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Deutsch lernen in Bildern

36 Flüchtlinge leben derzeit in neun Wohnungen in Kodersdorf. Dank freiwilliger Helfer können sie die Sprache lernen.

© André Schulze

Von Katja Schlenker

Schwarz oder doch Schweiz? Für Fremdsprachler birgt die deutsche Sprache so manche Tücke. Zum Beispiel wie die dunkle Farbe korrekt ausgesprochen wird. Ge-burts-da-tum – was für ein langes Wort. Und das kleine Wörtchen „jetzt“ ist auch ein ganz schöner Zungenbrecher. Konzentriert sitzen acht Flüchtlinge im Kodersdorfer Pfarramt. Dort ist ein Raum zum Klassenzimmer umfunktioniert worden. Lehrerin Miriam Lehel steht an einer kleinen Tafel und erklärt geduldig die Tücken der deutschen Sprache. Die Zwanzigjährige ist eine von zehn Helfern, welche die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland unterstützen.

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Sieben Familien, eine alleinerziehende Frau sowie mehrere Frauen in einer Wohngemeinschaft leben derzeit in neun Wohnungen nahe der Oberschule. Sie kommen aus Syrien und dem Libanon. Die meisten sprechen arabisch oder auch kurdisch. Zwei können Englisch, in einer Familie wird auch ein wenig Deutsch gesprochen, sagt Jens Janeck. Er ist beim Landesverband Schlesische Oberlausitz des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) tätig. Dieser hat vom Landratsamt in Görlitz den Auftrag, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. Ein Job, bei dem man nicht auf die Uhr schauen darf, sagt Jens Janeck.

Zweimal pro Woche lernen die Flüchtlinge anderthalb Stunden lang Deutsch. Normalerweise sind zwei Lehrer da und ein Betreuer für die Kinder. An diesem Tag ist alles ein wenig anders. Miriam Lehel unterrichtet die Klasse alleine – die Erwachsenen wiederholen die deutschen Begriffe, während die Kinder in einer Ecke spielen. Dass die junge Kodersdorferin den Lehrberuf nicht erlernt hat, merkt man ihr nicht an. Angesprochen worden ist sie von Mitgliedern des CVJM. Momentan hat sie zwei Tage pro Woche frei. Die anderen drei Tage arbeitet sie im Jugendcafé in Görlitz. In der Stadt hätte sie auch gerne studiert, aber das hat erst mal nicht geklappt. Daher engagiert sie sich nun in ihrem Heimatort.

„Ich bin begeistert von der Motivation und dem Interesse der Familien“, sagt sie über ihre Schüler. „Sie sind gewillt, Deutsch zu lernen, und sehr um die richtige Aussprache bemüht.“ Und nebenher lernt Miriam Lehel noch das eine oder andere Wort auf Arabisch. Das schadet nicht, denn es gibt auch Kurse, in denen keiner Englisch spricht. Dann wird sich mit Gesten und Zeigen verständigt. Außerdem gibt es im Lehrbuch zu jedem Begriff ein Bild. Das erleichtert das Lernen.

Gelehrt werden vor allem praktische Sachen. Was muss ich alles wissen, wenn ich zum Amt gehe? Wie verhalte ich mich richtig beim Einkaufen? Aber auch Kultur steht auf dem Programm. Zum Beispiel hat es eine kleine Weihnachtsfeier gegeben, bei der auch erklärt worden ist, was es mit dem Fest auf sich hat. Mittlerweile hat sich auch die Situation in Kodersdorf beruhigt. Einwohner sind am Anfang überaus skeptisch gewesen, als Mitte Oktober vergangenen Jahres bekannt wird, dass Flüchtlinge nach Kodersdorf kommen.

Jedoch sind die Familien aus Syrien und dem Libanon sehr offen gegenüber den Deutschen. Zum Beispiel gehen sie durchs Dorf und grüßen die Leute freundlich, erzählt Miriam Lehel. Das hat am Anfang zum Teil für Irritationen gesorgt. Unterdessen entstehen freundschaftliche Bande. Es gibt Einwohner, welche die Familien regelmäßig besuchen und einladen, erklärt Jens Janeck. Aber auch Sport machen einige der Helfer mit den Flüchtlingen. Ansonsten hat die Hilfe oft mit dem Alltag zu tun. Neben dem Erlernen der neuen Sprache müssen notwendige Sachen besorgt werden. Da es sich bei den Neu-Kodersdorfern meist um Familien handelt, werden zum Beispiel Kinderwagen für die Kleinen benötigt.

Momentan ist noch eine Wohnung frei. Der private Vermieter hat zehn Apartments nahe der Oberschule angeboten. Vorerst sei nicht geplant, die letzte freie Wohnung zu belegen, sagt Jens Janeck. Er arbeitet zum ersten Mal mit Flüchtlingen zusammen. Von Beruf ist er Fremdenführer und hat einige Jahre in den Niederlanden gelebt. Er kann die Situation der Flüchtlinge also nachempfinden. Es kostet Mut, die neue Sprache auch im Alltag anzuwenden, sagt er. Das liegt auch daran, dass trotz der gleichen Sprache noch immer Missverständnisse auftreten können. Denn zum Teil sprechen die Syrer die deutschen Worte anders aus, als bei Einheimischen üblich. Da wird dann eben aus Schwarz auch schnell mal die Schweiz.