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Hoyerswerda

Deutsch-polnische Jugendpartnerschaft

Schüler aus Hoyerswerda und Boleslawiec (Bunzlau) lernen einander in einem Kooperationsprojekt kennen.

Schüler aus Deutschland und Polen arbeiten in einer Keramikwerkstatt.
Schüler aus Deutschland und Polen arbeiten in einer Keramikwerkstatt. © Foto: Angela Donath

Von Angela Donath

Hoyerswerda. Seit langem unterhalten die Landkreise Bautzen und Boleslawiec (Bunzlau) in Polen Partnerschaftsbeziehungen. Nur etwa eine reichliche Stunde Fahrzeit liegt zwischen den Orten. Sportwettkämpfe, kulturelle Projekte oder regelmäßige Besuche zum gegenseitigen Kennenlernen sind keine Seltenheit. Das Gleiche gilt auch für Langzeitprojekte, beispielsweise im Bildungsbereich. Mit Fördermitteln der Europäischen Union und fachlicher Unterstützung des Landkreises Bautzen konnte in Boleslawiec eine Förderschule saniert werden. Die deutschen Partner konnten mit Hilfe des gleichen Programms zwei Transporter für die Schülerbeförderung und Tablets für eine Schule beschaffen. Das Wichtigste innerhalb dieser Projekte sind jedoch lebendige Kontakte.

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Seit Januar des Jahres können Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Schulzentrums „Konrad Zuse“ diese innerhalb ihrer Berufsvorbereitung (BVJ) knüpfen. BVJler bereiten sich hier auf eine Berufsausbildung vor, die meisten versuchen, einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Ein Großteil von ihnen stand bisher nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens, hier haben sie eine zweite Chance als Ausgangspunkt für einen beruflichen Einstieg.

Einmal im Monat macht sich eine Gruppe von BVJlern gemeinsam mit Schulsozialarbeiterin Regine Blenk und Lehrerin Silke Reuß auf die Reise nach Boleslawiec. Am 4. März war es wieder so weit. Pünktlich 7 Uhr rollte der Kleinbus auf den Lausitzer Platz. Die Stimmung drinnen war noch gedämpft, denn ein Teil der Schüler hat täglich einen langen Anfahrtsweg nach Hoyerswerda zu bewältigen. Ein Schüler kommt beispielsweise aus Weißwasser.

Über Ländergrenzen hinaus ...

Nach einem freundlichen Empfang mit leckerem Frühstück im Keramikmuseum von Boleslawiec war erst mal Schluss mit Ausruhen. Dazu trug besonders der erste Programmpunkt des Tages bei: „Bewegung mit Musik“ stand auf dem Programm. Das entrüstete „Ich tanze nicht!“ aus der Männerriege half nur bedingt und bald hatte die Theaterpädagogin die Jungen und Mädchen auf ihrer Seite. Sie demonstrierte, meist ohne Worte, was zu tun ist. Ihre Anleitungen wurden erstaunlich schnell, später auch lächelnd befolgt.

Danach ging es in die Keramikwerkstatt. Das war für die Hoyerswerdaer nicht neu. Bereits im Februar waren von ihnen hier kleine Kunstwerke erarbeitet worden, die nun gebrannt waren und zur weiteren Verzierung bereitstanden. Natürlich gab es auch hier fachliche Anleitung, denn am Schluss des Projektes sollen diese Kunststücke zu einem deutsch-polnischen Gesamtkunstwerk zusammengeführt werden. Bei der Gestaltung hatten die Boleslawiecer wohl Heimvorteil. Die Arbeit ging der Gruppe aus der Keramikstadt sichtlich leichter von der Hand.

Kunst und Kultur verbinden

Nach der bildenden Kunst folgten am Nachmittag Gesang und Theater. „Freude, schöner Götterfunken“, gesungen von einem polnischen Chor mit Unterstützung von Schülerinnen aus Bautzen, war durchaus hörenswert, aber aktuelle Popsongs, dargeboten von den polnischen Jugendlichen, beeindruckten sichtlich mehr. Beim anschließenden Improvisationstheater schlugen sich die jungen Leute wieder wacker. Im alten Theater von Boleslawiec war Gelegenheit, mit Uwe Wunderlich, Beauftragter für Städtepartnerschaften im Landratsamt Bautzen, zu sprechen. Er begrüßt solche Begegnungen und lobt das Engagement der Schüler und Pädagogen. Hier spüren die Jugendlichen, dass die Welt größer ist, dass man gemeinsam etwas unternehmen kann, auch wenn man die Sprache nicht versteht, anders aussieht oder ein Kopftuch trägt.

Diese Erwartungen scheinen sich zu erfüllen: Auf dem Heimweg wurden die Schüler gefragt, wer beim nächsten Mal wieder mitfährt. „Ich!“, lautete die Antwort mehrheitlich – und das, obwohl diese Projekttage wirklich sehr lange Tage sind.

Schule auf diese Weise zu erleben, sollte wirklich verstärkt Schule machen. Das ist Bildung zum Erfahren, Erfühlen und nicht zuletzt auch zum Schmecken.