frauen zu unterstützen. Damit könnte auch der erwartete Arbeitskräftemangel zumindest verringert werden.

Eine ältere Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatte für das Jahr 2016 ermittelt, dass jeder fünfte Beschäftigte in Sachsen eine Teilzeitstelle hat. Am stärksten ist Teilzeit im Gesundheits- und Sozialwesen verbreitet – in Branchen mit mehr als 80 Prozent Frauenanteil. 

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